Niedtalbahn: Triebwagen der Baureihe 642 im Dillinger Bahnhof. (Foto: Plattform Mobilität SaarLorLux e.V./Pressefoto)

Unterstützung für Niedtalbahn wächst

Axel Wagner   01.10.2020 | 14:25 Uhr

Nach dem Saarland macht sich nun auch das Département Moselle für eine Reaktivierung der Niedtalbahn für den Reiseverkehr stark. Département-Präsident Patrick Weiten will das Projekt möglichst schnell in den gemeinsamen Finanzierungsplan der Region und der Pariser Regierung aufnehmen.

Auf der Niedtalstrecke gibt es seit 2014 keinen Güterverkehr mehr, weil in Bouzonville kein Fahrdienstleiter mehr zur Verfügung steht. Reiseverkehr findet auch nicht mehr statt, abgesehen von einem jährlichen Sonderzug an Karfreitag nach Bouzonville. Nur zwischen Dillingen und Niedaltdorf verkehrt noch die Regionalbahn RB77. „Die Infrastruktur existiert. Man muss nur Züge draufstellen“, sagte Weiten dem „Républicain Lorrain“. Er macht jetzt Druck, um das Projekt bis Dezember in den Finanzierungsplan aufnehmen zu lassen.

Weiten will keine Zeit verlieren

„Das ist ein Schlüsselmoment. Wenn wir es versäumen, verlieren wir wieder zwei Jahre“, so Weiten. Zwar entwickelten sich die Gemeinden im Norden und Osten des Départements, aber es gebe ein „echtes Ost-West-Infrastrukturproblem“.

Weiten verwies auf die Umweltschutzaspekte und die grenzüberschreitenden Beziehungen, für die eine Reaktivierung Vorteile hätte. „Mit Blick auf den Ausbau des Gebiets wäre es ein Fehler, dieses Projekt nicht umzusetzen.“ Das Département sicherte eine finanzielle Unterstützung zu, ohne jedoch konkret zu werden.

Rottner kündigt Studie an

Zuständig ist aber auf französischer Seite die Region Grand Est. Der Präsident des Regionalrats, Jean Rottner, bislang eher skeptisch, signalisierte Gesprächsbereitschaft. Bei einem Treffen mit Moselle-Bürgermeistern am Samstag sagte er, er wolle sich dieser Gelegenheit nicht verschließen. Er kündigte eine Machbarkeitsstudie zur Niedtalstrecke an, fügte aber hinzu, das sei ein langfristiges Projekt.

Auch die Deutsche Bahn ist nach eigenen Angaben bereit, das Projekt Niedtalbahn zu prüfen. Mit dem Bundesverkehrsministerium hat sie bis 2030 bundesweite Investitionen über 86 Milliarden Euro vereinbart.

Rehlinger begrüßt Vorstoß

Das saarländische Verkehrsministerium setzt sich bereits seit Langem für eine Reaktivierung der Strecke zwischen Thionville, Bouzonville und Dillingen ein. Das war aber bislang vor allem an der Verlängerung jenseits der Grenze gescheitert.

Saar-Verkehrsministerin Anke Rehlinger (SPD) begrüßt daher den Vorstoß des Nachbar-Départements. „Die französische Seite nähert sich einem Projekt, das ein Zusammenwachsen in der Großregion massiv befördern könnte. Das ist ein kleiner Durchbruch.“ Man unterstütze den Vorschlag Rottners einer Machbarkeitsstudie und sei gerne bereit, diese gemeinsam mit der Region Grand Est und Luxemburg durchzuführen.

Direktverbindung nach Luxemburg?

Ob diese Freude auch im Großherzogtum geteilt wird, ist bislang nicht bekannt. Eine Anfrage beim luxemburgischen Ministerium für Transport und Mobilität blieb bislang unbeantwortet.

Eine reaktivierte Strecke könnte möglicherweise auch eine direkte Zugverbindung zwischen Saarbrücken und Luxemburg mit sich bringen und auch das Gebiet um Merzig, Mettlach und Saarlouis, wo viele Grenzgänger arbeiten, besser anbinden. Allerdings stehen dem im Moment noch Kapazitätsprobleme entgegen. Das saarländische Verkehrsministerium hat dazu Gespräche mit dem Zweckverband Schienennahverkehr Rheinland-Pfalz Nord und dem luxemburger Verkehrsministerium aufgenommen, um nach einer Lösung zu suchen.

Gespräch kommende Woche

Über das Thema Niedtalbahn will Weiten kommenden Donnerstag, 8. Oktober, auch bei einer Anhörung des Interregionalen Parlamentarierrates im Saarbrücker Landtagsgebäude sprechen. Dann wird er auch die Unterstützung von 24 französischen Gemeinden vorbringen können, die sich bereits für das Projekt ausgesprochen haben.

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