Zug der DB Regio (Foto: picture alliance/dpa | Lennart Preiss)

Neun-Euro-Ticket: Volle Züge auch im Saarland

  07.06.2022 | 21:29 Uhr

Störungen bundesweit und überfüllte Züge – das Neun-Euro-Ticket hat im auch sonst schon starken Reiseverkehr zu Pfingsten die Situation noch einmal verschärft. Auch im Saarland waren die Züge gut gefüllt. Die Ursachen für die Probleme sieht der Fahrgastverband Pro Bahn in 30 Jahren Sparmaßnahmen bei der Deutschen Bahn.

„Auch im Saarland waren die Züge voll“, konstatiert Martin Mendel, Landesvorsitzender des Fahrgastverbandes Pro Bahn im Saarland und in Rheinland-Pfalz, im SR-Interview nach dem ersten Pfingstwochenende mit Neun-Euro-Ticket, das es seit dem 1. Juni gibt. Allerdings sei die Situation nicht ganz so extrem gewesen wie in den Ballungsgebieten, wo die Bundespolizei immer wieder Züge räumen musste.

Keine Prognose für den Sommer

Ob sich der Trend auch so fortsetzen wird, darauf will sich Mendel noch nicht festlegen. „Pfingsten ist grundsätzlich immer ein großer Reise-Run. Jetzt schauen wir uns mal die nächsten Wochen an. Dann können wir ein bisschen in Richtung Sommer prognostizieren. Was ich allerdings schon glaube ist, dass wir vielleicht bei der Fahrradmitnahme etwas justieren müssen.“

In die Züge, fertig, los?
Audio [SR 3, (c) SR, 07.06.2022, Länge: 05:00 Min.]
In die Züge, fertig, los?

Die hatte sich am Pfingstwochenende vielfach als unmöglich dargestellt. „Wir müssen uns Gedanken darüber machen, wie wir eine begrenzte Fläche im ÖPNV für möglichst viele Menschen nutzbar machen können“, so Mendel. Denkbar sei, die Fahrradmitnahme in den Hauptverkehrszeiten einzuschränken oder Reservierungsmöglichkeiten anzubieten. Mendel verwies allerdings darauf, dass Rollstuhlfahrer gegenüber der Fahrradmitnahme Vorrang haben.

Mendel: Volle Züge Ergebnis von „Raubbau“

Die vollen Züge sieht Mendel auch als Ergebnis der Bahn-Politik der letzten 30 Jahre. Die Deutsche Bahn habe „richtigen Raubbau an der Infrastruktur betrieben“. „Man hat Personal abgebaut, wo es nur ging. Man hat die sogenannten Stillstandsreservenfahrzeuge, also Fahrzeuge, die man jetzt benutzen müsste, einfach verkauft oder verschrottet. Das ist ja Altmetall, das bringt Geld. Und man hat auch Bahnsteige radikalst verkürzt.“ Zudem verweist er auf die kaum noch vorhandene Fernverkehrsanbindung Saarbrückens.

In die Züge, fertig, los?
Audio [SR 2, Kai Schmieding / Martin Mendel, 31.05.2022, Länge: 05:32 Min.]
In die Züge, fertig, los?

Das können Kunden bei überfüllten Zügen tun

Was aber tun, wenn der Zug überfüllt ist oder viel zu spät ankommt? „Dann können Sie sofort ein Ticket für den Fernverkehr kaufen, den ICE zum Beispiel“, sagt Mendel. „Die Fahrkarte für den ICE könnten Sie sich dann später erstatten lassen. Das geht auch, wenn Sie das Ticket online über die App kaufen, über die App, ohne dass Sie schriftlich etwas einreichen müssen.“

Mendel rät jedoch dazu, die Verspätung oder den überfüllten Zug zu dokumentieren – etwa mit einem Screenshot der App, auf dem die Verspätung zu sehen ist, oder mit einem Selfie, das den überfüllten Zug zeigt. „Aber grundsätzlich haben Sie da die Möglichkeit der Rückerstattung.“

Über dieses Thema hat auch die SR 3 Region am Nachmittag vom 07.06.2022 berichtet.

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