Oskar Lafontaine von der Linken. (Foto: Pasquale D'Angiolillo/SR)

Lafontaine wird 75 Jahre alt

Janek Böffel   16.09.2018 | 08:41 Uhr

Er war Oberbürgermeister in Saarbrücken, Ministerpräsident, Bundesfinanzminister, SPD-Vorsitzender und später auch noch Bundesvorsitzender der Linken. Nur wenige Politiker waren so umtriebig, wie Oskar Lafontaine. Und jetzt im fortgeschrittenen Alter hat er mit seiner Frau Sahra Wagenknecht die Aufstehen-Bewegung gestartet, mit der er die linken Kräfte in Deutschland vereinen will. Am Sonntag ist Lafontaine, der vielleicht berühmteste Saarländer, 75 Jahre alt geworden.

Oskar Lafontaine ist immer noch Oskar Lafontaine. Gut, älter geworden ist er, hat abgenommen auf den Fahrradtouren mit Sahra Wagenknecht, aber um seine Lippen spielt noch immer dieses leicht ironische Lächeln, von dem man nie ganz weiß, wem es gilt. Dem Gegenüber, sich selbst oder der Welt im Großen und Ganzen. Das kann mal charmant, manchmal auch besserwisserisch wirken. Doch dann verschwindet es kurz, dieses Lächeln. Beim Gedanken an diesen Abend vor gut 28 Jahren: Lafontaine überlebt die Attacke der psychisch erkrankten Frau nur knapp. Ausgerechnet er, der Unaufhaltsame.

Lafontaine wird 75.
Video [SR Fernsehen, (c) SR, 14.09.2018, Länge: 03:39 Min.]
Lafontaine wird 75.

Mit 32 Oberbürgermeister von Saarbrücken, mit 41 SPD-Ministerpräsident im vorher tiefschwarzen Saarland, mit 47 Jahren nun Kanzlerkandidat. Doch noch immer gezeichnet vom Attentat scheitert er an Helmut Kohl. Vielleicht zum ersten Mal unterliegt er. Und er reagiert so, wie auch später immer wieder. Er zieht sich zurück ins Saarland. Dort, wo er nicht der Lafontaine, sondern der Oskar ist. Irgendwo zwischen Volkstribun und Sonnenkönig. Einer aus dem Volk, so gefiel sich Lebemann Lafontaine immer schon.

"Ich bin aufgewachsen in einem saarländischen Dorf. Dieses Dorf war geprägt von dem katholischen Arbeitermilieu. Die meisten Männer arbeiteten auf der Hütte. Die Kinder, mit denen ich spielte, waren Arbeiterkinder." Vielleicht rührt es daher, sein Talent für Stimmungen. An guten Tagen einer der ganze Säle mitreißen kann, an den weniger guten auch mal Populist. 1995 macht ihn dieses Talent zum wichtigsten Mann der SPD, als er in einer Kampfabstimmung den blassen Parteichef Rudolf Scharping stürzt.

Es werden seine erfolgreichsten Jahre. Mit diesem untrüglichen Gespür für Volk, Macht und Politik führt er seine SPD an die Regierung. Gemeinsam mit Gerhard Schröder, erst als Einpeitscher, dann als Finanzminister. Doch die beiden können nicht lange nebeneinander. Nach fünf Monaten tritt Lafontaine zurück und erklärt: "Der Grund meines Rücktritts ist das schlechte Mannschaftsspiel, das wir in den letzten Monaten geboten haben. Ich wünsche der Partei weiterhin einen guten Weg und eines soll sie nie vegessen: Das Herz wird noch nicht an der Börse gehandelt, aber es hat einen Standort. Es schlägt links."

Oskar Lafontaine feiert 75. Geburtstag

Seine Bühne werden fortan die Talkshows der Republik. Aus dem Machtmenschen wird der Medienmensch Lafontaine. Doch nicht lange, und es wird ein ähnlicher Paukenschlag wie 1999. Er tritt aus der SPD aus, gründet die Linke und zieht gegen seine SPD in den Wahlkampf 2005. "Es gibt viele Menschen, die wollen eine andere Politik als Hartz IV oder Agenda 2010. Das ist ein großes Wählerpotenzial. Ich gehe davon aus, dass eine solche Gruppe in jedem Falle die Chance hat, drittstärkste Kraft im Bundestag zu werden."

75. Geburtstag von Oskar Lafontaine
Audio [SR 3, Janek Böffel, 16.09.2018, Länge: 03:45 Min.]
75. Geburtstag von Oskar Lafontaine
Er war Oberbürgermeister in Saarbrücken, Ministerpräsident, Bundesfinanzminister, SPD-Vorsitzender und später auch noch Bundesvorsitzender der Linken. Nur wenige Politiker waren so umtriebig, wie Oskar Lafontaine. Und jetzt im fortgeschrittenen Alter hat er mit seiner Frau Sahra Wagenknecht die Aufstehen-Bewegung gestartet, mit der er die linken Kräfte in Deutschland vereinen will. Lafontaine, der vielleicht berühmteste Saarländer, wird nun 75 Jahre alt.

Er behält recht. Doch so hart die Auseinandersetzungen lange sind, das Verhältnis beruhigt sich über die Jahre. Jetzt scheint er Frieden machen zu wollen. Das zu kitten, was auch er zerschlagen hat. Die Linke und die SPD. Und vielleicht ist es das, was ihn noch antreibt, auch bei seiner neuen Aufstehen-Bewegung. Eine Lebensaufgabe. Aber an einem hat es diesem Oskar Lafontaine ohnehin nie gemangelt. An Selbstbewusstsein. Das wusste auch die politische Konkurrenz oder wie es der damalige FDP-Generalsekretär Jorgo Chatzimarkakis ausdrückte: "Kennen Sie den Unterschied zwischen Oskar Lafontaine und Gott? Gott weiß, dass er nicht Oskar Lafontaine ist."

Über dieses Thema wurde auch im aktuellen bericht vom 14.09.2018 berichtet.

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