Eine Frau wartet im Bahnhof auf die Einfahrt ihres Zuges. (Foto: picture alliance/dpa | Arne Dedert)

Saarland pocht auf Bundeshilfe für 9-Euro-Ticket-Nachfolger

Tabea Prünte   15.08.2022 | 08:36 Uhr

Nach Ansicht des saarländischen Verkehrsministeriums sollte es eine Nachfolge des 9-Euro-Tickets geben. Das Land sei prinzipiell auch bereit, das mitzufinanzieren. Ohne Bundesmittel reiche das Geld aber nicht.

Das Neun-Euro-Ticket wurde gut genutzt: Allein in den ersten zwei Monaten ist es im Saarland knapp 300.000 Mal verkauft worden. Der August wird nach bisherigem Stand aber der letzte Monat sein, bevor das vergünstigte Ticket, das bundesweit für den öffentlichen Nahverkehr gültig war, ausläuft.

Viele Ideen für Nachfolge

Die Nachfrage nach einem möglichen Nachfolgemodell ist groß. Auch Ideen gibt es bereits verschiedene. Die Grünen schlagen ein Regionalticket für 29 Euro und ein bundesweites Ticket für 49 Euro vor. Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen spricht von einem bundesweiten ÖPNV-Klimaticket für 69 Euro. Auch das 365-Euro-Jahresticket stand zur Diskussion sowie gänzlich kostenloser Nahverkehr.

Die Länder seien sich zwar im Grundsatz einig, künftige Angebote mitfinanzieren zu wollen, sagte vergangene Woche Verkehrsministerkonferenz-Chefin Maike Schaefer (Grüne). Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) allerdings hat eine weitere Förderung aus Bundesmitteln bereits ausgeschlossen. Er sprach zuletzt von einer "Gratismentalität" und nannte das Ticket "nicht fair".

Klimaschutz und Teilhabe

Das saarländische Verkehrsministerium kritisiert diese Einstellung deutlich: "Es reicht nicht aus, dass die Bundesregierung verbindliche Klimaschutzziele festlegt, ihr Finanzminister aber nicht gewillt ist, dabei mitzuwirken, die entsprechenden Instrumente zu entwickeln", sagt Ministeriumssprecherin Sabine Schorr auf SR-Anfrage. Dabei läge das Instrument mit günstigeren und einheitlichen ÖPNV-Tickets eigentlich auf dem Tisch. "Glaubhafte Klimaschutzpolitik" funktioniere anders, heißt es daher aus dem Ministerium.

Nach dessen Ansicht hat Mobilität sowohl mit Klimaschutz als auch mit Teilhabe zu tun. Die gestiegene Nachfrage im ÖPNV der vergangenen Monate habe deutlich gezeigt, dass das Angebot eines günstigen und bundesweit gültigen Tickets gefragt ist.

Den positiven Klima-Aspekt bezweifeln allerdings erste Studien. Von vielen sei das Ticket eher für Zusatzfahrten anstatt als Alternative zum Auto genutzt worden. Die Datenlage sei aber noch recht dünn.

Auch Ausbau finanzieren

Das Land sehe insgesamt den Bund in der Pflicht, einen gesetzlichen Rahmen zu schaffen und die Finanzierung sicherzustellen, heißt es aus dem Ministerium weiter. Dazu gehört neben den vergünstigten Tickets auch der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs. Mehr und bessere Verbindungen, zusätzliche und emissionsfreie Züge und Busse, eine bessere Anbindung des ländlichen Raums, mehr Barrierefreiheit, mehr Digitalisierung, attraktivere Arbeitsbedingungen für Beschäftigte - die Liste, die Schorr nennt, ist lang.

Ohne weitere Unterstützung vom Bund werden auch die steigenden Personal- und Energiekosten zum Problem. Nach bisherigem Stand könnte für das Saarland bereits im nächsten Jahr darüber entschieden werden, wo im Regionalverkehr Ressourcen eingespart werden müssen und wo entsprechend Schienen- oder Busstrecken ab 2024 eingekürzt werden. Das Ministerium fordert daher auch eine Erhöhung der Regionalisierungsmittel, also eine Erhöhung der vom Bund bereitgestellten Mittel für den Schienenpersonennahverkehr.

Landesweite Abo-Modelle

Der Bund solle sich "endlich konstruktiv in die Nachfolgedebatte zum 9-Euro-Ticket" einbringen. Vorher könne die Frage, wie eine konkrete Anschlusslösung aussehen könnte, nicht beantwortet werden, so Schorr.

Im Saarland selbst gebe es bereits seit der Tarifreform 2021 landesweit gültige und sozial gestaffelte Abo-Tickets, die von der Landesregierung bezuschusst werden. Der ÖPNV im Saarland sei damit "preislich konkurrenzlos gegenüber dem Autoverkehr". Das bilde eine gute Basis für einen bundesweiten Tarif.

Landesmittel begrenzt

Tarife über die Landesgrenzen hinaus seien bislang finanziell aber nur schwer zu stemmen. Mehr als 20 Millionen Euro stellt das Land aktuell pro Jahr für die Tarife im ÖPNV zur Verfügung. Würde man vom Lösungsmodell des bundesweit gültigen 365-Euro-Jahrestickets ausgehen, wären aus dem Saarland weitere 25 Millionen Euro notwendig. Zusätzliche Investitionen müssten in den Ausbau und die Modernisierung des ÖPNV fließen.

"Ohne eine weitere finanzielle Beteiligung des Bundes, alleine aus Mitteln des Landes, wird es daher keine Anschlussregelung an das 9-Euro-Ticket geben können", lautet die jetzige Einschätzung aus dem saarländischen Verkehrsministerium.

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