Klaus Bouillon (CDU), Anke Rehlinger (SPD) (Foto: imago/Becker&Bredel)

Bouillon: "Ja zu LSVS-Plan" - Rehlinger skeptisch

Caroline Uhl   15.06.2018 | 14:47 Uhr

Vor dem Hintergrund der LSVS-Affäre hat die SPD-Landeschefin und Vize-Ministerpräsidentin Rehlinger Vorschläge für einen organisatorischen wie finanziellen Neuanfang des Landessportverbands vorgelegt. Kritik übt sie an der Krisenkommunikation von Sportminister Bouillon (CDU). Dieser drängt unterdessen darauf, dass die Sportfachverbände kommende Woche ihr Einverständnis zu dem Sparkonzept von LSVS-Sanierer Blank geben.

Mehr Transparenz, mehr Kontrolle und ein ordentlicher Demokratieprozess bei der Besetzung von Gremien - unter diesen Stichpunkten fasst die stellvertretende Ministerpräsidentin und Vorsitzende der Saar-SPD, Anke Rehlinger, ihre Vorstellungen für einen Neuanfang beim zerrütteten Landessportverband für das Saarland (LSVS) zusammen.

Klare Zuständigkeiten für den Einzelnen

Konkret dürfe es keine so große Machtfülle eines Einzelnen an der LSVS-Spitze mehr geben, wie sie zuletzt der Verbandspräsident innehatte. Stattdessen sollten der Präsident, seine Vize-Präsidenten und die übrigen Präsidiumsmitglieder jeweils ihre klaren Zuständigkeiten bekommen. Wichtige Posten gehörten mit Fachpersonal besetzt und in Haushaltsfragen müsse mehr Transparenz her. Rehlinger will da den Landtag mit ins Boot nehmen: Haushaltsaufstellung und -vollzug beim LSVS sollten einer parlamentarischen Kontrolle unterliegen.

Neben den im Verlaufe der LSVS-Affäre zu Tage getretenen strukturellen Unzulänglichkeiten im Verband hadert Rehlinger auch mit der Figur, die Sportminister Klaus Bouillon und sein Ressort bisher eingenommen haben. Bouillons Ministerium ist gleichzeitig auch die Rechtsaufsicht über den LSVS. "Wir müssen schon feststellen, dass hier Dinge nicht so geprüft worden sind, dass sie das offenbart hätten, was jetzt durch andere offenbart wurde", sagt Rehlinger und bringt für die Zukunft das Finanzministerium als mögliche neue Rechtsaufsicht ins Spiel.

Ein Konzept ohne Alternative?

Ganz akut aber stößt sie sich an Bouillons Krisenkommunikation in den Saarsport hinein: Die 48 Einzelverbände unter dem Dach des LSVS bilden gemeinsam den LSVS-Vorstand und kommen am Donnerstag zur Vorstandssitzung zusammen. Thema: das Konzept von LSVS-Berater Michael Blank zur Sanierung des Sportverbands. Der Plan sieht harte Einschnitte vor, unter anderem eine Schließung der Mensa an der Hermann-Neuberger-Sportschule und die Entlassung von 62 Mitarbeitern beim LSVS. Am Donnerstag bekamen die Verbände das Konzept ausgehändigt. Doch ob sie dem Plan zustimmen werden, ist offen, Vertrauen in den LSVS ist bei vielen kaum mehr vorhanden.

Ob der Plan, den Blank ausgearbeitet hat, in seiner derzeitigen Form tatsächlich als alternativlos zu bezeichnen ist, ist ehedem fraglich. Arbeitsministerin Rehlinger plädiert für Gespräche mit Personalrat und Gewerkschaft, sie kann sich einen Sozialtarifvertrag vorstellen. "Ich glaube, es ist immer besser, wenn man etwas gemeinsam auf den Weg bringen kann, als wenn es von einem Einzelnen oder von Wenigen von oben herab beschlossen wird", sagt sie.

Kommentar von Michael Thieser
Wer rettet den Saarsport?

Sportminister Klaus Bouillon mahnt die Verbände unterdessen weiter dazu, am Donnerstag ihr Einverständnis zu geben: „Wenn das Sanierungskonzept nicht greift, hat der Landessportverband keine Zukunft", sagt Bouillon. Sollten die Verbände mit Nein stimmen oder sich vertagen, könnte es nach Auffassung Bouillons passieren, dass die SaarLB, bei der der LSVS hohe Kredite hat, das Land zur Verantwortung zieht, denn das Land bürgt für Millionenkredite des LSVS. "Das heißt, das Land muss in die Verpflichtung für mindestens 20 Millionen."

Mehr Vielfalt im Aufsichtsrat

Veränderungen sollte es nach Auffassung Rehlingers und auch nach Meinung Bouillons in der Zukunft im Saartoto-Aufsichtsrat geben. Das Sportachtel der Lotteriegesellschaft ist Haupt-Einnahmequelle des LSVS. Über weitere Zuwendungen aus dem jährlichen Saartoto-Überschuss unter anderem an den Saarsport bestimmt dessen Aufsichtsgremium. Neben Vertretern von SPD und CDU sollten dort in Zukunft auch Vertreter aus der Zivilgesellschaft sowie die Opposition Sitze bekommen, findet Rehlinger.

Klaus Bouillon, der als Sportminister seit dem vergangenen Jahr den Aufsichtsratsvorsitz innehat, kündigt am Freitag an, diesen Posten aufzugeben, sobald im Saarsport wieder Ruhe eingekehrt ist. "Aufgrund der Diskussion und der Prüfung, die wir durchgeführt haben, bin ich zu dem Ergebnis gekommen, dass es einen Interessenkonflikt gibt. Diesen Interessenkonflikt gibt es seit, glaube ich, 40 Jahren, aber ich werde ihn beenden", sagt Bouillon. "Ich kann nicht über Zuschüsse entscheiden und nachher als Rechtsaufsicht sagen, ob ich mich richtig verhalten habe."

Timeline
Finanzaffäre beim LSVS
Der Landessportverband für das Saarland (LSVS) ist von einer Finanzaffäre betroffen. Seit Bekanntwerden im Dezember vergangenen Jahres dringen immer mehr Details an die Öffentlichkeit. Wir zeichnen die bisherige Entwicklung in unserer Zeitleiste nach.

Über dieses Thema wurde auch in den Hörfunknachrichten vom 15.06.2018 berichtet.

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