Damenbinden und Tampons (Foto: Imago Images/AllaRudenko /Panthermedia)

Saar-Uni will Periodenprodukte an Studentinnen verteilen

Daniel Dresen   07.03.2021 | 20:10 Uhr

Das Gleichstellungsbüro der Universität des Saarlandes und der AStA wollen Studentinnen, die sich aus finanziellen Gründen, Tampons und Binden kaum leisten können, helfen. Zusammen planen sie eine Aktion gegen die sogenannte Periodenarmut. Vorbild ist Frankreich: Hier haben Studentinnen künftig an ihren Universitäten Zugang zu kostenlosen Periodenprodukten.

Eine von drei Personen im Hochschulwesen ist laut der französischen Hochschulministerin Frédérique Vidal von der sogenannten Periodenarmut betroffen. An Frankreichs Universitäten soll es daher bald gratis Periodenprodukte geben.

Einer aktuellen Studie unter französischen Studierenden zufolge mussten sich nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa 13 Prozent der mehr als 6500 befragten Personen schon zwischen dem Kauf von Periodenprodukten und einem anderen zum Leben notwendigen Gut entscheiden. Ein Drittel gab an, finanzielle Hilfe zu benötigen, um ausreichend Periodenprodukte zu haben.

Studierende der Saar-Uni pochen auf Hilfe

Auch unter saarländischen Studierenden wird das Thema diskutiert, sagen Irini Tselios und Hannah Spies, die beiden AStA-Vorsitzenden der Universität des Saarlandes. Konkrete Zahlen zur Periodenarmut unter den saarländischen Studentinnen hat der Studierendenausschuss zwar nicht, trotzdem stellte das Studierendenparlament bereits im Januar die Forderung, künftig an allen Saar-Uni-Einrichtungen kostenlose Menstruationsartikel zur Verfügung zu stellen. Der Vorstoß aus Frankreich stärkt nach Aussage der AStA-Vorsitzenden die Verhandlungsposition der Studierendenschaft in Saarbrücken.

Die Gleichstellungsbeauftragte der Saar-Uni, Sybille Jung, betont gegenüber dem SR, dass das Gleichstellungsbüro der Hochschule zusammen mit dem AStA gegen Periodenarmut aktiv vorgehen will. Schließlich verschärft die Corona-Pandemie die finanzielle Situation der Studierenden zusätzlich dadurch, dass beliebte Studentenjobs beispielsweise in der Gastronomie dem Lockdown zum Opfer gefallen sind.

Nachhaltige Lösung angedacht

Die Mehrwertsteuersenkung auf Tampons und Damenbinden im Januar vergangenen Jahres von 19 auf sieben Prozent ist dabei nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Laut einer Umfrage der britischen "Huffington Post" aus dem Jahr 2019 gibt eine Frau im Laufe ihres Lebens umgerechnet 20.700 Euro für die Periode aus. 

Rund 52 Prozent der Studierenden an der Saar-Uni sind weiblich, zusammen mit den Uni-Mitarbeiterinnen sind es etwa 9500 Frauen. Allein der Frauen-Anteil unter den Medizinstudierenden am Standort Homburg beträgt fast 80 Prozent. Vor der Pandemie hätte die Saar-Uni bereits zusammen mit dem Studierendenwerk und dem AStA auf den Damentoiletten der Mensa probeweise Binden und Tampons kostenlos zur Verfügung gestellt, berichtet die Gleichstellungsbeauftragte Jung. Der AStA hätte sich damals um die Finanzierung gekümmert.

Eine Menstruationstasse als Alternative zu Tampon und Damenbinde während der Periode (Foto: picture alliance / dpa Themendienst | Andrea Warnecke)
Eine Menstruationstasse als Alternative zu Tampon und Damenbinde während der Periode

Jung begrüßt die Initiative der französischen Hochschulministerin, würde allerdings was das Thema Nachhaltigkeit angeht, an der Saar-Uni noch einen Schritt weitergehen. "Neben Einwegartikeln wie Tampons und Binden könnte man an der Saar-Uni Menstruationstassen an die Studentinnen verteilen", so die Gleichstellungsbeauftragte.

Auch HTW-ASTA an dem Thema dran

Jung kann sich eine Aktion noch in diesem Monat vorstellen – im Rahmen des Weltfrauentags, der am 8. März begangen wird. Neben einem Finanzierungskonzept müsste sich die Saar-Uni jedoch noch eine coronakonforme, möglichst kontaktlose Verteilung der Periodenprodukte überlegen. Zudem kommen die Studierenden in den noch bis Ende März andauernden Semesterferien höchstens für Präsenzprüfungen oder Praktika in den Laboren auf den Campus.

Auch der AStA der HTW Saar sieht Handlungsbedarf beim Thema Periodenarmut. Der Frauen-Anteil an der Hochschule für Technik und Wirtschaft beträgt etwa 40 Prozent. "Die Bereitstellung von Hygieneprodukten ist uns ein wichtiges Anliegen", sagt Michelle-Marie Eich, AStA-Referentin für Frauen und Gleichstellung. Eine bundesweite Lösung für alle Hochschulen sei aber unabdingbar.

Vorreiter Schottland

"Periodenarmut ist ein gesamtgesellschaftliches Problem und betrifft nicht nur Studentinnen", betont die Gleichstellungsbeauftragte der Saar-Uni, Sybille Jung. Als weltweiter Vorreiter im Kampf gegen Periodenarmut gilt Schottland. Schulen und Universitäten sind dort verpflichtet, Menstruationsartikel kostenlos in Toiletten anzubieten. Auch andere öffentliche Einrichtungen können von der schottischen Regierung dazu veranlasst werden.

Der Pazifikstaat Neuseeland zieht im Juni nach: Ab dann sollen in allen Schulen des Landes kostenlos Tampons und Binden zur Verfügung stehen. Der Grund: In ärmeren Regionen Neuseelands waren Mädchen teilweise nicht zur Schule gekommen, weil ihre Familien sich den Kauf von Menstruationsprodukten nicht leisten konnten.

Über dieses Thema hat auch die Sendung "aktuell um 18 Uhr" im SR Fernsehen vom 07.03.2021 berichtet.

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