Mitarbeiter der Fleischundustrie stehen in einer großen Halle und verpacken zerlegte Schweinekeulen (Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild/Jan Woitas)

"Verbot von Werkverträgen in der Fleischindustrie ist ein Meilenstein"

Karin Mayer   16.12.2020 | 18:31 Uhr

Nach den Skandalen in der Fleischbranche in diesem Jahr hat der Bundestag eingegriffen: Die Beschäftigung von Werkvertragsmitarbeitern wird ab Januar verboten, ab April gibt es auch strenge Regeln für Leiharbeitnehmer. Ein Meilenstein für die Fleischbranche, findet die Gewerkschaft NGG im Saarland.

Tobias Wolfanger von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) erwartet, dass es in der Fleischbranche künftig fast unmöglich wird, Werkvertragsmitarbeiter zu beschäftigen. Für alle Betriebe mit mehr als 49 Mitarbeitern sei das künftig verboten.

Ab dem 1. April gelten auch strenge Regeln für Leiharbeiter. Sie können nur dann eingesetzt werden, wenn die Unternehmen einen Tarifvertrag abschließen. Maximal acht Prozent Leiharbeitnehmer dürfen dann im Betrieb sein. Die NGG sieht deshalb die Chance, einen Branchentarifvertrag auszuhandeln.

Wer schließt Tarifvertrag ab?

Darauf hat das Unternehmen Kunzler Fleischwaren offenbar schon reagiert und mit der Gewerkschaft DHV einen Manteltarifvertrag abgeschlossen, teilt die DHV auf ihrer Internetseite mit. Ob das ausreicht, ist aus Sicht der NGG fraglich. Das Landesarbeitsgericht Hamburg hat der DHV in diesem Jahr die Tariffähigkeit aberkannt, weil die Mitgliederzahlen offenbar zu gering waren.

Hans-Günther Schwamm von Fleisch Schwamm teilt mit, das Unternehmen sei auf die neuen Regeln vorbereitet und werde sie einhalten. Günther Passauer von Schröder Fleischwaren sagte dem SR, das Verbot von Werkverträgen könne ein Vorteil für Unternehmen sein, die bisher kaum Werkverträge genutzt haben. Die Regelung könne dazu führen, dass in der Fleischbranche wieder mehr Mitarbeiter festangestellt werden.

Ausbeutung soll ein Ende haben

Torsten Brandt von der Arbeitskammer sagte im SR-Interview, der Missbrauch von Werkverträgen werde nun eingegrenzt. Schlachthöfe müssten ihre Mitarbeiter nun festanstellen.

Ausgelöst worden war die Debatte über die Fleischindustrie durch massenhafte Corona-Infektionen in Schlachtbetrieben in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Die vielfach aus Rumänien und Polen stammenden Arbeiter sind in der Regel bei Subunternehmen beschäftigt und in überfüllten und überteuerten Unterkünften untergebracht.

Über dieses Thema hat auch die SR 2-Bilanz am Mittag am 16.12.2020 berichtet.

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