Ein schwarzer Stecker vor einer weißen Steckdose, mit einer Taschenlampe beleuchtet. (Foto: dpa/Sebastian Widmann)

Viele offene Stromrechnungen durch Corona

Karin Mayer / Onlinefassung: Thomas Braun   12.05.2020 | 14:51 Uhr

In Zeiten von Corona haben deutlich mehr Kunden ihre Stromrechnung nicht bezahlt als sonst. Anfang April hatte Verbraucherschutzminister Reinhold Jost (SPD) verkündet, dass es vorerst keine Stromsperrungen geben dürfe.

Bei der VSE-Gruppe seien dadurch bereits Forderungen in Höhe von zwei Millionen Euro entstanden, sagte VSE-Vorstand Hanno Dornseifer. Es handle sich dabei um Privatkunden und Kleinbetriebe, die ohne Absprache mit dem Versorger die Zahlungen eingestellt hätten. Das sei missbräuchlich.

Video [aktueller bericht, 12.05.2020, ab Minute: 16:45.]
Mehr zum Thema in den Nachrichten des aktuellen berichts

Bis zum 30. Juni gebe es die Möglichkeit Stromkosten zu stunden. Dafür sei eine Absprache mit dem Stromversorger notwendig. Davon hat nach VSE-Angaben nur ein kleiner Teil der Kunden Gebrauch gemacht. Durch die Stundungen seien Stromrechnungen in Höhe von knapp einer Million Euro offen.

Der Energieversorger Energie Saarlorlux berichtet von 100 Privatkunden und zehn Geschäftskunden, die in den vergangenen Wochen ihre Stromrechnung nicht bezahlt haben.

Mahnverfahren könnten zunehmen

Stromversorger im Saarland: Außenstände in Millionenhöhe
Audio [SR 3, Karin Mayer, 12.05.2020, Länge: 02:57 Min.]
Stromversorger im Saarland: Außenstände in Millionenhöhe

Ralf Levacher vom Verband Kommunaler Unternehmen VKU sagte dem SR, das Verbot von Stromsperren in Zeiten von Corona habe bei vielen Stromversorgern zu Zahlungsausfällen geführt. Stadtwerke und Stromanbieter hätten wegen der Ansteckungsgefahr ohnehin keine Mitarbeiter in Haushalte geschickt. Das werde sich nun wieder ändern. Mahnverfahren und Stromsperren könnten demnach wieder zunehmen.

VSE-Vorstand Dornseifer kündigt an, dass der Stromanbieter Energis nun auf die Kunden zugehen werde, um ausstehende Zahlungen einzutreiben. Die VSE müsse EEG-Umlage und andere Abgaben zahlen, habe aber keine Einnahmen. Das funktioniere auf Dauer nicht.

VSE erwartet stabilen Umsatz

Die VSE-Gruppe hat im vergangenen Jahr einen Umsatz von 1,1 Milliarden Euro gemacht, rund 130 Millionen weniger als im Vorjahr. Grund dafür sei der Rückzug aus Stromhandelsaktivitäten gewesen, so Dornseifer. Zum Gewinn macht die Gruppe keine Angaben. Für 2020 erwartet der Energieversorger einen stabilen Jahresumsatz. Wie sich der Corona-Stillstand auf das Geschäft auswirke, sei schwer absehbar, so Dornseifer.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 12.05.2020 berichtet.

Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja