Symbolbild: Radwege (Foto: picture alliance/dpa | Friso Gentsch)

Radschnellwege im Koalitionsvertrag – aber nicht in Sicht

Linda Grotholt/ Niklas Resch   09.07.2021 | 08:03 Uhr

Die von der Landesregierung angekündigten Radschnellwege rund um Saarbrücken sind nach wie vor nicht in Sicht. Aktuell wird eine Verbindung von Völklingen über Saarbrücken nach St. Ingbert geprüft. Die Planung ist kompliziert – wegen der Vorgaben des Bundes.

2017 hatten CDU und SPD im Koalitionsvertrag vereinbart, im Großraum Saarbrücken attraktive, schnelle Radwege zu bauen, gegebenenfalls mit Fördergeldern von Bund und EU. Solche "Radautobahnen" gibt es schon in einigen anderen Bundesländern, unter anderem in Baden-Württemberg oder entlang der Ruhr in Nordrhein-Westfalen.

Video [aktueller bericht, 09.07.2021, Länge: 4:07 Min.]
Radschnellwege kommen im Saarland nicht voran

Sie sind vor allem für Pendler interessant, auch weil immer mehr Menschen E-Bike fahren und größere Distanzen zurücklegen können. Radschnellwege sollen auch dazu führen, dass weniger Autos auf den Straßen unterwegs sind und es weniger Staus gibt. Weniger Schadstoffausstoß wäre außerdem gut fürs Klima. 

Warten auf die Machbarkeitsstudie

Im Saarland ist ein solcher Weg gut vier Jahre nach dem Koalitionsversprechen noch immer nicht in Sicht. Der zuständige Landesbetrieb für Straßenbau (LfS) bestätigt, dass aktuell eine Verbindung geprüft werde. Sie soll von Völklingen entlang der Saar nach Saarbrücken führen, von dort über die Universität und weiter nach St. Ingbert. Aktuell warte man auf das Ergebnis einer Machbarkeitsstudie.

Der LfS betont, die Planungen seien aufgrund der hohen Vorgaben des Bundes sehr komplex. Damit Radschnellwege finanziell gefördert werden, müssen sie mindestens vier Meter breit sein. Zusätzlich kommen bis zu 2,50 Meter für Fußgänger hinzu. Für eine Gesamtbreite von 6,50 Meter ist laut LfS vielerorts kein Platz. Das betreffe den Leinpfad entlang der Saar und natürlich die Innenstadt von Saarbrücken.

Noch keine konkrete Planung für Radschnellwege
Audio [SR 3, Stephan Deppen, 09.07.2021, Länge: 03:03 Min.]
Noch keine konkrete Planung für Radschnellwege

Verhandlungen mit dem Bund über Engstellen

Der Verantwortliche beim LfS, Jochen Hahn, betont im SR-Interview: "Das Bundesverkehrsministerium fordert eine Gesamtlänge von 15 Kilometern für die Radschnellwege-Verbindung. Dem Bund ist aber auch klar, dass man diese Standards nicht überall verwirklichen kann." Man sei in Verhandlungen, wie viele Engstellen es geben dürfe, damit man einen solchen Weg noch als "Radschnellweg" bezeichnen kann und Fördermittel aus Berlin ins Saarland fließen.

Fahrradclub ADFC fordert schnelle Verbesserungen

Der Fahrradclub ADFC Saar hat angesichts der strengen Vorgaben Verständnis für die lange Planungsdauer des Radschnellwegs. Vorstandsmitglied Thomas Fläschner fordert jedoch, dass zumindest Gefahrenstellen schnell beseitigt werden. Insbesondere zwischen der Saarbrücker Innenstadt und der Universität gebe es immer wieder Unfälle mit Radfahrern, vor allem an unübersichtlichen Einmündungen im Meerwiesertalweg. Fläschner betont: "Da muss wirklich rangegangen werden. Das darf nicht noch Jahre dauern." Denn am wichtigsten sei die Sicherheit.

Ob man irgendwann auf einem Radschnellweg von Völklingen über Saarbrücken und die Uni nach St. Ingbert fahren kann, darüber wird es so schnell keine Entscheidung geben. Der Landesbetrieb für Straßenbau konnte auf SR-Anfrage keinen Zeitpunkt nennen, für wann das Ergebnis der Machbarkeitsstudie erwartet wird.

Über dieses Thema hat auch die SR3-Rundschau vom 09.07.2021 berichtet.

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