Wasser wird aus einer Flasche in ein Glas gegossen (Foto: pixabay/congerdesign)

Lidl-Tochter will mehr Wasser in Kirkel fördern

  29.10.2020 | 15:09 Uhr

Die Firmengruppe Mitteldeutsche Erfrischungsgetränke (MEG) will am Standort Kirkel mehr Wasser fördern. Der Ortsvorsteher von Kirkel-Neuhäusel, Hans-Dieter Sambach (CDU), bestätigte dem SR, dass entsprechende Pläne im Ortsrat vorgestellt wurden. Sambach sieht jedoch eine Gefahr der Überförderung in dem Gebiet.

Kritik an Plänen zur Mineralwasserförderung in Kirkel
Audio [SR 3, Patrick Wiermer, 30.10.2020, Länge: 02:58 Min.]
Kritik an Plänen zur Mineralwasserförderung in Kirkel

Problem: Das besagte Gebiet in Kirkel zählt zur Kernzone der Biosphäre Bliesgau und dient der Wasserversorgung in großen Teilen des Saarlandes. Die MEG-Gruppe gehört zum Lidl-Konzern und füllt in Kirkel unter dem Markennamen "Saskia" aus Brunnen rund 500.000 Kubikmeter Mineralwasser pro Jahr ab.

Geplant ist offenbar eine Erhöhung der Produktion um 150.000 Kubikmeter pro Jahr durch eine neue Quelle. Entsprechende Probebohrungen haben den Angaben zufolge bereits stattgefunden.

Tressel warnt vor Umweltschäden

Video [aktueller bericht, 30.10.2020, Länge: 2:40 Min.]
Streit um Trinkwasserförderung in Kirkel

Grünen-Landeschef Markus Tressel forderte von Umweltminister Reinhold Jost und Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger (beide SPD) umfassende Transparenz über das Projekt. Er warnte vor den Auswirkungen auf Mensch und Umwelt. Tressel verwies dabei auf die lothringische Kleinstadt Vittel, wo der Grundwasserspiegel durch die Mineralwasserförderung des Nestlé-Konzerns drastisch gesunken ist.

Das Gebiet rund um Kirkel sichere die Trinkwasserversorgung weiter Teile des Saarlandes bis nach Saarbrücken und St. Wendel, so Tressel. Vor dem Hintergrund der Klimakrise und zunehmender Trockenheit dürfe die Landesregierung "nicht leichtfertig ein lukratives Geschäftsmodell eines Großkonzerns zulasten der örtlichen Bevölkerung und der Umwelt im Saarland zulassen".

SPD will neues Gutachten

Die SPD Kirkel und Bürgermeister Frank John (SPD) fordern eine direkte Einbeziehung in die Planungen. Zudem solle ein neues Gutachten zu den Auswirkungen möglicher Bohrungen und der Standortgeologie in der gesamten Gemeinde in Auftrag gegeben werden.

„Wasser ist Teil der Grundversorgung“, sagte der Umweltbeigeordnete Max Limbacher (SPD). „Hier darf es keine industrielle Ausbeutung geben. „Kirkel könnte im schlechtesten Fall Gefahr laufen, dass über kurz oder lang die Förderung seines exzellenten Trinkwassers eingeschränkt werden könnte. Das muss mit allen Mitteln verhindert werden.“

Über dieses Thema haben auch die SR Hörfunknachrichten vom 28.10.2020 berichtet.

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