Eine ältere Person holt Kleingeld aus dem Portemonnaie (Foto: dpa/Stephanie Pilick)

Im Regionalverband drohen „Mini-Renten“

  03.12.2018 | 11:43 Uhr

Im Regionalverband Saarbrücken könnten offenbar wesentlich mehr Beschäftigte nach ihrem Erwerbsleben von Altersarmut betroffen sein als bislang angenommen. Nach Angaben der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) könnten rund 72.000 Arbeitnehmer nur eine Rente unterhalb der staatlichen Grundsicherung bekommen. Das wären 41 Prozent aller Beschäftigten im Regionalverband.

Laut NGG liegt die Schwelle für „Alters-Hartz-IV“ im Regionalverband bei aktuell 783 Euro im Monat, wobei die Kosten für das Wohnen bereits berücksichtigt sind. Die Gewerkschaft beruft sich dabei auf Zahlen einer Renten-Analyse des Pestel-Instituts. Die Wissenschaftler aus Hannover haben für ihre Untersuchung amtliche Statistiken ausgewertet. Sie gehen in ihrer Analyse davon aus, dass die Zahl der armutsgefährdeten Rentner im Regionalverband Saarbrücken künftig noch deutlich steigen könnte, falls die durchschnittliche Rente bis 2030 auf nur noch 43 Prozent des Einkommens abfallen sollte. Dann gäbe es mehr als 82.000 Menschen, die nach 45 Beitragsjahren bei einer Rente unterhalb der Grundsicherung landen, so das Pestel-Institut.

NGG spricht von alarmierenden Zahlen

Der Geschäftsführer der NGG-Region Saar, Mark Baumeister, nennt die Zahlen alarmierend. „Wer ein Leben lang gearbeitet hat, muss später auch von seiner Rente leben können“, betont Baumeister. Der Gewerkschafter sieht das Vertrauen in die staatliche Altersvorsorge und damit den gesellschaftlichen Zusammenhalt gefährdet. Baumeister fordert von der Bundesregierung, das Rentenniveau längerfristig zu stabilisieren und möglichst anzuheben. Bisher hat die Große Koalition in Berlin nur eine Sicherung des Rentenniveaus bei 48 Prozent bis 2025 vereinbart.

Zugleich sieht die NGG die Arbeitgeber in der Pflicht. „Klar ist, dass aus Mini-Löhnen keine Spitzen-Renten werden“, betont Baumeister. Gerade in Branchen wie dem Gastgewerbe und Bäckerhandwerk müssten im Regionalverband Saarbrücken viele Beschäftigte im Alter aufstocken.

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