Arbeitsvertrag (Foto: picture alliance / Jens Schierenbeck/dpa-tmn)

NGG macht "miese Arbeitsverträge" öffentlich

Kasia Hummel   07.08.2019 | 16:06 Uhr

Immer wieder versuchen Arbeitgeber über die Gestaltung von arbeitsvertraglichen Regelungen, zum Beispiel den Mindestlohn zu umgehen – diese Erfahrung macht zumindest die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). Mit der Veröffentlichung einer Sammlung "mieser Arbeitsverträge" will die NGG nun dagegen vorgehen.

Es sind zum Teil abenteuerlich gestaltete Arbeitsverträge, aber auch knallharte Gesetzesverstöße, auf die die Gewerkschaft NGG in ihrer täglichen Arbeit stößt. Wenn ein Arbeitgeber von seinen Beschäftigten vertraglich ein Pfand in Höhe von 50 Euro einfordert, das der Beschäftigte erst nach seinem sechsten Einsatz zurückbekommt, dann ist das in den Augen von NGG-Geschäftsführer Mark Baumeister nicht nur ein Bespiel für eine kreative, rechtsfreie Gestaltung von Arbeitsverträgen, sondern ein klarer Rechtsverstoß.

"Menschen sind keine Pfandflaschen." Bei einem Stundenlohn von nur zehn Euro pro Stunde und keinerlei tariflichen Leistungen komme der Betrieb mit Sicherheit in Konflikt mit den Regelungen des Mindestlohngesetzes, so Baumeister.

Grundsätzlich rät der NGG-Geschäftsführer den Beschäftigten, solch fragwürdige Verträge nicht zu unterschreiben und appelliert, sich im Zweifel vor Vertragsunterzeichnung beraten zu lassen. Mögliche Ansprechpartner seien sowohl die Gewerkschaft als auch die Arbeitskammer. Der Ratschlag gelte übrigens auch, wenn der Vertrag bereits unterzeichnet worden sei.

NGG setzt auf Aufklärung

Damit es aber erst gar nicht so weit kommt, setzt die Gewerkschaft auf Aufklärung. "Die waghalsigsten Regelungen werden ab sofort auf unserer Website online gestellt“, erklärt Baumeister. Ziel sei es, die Beschäftigten dafür zu sensibilisieren, auf die Einhaltung rechtlicher Regelungen zu bestehen. Darüber hinaus erhofft sich die Gewerkschaft aber auch eine konsequente Umsetzung der jeweiligen tariflichen Regelungen.

In Form von entsprechenden Seminaren will die NGG außerdem rund um die Gestaltung von Arbeitsverträgen informieren, so zum Beispiel am 7. Oktober in Saarbrücken. Im Rahmen der Veranstaltung erklärt die Gewerkschaft unter anderem, welche Regelungen in Arbeitsverträgen zulässig sind und wie sich Beschäftigte gegen unrechtmäßige Arbeitsverträge zur Wehr setzen können.

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