Eingang der Kinder- und Jugendpsychiatrie der Uniklinik Homburg (Foto: SR)

Sonderermittler sagt vor U-Ausschuss aus

Thomas Gerber   17.12.2019 | 13:01 Uhr

Im Untersuchungsausschuss zu den mutmaßlichen Mißbrauchsfällen in der Homburger Kinder- und Jugendpsychiatrie ist am Dienstag der Sonderermittler der Staatskanzlei als Zeuge vernommen worden. Indizien für Übergriffe seien zwar vorhanden, aber der klare Nachweis sei derzeit nicht zu führen, sagte Harald Schnur.

Kollegengespräch: "Schnur hat die kompletten Hinweise nochmal aufgelistet"
Audio [SR 3, Kollegengespräch: Dorothee Scharner/Thomas Gerber, 17.12.2019, Länge: 03:51 Min.]
Kollegengespräch: "Schnur hat die kompletten Hinweise nochmal aufgelistet"

Der erfahrene Kripobeamte Harald Schnur war bei Bekanntwerden des Skandals vom Innenministerium in die Staatskanzlei abgeordnet worden, um die Vorgänge an der Uniklinik aufzuklären. 71 Familien haben laut Schnur zwischenzeitlich mit der Staatskanzlei Kontakt aufgenommen. Bei ihnen herrscht Verunsicherung: Waren sie oder ihre Kinder möglicherweise Opfer von sexuellen Übergriffen des verstorbenen Assistenzarztes? Eine Frage, die auch der Sonderermittler nach einem halben Jahr nicht beantworten kann.

Kritik am Umgang mit Hinweisen

Beim Umgang aber mit Hinweisen auf distanzloses Verhalten oder gar pädophile Neigungen des Assistenzarztes wurde Schnur deutlicher. So hatte das Jugendamt des Regionalverbands 2013 Strafanzeige gegen den Assistenzarzt erstattet - weil er sich mit einem seiner Patienten privat getroffen und auf Facebook mit dem Kind kommuniziert hatte. Zwar war das Verfahren später eingestellt worden, es hatte lediglich eine Gefährderansprache durch die Polizei gegeben. Dass das Jugendamt aber die Uniklinik über diesen Vorgang nicht informiert hatte, das hält Schnur zumindest für überprüfungswürdig.

Missbrauch an der Uniklinik
Linke kritisiert Bericht des Sonderermittlers
Die Linke im saarländischen Landtag hat die Arbeit des Sonderermittlers für die mutmaßlichen Missbrauchsfälle an der Uniklinik Homburg kritisiert. Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Astrid Schramm sagte, der Ermittler habe wenig Neues zu Tage gefördert. Bei der SPD sieht man noch viele Fragen als unbeantwortet an.

Über dieses Thema hat auch die SR 3-Rundschau am 11.12.2019 berichtet.

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