Wintermode im Schaufenster eines Geschäftes (Foto: picture alliance / dpa | Angelika Warmuth)

Was machen Modehändler mit der Winterware?

Karin Mayer / Onlinefassung: Thomas Braun   31.01.2021 | 13:07 Uhr

Für den Einzelhandel ist es ein Fiasko: Seit Mitte Dezember sind die Geschäfte geschlossen. Das wichtige Weihnachtsgeschäft ist ausgefallen. Winterjacken, Pullis und Mützen stapeln sich in den Geschäften und gleichzeitig wird schon die Sommermode angeliefert. Wie kommen die Textilhändler im Saarland damit klar?

Bei Stoffwechsel in Saarbrücken ist die Ladentür verschlossen, aber hinter den Kulissen tut sich was, sagt Inhaber Patrick Kühle: "Die Arbeit bleibt natürlich nicht liegen." Mehrere Mitarbeiterinnen sind im Geschäft. Sie räumen neue Ware ein, packen Pakete aus, eine Mitarbeiterin macht Fotos für den Auftritt im Internet. Zudem werden Kunden übers Telefon oder Whatsapp betreut. Im Laden liegt bereits die Sommerware aus. "Wir sind bemüht, so zu arbeiten, dass wir jeden Tag öffnen könnten", sagt Kühle.

So hält es auch Andreas Ronellenfitsch aus Merzig. Er beschäftigt an mehreren Standorten rund 90 Mitarbeiter und tut alles, um das Modegeschäft über Wasser zu halten. "Wir haben in dem ersten Lockdown einen Onlineshop an unsere Warenwirtschaft angebunden", erzählt Ronellenfitsch. "Der muss natürlich gepflegt werden. Wir tun alles dafür, um zu überleben."

Noch ist das Online-Geschäft kein wirklicher Ersatz. Der Umsatzanteil minimal. Wichtig für den Familienunternehmer ist aber, dass er nicht auf zu viel Ware sitzenbleibe.

Rabattverkauf im Februar und nächsten Winter

Aber was passiert mit der Wintermode, die bisher nicht verkauft werden konnte. Nur im Februar könnte es noch gelingen, Winterware zu reduzierten Preisen zu verkaufen, schätzt Carl Jacob von Pieper in Saarlouis. Was übrig bleibt, könne je nach Farbe und Form auch noch im nächsten Jahr verkauft werden. Dafür müssen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aber jedes einzelne Teil in die Hand nehmen und entsprechend beurteilen.

Auch Stoffwechsel-Inhaber Kühle kann sich vorstellen Jacken, Mäntel und Strickpullover in der nächsten Saison noch einmal mit anzubieten - dann zu einem deutlich reduzierten Preis. Ware einfach nur wegwerfen oder an so genannte Abverkaufsunternehmen geben, lehnen die drei Händler aus dem Saarland ab. Auch weil diese Unternehmen kaum etwas dafür bezahlen.

Großer Kredit, um liquide zu bleiben

Von Staatshilfen haben die Einzelhändler bisher nach eigenen Angaben kaum profitiert. Andreas Ronellenfitsch hat im Frühjahr des vergangenen Jahres die Soforthilfe bekommen und dann selbst Weichen gestellt. "Wir haben einen sehr großen Kredit aufgenommen, um liquide zu sein", sagt Ronellenfitsch. Die Existenzsorgen sind dennoch da.

Bestellungen mit einem Jahr Vorlauf

Und jetzt muss auch die Winterware für das nächste Jahr bestellt werden. Damit steht die nächste Investition an, erklärt Patrick Kühle: "Unser Problem ist ja, dass wir tatsächlich ein Jahr Vorlauf haben. Die Ware, die jetzt kommt, ist auch bestellt. Ich kann da nicht absagen. Und jeder Monat, der geschlossen ist, fehlt mir im Abverkauf."

Wie lange die Geschäfte noch geschlossen bleiben müssen, ist derzeit unklar.

Über dieses Thema berichtete die Region am Sonntag am 31.01.2021 auf SR 3 Saarlandwelle

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