Stefan Pauluhn von der SPD. (Foto: Pasquale D'Angiolillo/SR)

Pauluhn wird neuer Saartoto-Chef

  22.12.2020 | 15:27 Uhr

Der stellvertretende Fraktionschef der SPD-Landtagsfraktion, Stefan Pauluhn, wird ab Juni neuer Geschäftsführer von Saartoto. Das hat der Aufsichtsrat am Montagnachmittag beschlossen. FDP, Grüne und AfD im Saarland kritisieren die Ernennung Pauluhns.

Einschätzung: Stefan Pauluhn wird Saartoto-Geschäftsführer
Audio [SR 3, Studiogespräch: Simin Sadeghi/Janek Böffel, 21.12.2020, Länge: 03:19 Min.]
Einschätzung: Stefan Pauluhn wird Saartoto-Geschäftsführer

Damit der 58-Jährige Stefan Pauluhn im Sommer schon an die gutdotierte Spitze von Saartoto rücken kann, wird der bisherige Geschäftsführer Michael Burkert frühzeitig aus dem Amt scheiden. Eigentlich lief Burkerts Vertrag bis Ende 2021. Der SPD-Politiker war seit 2007 Geschäftsführer von Saartoto, gemeinsam mit Peter Jacoby von der CDU, und einst Finanzminister im Land. Die beiden gleichberechtigten Geschäftsführerposten mit gut 200.000 Euro Jahreseinkommen und Fahrer werden traditionell jeweils von CDU und SPD besetzt.

Nun soll Pauluhn für die SPD bei Saartoto die Geschäfte führen. Pauluhn war bis Herbst 2019 Fraktionschef der SPD im Landtag, ehe er für den damaligen Bildungsminister Ulrich Commerçon Platz an der Fraktionsspitze machte. Schon damals war über einen anstehenden Wechsel Pauluhns zu Saartoto spekuliert worden.

Bei der CDU hingegen bleibt erst einmal alles beim Alten. Der Vertrag des 69-jährigen Jacoby soll sogar um ein Jahr bis 2022 verlängert werden.

Kritik von FDP, Linke, Grünen und AfD

Die Saar-FDP kritisiert die Ernennung Pauluhns zum Saartoto-Geschäftsführer. CDU und SPD hätten eine weitere wichtige Stelle nach Parteibuch vergeben, statt in einem Auswahlverfahren den kompetentesten Bewerber auszusuchen, sagte die stellvertretende Landesvorsitzende Angelika Hießerich-Peter. "Die Praxis, solch wichtige Ämter zwischen den großen Parteien aufzuteilen, muss endlich vorbei sein. Ein politisch neutraler Geschäftsführer wäre sinnvoll", so die FDP-Politikerin. Die Vergabe von Geldern müsse zudem transparent im Landtag entschieden werden.

Auch die Linkspartei plädierte für eine öffentliche Ausschreibung und eine anonymisierte Auswahl der Bewerber, ausschließlich nach der Qualifikation. Zudem sollte das Gehalt für öffentliche Ämter dieser Art begrenzt werden. Der Landesvorsitzende Thomas Lutze schlägt als Grundlage die doppelte Höhe der Landtagsdiäten vor - derzeit also 147.192 Euro brutto.

Kritik kommt auch von den Grünen. Der saarländische Bundestagsabgeordnete und Grünen-Landeschef Markus Tressel wirft der Großen Koalition vor, trotz der Erfahrungen aus der LSVS-Krise mit ihrer Selbstversorgungspolitik weiterzumachen. Tressel forderte zudem, dass Saartoto zukünftig nur noch einen Geschäftsführer habe. "Das eingesparte Geld stünde dann kulturellen oder sozialen Projekten zur Verfügung. Gerade in der Corona-Krise wäre das mal ein starkes Signal gewesen." Es müsse selbstverständlich sein, den Geschäftsführerposten auszuschreiben und strikt nach fachlichen Kriterien zu besetzen.

Die AfD kritisierte, Stefan Pauluhn bringe keine Qualifikation in das für den saarländischen Amateur- und Profisport so wichtige Amt. Nachdem der LSVS gerade erst seine Vorstände erstmals unabhängig von Parteibüchern besetzt habe, sollte auch die Landesregierung bei Saartoto die teure und unnötige Doppelbesetzung nach Parteibuch benden.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten vom 20.12.2020 berichtet.

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