Ein Krankenpfleger schiebt ein Krankenbett durch den Flur. (Foto: dpa)

Personaluntergrenze könnte zum Bumerang werden

Anne Staut   08.10.2018 | 14:56 Uhr

Ab dem kommenden Jahr müssen Krankenhäuser in ausgewählten Bereichen eine Mindestzahl an Pflegern einsetzen. Eine entsprechende Regelung hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) festgelegt. Die Gewerkschaft Verdi und die Saarländische Krankenhausgesellschaft e.V. sehen die neue Verordnung kritisch.

Die neuen Personaluntergrenzen betreffen zunächst die Bereiche Intensivstation, Geriatrie, Unfallchirurgie und Kardiologie. So soll beispielsweise auf einer Intensivstation ab 1. Januar 2019 tagsüber für 2,5 Patienten und nachts für 3,5 Patienten mindestens eine Pflegekraft im Einsatz sein. Bis 2021 soll die Untergrenze in diesem Bereich weiter verschärft werden.

Welche Auswirkungen die neue Verordnung auf die saarländischen Krankenhäuser haben wird, ist nach Angaben der Saarländischen Krankenhausgesellschaft e.V. (SKG) und der Gewerkschaft Verdi derzeit nicht absehbar. Verdi-Gewerkschaftssekretär Michael Quetting befürchtet jedoch, dass sich die Situation in den Krankenhäusern durch die neue Verordnung sogar verschlechtern könnte. Diese Ansicht teilt auch SKG-Geschäftsführer Thomas Jakobs. Er sieht die Gefahr, dass die Untergrenzen zu Maximalgrenzen werden könnten.

Keine Hilfe bei Personalmangel

Auch in einem weiteren Punkt sind sich Quetting und Jakobs einig: Die neue Verordnung wird den Pflegenotstand nicht lösen. "Der Arbeitsmarkt ist leer gefegt", sagte Jakobs. Im Saarland gebe es deutlich mehr offene Stellen als examinierte Pflegefachkräfte. Die Arbeitssituation sei angespannt.

Ein zusätzliches Problem könnte sich aus den von Spahn formulierten Zielen der neuen Verordnung ergeben. Demnach soll, wer zu wenig Pflegekräfte für zu viele Patienten hat, Betten abbauen. Selbst wenn es letzlich nicht zum Bettenabbau kommt, könnten auch bereits Bettenschließungen Schwierigkeiten mit sich bringen. Durch diese könnte die richtige Versorgung der Patienten nicht mehr gewährleistet werden, so Jakobs. Vor allem im Intensivbereich, in dem die Zahl der Patienten nicht planbar sei, könne das zu erheblichen Problemen führen.

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