Ein Kreuz hängt neben Handschuhen in einer Intensivstation eines Krankenhauses. (Foto: picture alliance/Jonas Güttler/dpa)

Coronavirus trotz Vorerkrankungen meist Haupt-Todesursache

Melina Miller   25.10.2020 | 08:52 Uhr

86 Prozent der obduzierten Corona-Sterbefälle sind hauptursächlich in Folge der Covid-19-Infektion gestorben. Der Deutsche Pathologenverband hat hierzu Ergebnisse von Obduktionen veröffentlicht. Das Virus greift bei schweren Verläufen nicht nur die Lunge, sondern auch die Gefäße in weiteren Organen an.

Bei der Mehrheit der obduzierten Corona-Sterbefälle ist eine Covid-19-Erkrankung die wesentliche oder alleinige Todesursache. Das zeigt eine Umfrage des Bundesverbands Deutscher Pathologen unter 68 Instituten in Deutschland, die der Verband Ende August veröffentlichte. Vorerkrankungen würden die Sterbewahrscheinlichkeit des Coronavirus zwar verstärken, seien aber meist nicht hauptursächlich für den Tod.

154 Corona-Sterbefälle untersucht

Von 450 Instituten, die der Pathologenverband zu Obduktionen von Corona-Sterbefällen nach eigenen Angaben in Deutschland angefragt hat, haben sich 68 Institute zurückgemeldet. 26 Institute davon haben Covid-19-Verstorbene obduziert.

Bei 86 Prozent der 154 untersuchten Sterbefälle in Zusammenhang mit Covid-19 sei das Coronavirus die wesentliche oder alleinige Todesursache gewesen, teilte der Verband mit. Männer seien dabei überdurchschnittlich häufig betroffen: 68 Prozent der untersuchten Corona-Verstorbenen in der Altersklasse zwischen 50 und 79 seien männlich. Die häufigsten Begleiterkrankungen bei den untersuchten Personen seien Störungen des Herz-Kreislaufsystems, Diabetes, Fettleibigkeit sowie Blutvergiftungen gewesen.

Nicht nur Lunge befallen

Die Obduktionen hätten auch gezeigt, dass das Virus nicht nur die Atemorgane, sondern auch die gefäßauskleidenden Zellen - die sogenannten Endothelien - befällt, sagte der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Pathologie, Professor Gustavo Baretton. Und gerade die als Risikofaktoren für einen schweren Covid-19-Verlauf bekannten Vorerkrankungen, die zum Beispiel durch Rauchen oder Übergewicht verursacht werden, seien mit einer Schädigung der Endothelien assoziiert.

Corona ist "Multiorganvirus"

Nicht an der Umfrage des Bundesverbandes beteiligt hatte sich das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), wo weitere 192 Corona-Sterbefälle obduziert worden waren. Die Ergebnisse decken sich aber. So zeigte eine Studie des UKE, dass das Coronavirus das Risiko für Lungenembolien und Thrombosen deutlich erhöht. Covid-19 sei ein "Multiorganvirus". Auch saarländische Ärzte hatten bereits im Mai darauf aufmerksam gemacht, dass das Virus auch die Gefäße in anderen Organen angreife.

Eindeutig lasse sich der Zusammenhang zwischen Vorerkrankungen und Coronavirus nur durch eine Obduktion klären, so der Pathologenverband. Deshalb fordert er eine Ausweitung der Obduktionen bei Covid-19-Verstorbenen. Nur so könne man zur Aufklärung lebensbedrohlicher Infektionskrankheiten beitragen und damit ein Frühwarnsystem für eine erhöhte Sterberate etablieren.

Obduktionen im Saarland selten

Im Saarland sind Obduktionen bei Corona-Sterbefällen hingegen sehr selten. Eine Obduktion ist in diesen Fällen nämlich nur mit dem Einverständnis der Angehörigen möglich. Die Landesregierung begründet dies in einer Antwort auf eine Landtagsanfrage des AfD-Politikers Lutz Hecker damit, dass bei den Verstorbenen bereits ein Nachweis einer Covid-19-Infektion vorliege und eine Autopsie deshalb aus infektionshygienischer Sicht nicht erforderlich sei. In diesen Fällen sei die Totenruhe höher zu bewerten.

Die saarländischen Gesundheitsämter vermelden nach Angaben der Landesregierung alle Sterbefälle, die in Zusammenhang mit einer Coronainfektion stehen. Mitte Oktober waren dies 178 Personen. 1.329 aktive Fälle gibt es laut Landesregierung aktuell im Saarland (Stand 25.10.2020), 29 Menschen werden intensivmedizinisch betreut.

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