Andreas Neumann (Die Linke) (Foto: Imago images/Becker&Bredel)

Zweifel an Doktortitel von Saar-Linken-Vize

Thomas Gerber   05.06.2019 | 13:07 Uhr

Der stellvertretende Landesvorsitzende der Saar-Linken, Andreas Neumann, hat möglicherweise über Jahre zu Unrecht einen Doktortitel geführt. Das Wissenschaftsministerium teilte auf Anfrage mit, dass man nach einer jüngst durchgeführten Überprüfung der von Neumann eingereichten Promotionsunterlagen die Staatsanwaltschaft eingeschaltet habe.

Im Zuge des im Ministerium laufenden Ordnungswidrigkeitsverfahrens gegen Neumann hätten sich Anhaltspunkte ergeben, die das Ministerium zu diesem Schritt veranlasst hätten. Neumann soll nach SR-Informationen in dem Verfahren mutmaßlich unechte Dokumente vorgelegt haben. Zu diesem Ergebnis soll die Zentralstelle für ausländisches Bildungswesen (ZAB) in Bonn gekommen sein, die vom Wissenschaftsministerium in die Überprüfung einbezogen worden war. Dabei geht es offenbar insbesondere um eine von Neumann vorgelegte Promotionsurkunde der Universität Lancaster aus dem Jahr 2003, wonach er berechtigt wäre, den Titel „Doctor of Philosophy“ zu führen.

Gerüchte kursieren bereits seit Jahren

Neumann selbst verwies gegenüber dem SR lediglich auf ein Schreiben des Wissenschaftsministeriums aus dem Jahr 2006 zur sogenannten „Titeltrageerlaubnis“. Konkrete Nachfragen, wo er den Doktortitel erworben habe und wo seine Doktorarbeit einsehbar sei, ließ er unbeantwortet.

Innerhalb der Saar-Linken kursieren bereits seit Jahren Gerüchte, wonach Neumanns „Doktortitel“ nicht echt sein könnte. Bei der Staatsanwaltschaft waren in der Vergangenheit bereits zwei Strafanzeigen wegen Titelmissbrauchs eingegangen. Die Verfahren waren jeweils aufgrund eines fehlenden Anfangsverdachts eingestellt worden.

In diesen beiden Verfahren waren nach Angaben der Staatsanwaltschaft allerdings keinerlei Dokumente überprüft worden. In den letzten Wochen hatte Neumann unter anderem in seinen Internetauftritten meist keinen Doktortitel mehr verwandt. Auf der Internetseite der Gemeinde Wadgassen firmiert er allerdings nach wie vor als „Dr.“ Andreas Neumann, Fraktionsvorsitzender der Linken im Gemeinderat.

Gemischte Reaktionen bei den Linken

Die Reaktionen aus der Partei fallen unterschliedlich aus. Die stellvertetende Parteivorsitzende Barbara Spaniol sagte, die Sache sei eine Angelegenheit Neumanns und nicht der Partei. Zunächst müsse nun das Ergebnis der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen abgewartet werden. Die ehemalige Landesvorsitzende und Landtagsabgeordnete Astrid Schramm forderte indes Neumanns sofortigen Rücktritt aus dem Landesvorstand. Der 44-Jährige, so Schramm, sei nicht mehr tragbar und schon seit längerem eine Belastung für die Linken. Es müsse deshalb auch über ein Parteiausschlussverfahren gegen Neumann nachgedacht werden.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 05.06.2019 berichtet.

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