Eingang der Kinder- und Jugendpsychiatrie der Uniklinik Homburg (Foto: SR)

Opferanwältinnen werfen Klinik Versagen vor

Thomas Gerber   11.12.2019 | 16:43 Uhr

Im Skandal um den mutmaßlichen Missbrauch an der Homburger Uniklinik sind Informationspflichen verletzt worden. Zu diesem Ergebnis sind drei Opferanwältinnen gekommen, die am Mittwoch im Untersuchungsausschuss des Landtags als Zeuginnen vernommen worden sind.

Kopfschütteln im U-Ausschuss des Landtages über Aufklärungsarbeit der Uniklinik
Audio [SR 3, Thomas Gerber, 11.12.2019, Länge: 03:13 Min.]
Kopfschütteln im U-Ausschuss des Landtages über Aufklärungsarbeit der Uniklinik

Nicht nur die Uniklinik sondern auch die Staatsanwaltschaft habe damals versagt, so die Aussage der Opferanwältinnen. Als Verdachtsmomente gegen den inzwischen verstorbenen Assistenzarzt aufgekommen seien - spätestens aber als diese sich verdichtet und zu einer Hausdurchsuchung geführt hatten - hätten die Betroffenen beziehungsweise deren Eltern informiert werden müssen.

Die Rechtslage ist nach Ansicht der drei Juristinnen eindeutig. Sowohl Patienten- als auch Opferschutzgesetze sähen die Informationspfilicht vor. So aber seien die Betroffenen ihrer Rechte beraubt worden, etwa dem, gegen die Uniklinik Schmerzensgeld einzuklagen.

SPD und Linke kritisieren Aufklärungswillen

Klinik und Staatsanwaltschaft hatten bisher immer erklärt, die Verdachtslage sei zu vage gewesen, man habe deshalb schweigen müssen - auch um die kleinen Patienten nicht zu viktimisieren, da sie die Übergriffe doch möglicherweise als ganz normale Behandlung empfunden hätten.

SPD und Linke aber vermuten, dass es der Klinikleitung bis heute weniger um Aufklärung als um ihren guten Ruf geht. Der U-Ausschuss setzt noch vor Weihnachten seine Beweisaufnahme fort. Am kommenden Dienstag soll der Sonderermittler gehört werden, den die Staatskanzlei nach Bekanntwerden des Skandals im Sommer eingesetzt hatte.

Über dieses Thema haben auch SR-Hörfunknachrichten am 11.12.2019 berichtet.

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