Der deutsche Publizist und Politiker Norbert Blüm. (Foto: dpa)

Norbert Blüm ist tot

  24.04.2020 | 13:18 Uhr

Der frühere Bundesarbeits- und Sozialminister Norbert Blüm (CDU) ist tot. Er sei im Alter von 84 Jahren gestorben, sagte sein Sohn am Freitag der Deutschen Presse-Agentur in Bonn. Saarländische Politiker würdigten ihn als profilierten Sozialpolitiker und überzeugten Kämpfer.

Weitere Angaben machte die Familie zunächst nicht. Seit 2019 war Blüm infolge einer Blutvergiftung an Armen und Beinen gelähmt und saß im Rollstuhl.

Soziales Gewissen der CDU

Blüm war von 1982 bis 1998 Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung. Er war der einzige Minister, der Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) dessen ganze Amtszeit über begleitete. Er galt in der schwarz-gelben Koalition, je nach politischem Standort, als „soziales Gewissen“ oder „soziales Feigenblatt“.

Seine nachhaltigste Leistung war die Einführung der Pflegeversicherung 1995. In Erinnerung ist er aber vor allem wegen des geflügelten Wortes „Die Rente ist sicher“, ein abgewandelter Slogan einer Werbekampagne der Bundesregierung aus dem Jahr 1986. Vielen ist außerdem noch sein Auftritt in der ARD-Satiresendung „Rudis Tagesshow“ im Gedächtnis. Blüm wurde dort mehrfach aufs Korn genommen und konnte sich in der letzten Ausgabe an Moderator Rudi Carrell mit einem Eimer Wasser „rächen“.

Engagiertes Gewerkschaftsmitglied

Der am 21. Juli 1935 geborene Arbeitersohn aus Rüsselsheim war gelernter Werkzeugmacher. Das Abitur holte er am Abendgymnasium nach, studierte Philosophie, Geschichte und Theologie. Sein politischer Ziehvater, der CDU-Sozialpolitiker Hans Katzer (1919-1996), machte das engagierte IG-Metall-Mitglied 1968 zum Hauptgeschäftsführer der CDU-Sozialausschüsse. Ab 1977 stand Blüm zehn Jahre lang an der Spitze der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA).

Nach seinem Ausscheiden aus der Bundespolitik engagierte sich Blüm weiterhin sozial, schrieb Bücher, trat als Talkshowgast im Fernsehen auf und machte sogar Kabarett. 2014 kritisierte der engagierte Katholik in einem Gastbeitrag für die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts, das Ehegattensplitting auf homosexuelle Paare auszudehnen.

Blüm war seit 1964 mit Marita Blüm verheiratet, die er während des Studiums kennengelernt hatte. Das Paar bekam zwei Töchter und Sohn Christian, der Mitglied der Kölschrock-Band „Brings“ ist.

Lafontaine: Blüm war profilierter Sozialpolitiker

Der Chef der Linksfraktion im Saar-Landtag, Oskar Lafontaine, würdigte Blüm als „einen der profiliertesten Sozialpolitiker“. „Seine politische Arbeit war geprägt durch die christliche Soziallehre und die Ideen des Jesuiten-Paters Oswald von Nell-Breuning. Sein Vermächtnis bleibt, eine gesetzliche Rentenversicherung wiederherzustellen, die auf der Grundlage gerechter Löhne die verlässlichste Form der Alterssicherung für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ist.“

Annegret Kramp-Karrenbauer, Bundesvorsitzende der CDU, sagte gegenüber dem SR, Blüm war einer derjenigen, die sie zum Parteieintritt bewogen hätten: „Er hat für die Sozialpolitik in Deutschland gestanden - und dass heute so viele Menschen eine Pflegeversicherung haben, ist sein Verdienst.“ Vor allem hätte Blüm die CDU geprägt: „Dieser Satz aus der sozialen Marktwirtschaft, Wirtschaft muss dem Menschen dienen, das hat er wie kein Zweiter gelebt. Und das hat er mit einer unnachahmlichen Art und Weise getan mit viel Herz, viel Verstand, viel Humor.“

Der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) schrieb auf Twitter, Blüm sei eine „kommunikative Brücke der Regierung zu den Menschen“ gewesen. „Und er war cool – lange bevor man so etwas von einem Unions-Politiker erwartete.“

Der saarländische CDA-Landesvorsitzende Marc Speicher nannte Blüm einen „überzeugten und überzeugenden Kämpfer für die Sache der Menschen“. „Das christlich-soziale Leitmotiv, der Mensch steht im Mittelpunkt, hat er gelebt. Ein großer Mann, der mit Humor und Überzeugungskraft für das Soziale gekämpft hat.“

Über dieses Thema berichteten die SR-Hörfunknachrichten am 24.04.2020.

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