Eine Familie steht innerhalb des ausgebrannten Flüchtlingslagers Moria (Foto: picture alliance/Socrates Baltagiannis/dpa)

Saarland zur Aufnahme von Flüchtlingen bereit

mit Informationen von Caroline Dylla   10.09.2020 | 20:04 Uhr

Die Landesregierung ist bereit, nach dem Großbrand im griechischen Flüchtlingslager Moria betroffene unbegleitete Kinder und Jugendliche im Saarland aufzunehmen. Das müsse in Abstimmung mit der Bundesregierung geschehen, sagte Ministerpräsident Hans.

Wie am Donnerstagnachmittag bekannt wurde, haben Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron vereinbart, Minderjährige aus dem zerstörten Flüchtlingslager Moria zu retten und auf aufnahmewillige Länder in der EU zu verteilen. Eine konkrete Zahl, wie viele Menschen Deutschland aufnehmen wird, nannte Merkel nicht.

In der aktuellen Situation sei es ein Gebot der Menschlichkeit, den Flüchtlingen auf Lesbos zu helfen und Solidarität mit Griechenland zu zeigen, sagte Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) vor der Einigung zwischen Deutschland und Frankreich. Das Saarland sei in Abstimmung mit der Bundesregierung bereit, unbegleitete Kinder und Jugendliche aufzunehmen. Wie viele genau, darüber konnte die Staatskanzlei keine Auskunft geben. Derzeit liefen dazu Gespräche.

Mehrere Bundesländer hatten angekündigt, Geflüchtete aus dem ausgebrannten Lager Moria aufnehmen zu wollen, unter ihnen Bayern, Nordrhein-Westfalen oder Thüringen. Das Bundesinnenministerium besteht auf einem europäischen Mechanismus zur Verteilung.

Demo in Saarbrücken

Demo für die Aufnahme von Geflüchteten aus Moria
Audio [SR 3, Carolin Dylla, 11.09.2020, Länge: 03:11 Min.]
Demo für die Aufnahme von Geflüchteten aus Moria

Auch Hans betonte, dass das Flüchtlingsproblem ein gesamteuropäisches sei und auch nur auf dieser Ebene gelöst werden könne. "Moria zeigt das bisherige Versagen der europäischen Flüchtlingspolitik. Die Europäische Union ist am Zug, und wir als Teil der Europäischen Gemeinschaft müssen uns jetzt einbringen. Ein deutscher Alleingang kann und wird das Problem auf Dauer nicht lösen können.“

Am Donnerstagabend demonstrierten in Saarbrücken rund 350 Menschen für die Aufnahme von Geflüchteten aus Moria. Zu der Kundgebung hatten die Jusos aufgerufen. Dem Aufruf hatten sich weitere Gruppen wie die Linksjugend, Seebrücke Saar oder die Jungen Europäischen Föderalisten angeschlossen.

Forderung von Grünen und Jusos

Die saarländischen Grünen und Jusos hatten bereits nach dem Großbrand am Mittwoch von der Landesregierung die Aufnahme von Flüchtlingen gefordert. Saarbrückens Bürgermeisterin und Generalsekretärin der Saar-Grünen, Barbara Meyer-Gluche, hatte kritisiert, dass sich das Saarland hinter Zuständigkeiten verstecke und kein eigenes Landesaufnahmeprogramm schaffen wolle.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 10.09.2020 berichtet.

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