Dillinger Hütte (Foto: Pasquale D'Angiolillo)

Stahlindustrie gab offenbar Millionen für Berater aus

Karin Mayer   03.12.2020 | 06:00 Uhr

Trotz strenger Sparvorgaben und Personalabbau wurden in der saarländischen Stahlindustrie offenbar viele Millionen Euro für Berater ausgegeben. Damit sollen sich nun auch die Aufsichtsräte von SHS Stahlholding, Dillinger und Saarstahl beschäftigen.

Nach SR-Informationen soll die Beratung im sogenannten Strategieprozess zwischen 20 und 30 Millionen Euro gekostet haben. Streit um die Beraterkosten soll es bereits hinter den Kulissen gegeben haben. Weil die Kosten nicht genannt wurden, hat die Tarifkommission weitere Beiträge der Arbeitnehmer verweigert. Das Unternehmen hatte den Informationen zufolge verlangt, dass die Beschäftigten auf Weihnachts- und Urlaubsgeld verzichten.

Video [aktueller bericht, 03.12.2020, Länge: 2:37 Min.]
Hohe Beratungskosten bei Stahlindustrie

Unternehmen äußern sich nicht

Studiogespräch zu den Beraterverträgen in der Stahlindustrie
Audio [SR 3, Studiogespräch: Janke Böffel/Karin Mayer, 03.12.2020, Länge: 03:57 Min.]
Studiogespräch zu den Beraterverträgen in der Stahlindustrie

Die Unternehmen Stahlholding, Dillinger und Saarstahl verweisen auf interne Vorgänge und wollen keine Angaben zu Beraterkosten machen. Das Kuratorium der Montan Stiftung hat sich im November überraschend vom Vorstandsvorsitzenden Tim Hartmann getrennt. Die Beraterverträge sollen dabei auch eine Rolle gespielt haben.

Ziel des ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Tim Hartmann war es, durch einen Strategieprozess 150 Millionen Euro an Sachkosten und 100 Millionen Euro beim Personal einzusparen. Den Abbau von über 1500 Arbeitsplätzen hat der frühere Stahlchef offenbar umgesetzt. Über das Outsourcing von weiteren 1000 Jobs wurde bis zuletzt gestritten.

Betriebsräte hatten Vier-Tage-Woche angeboten

Die Arbeitnehmervertreter hatten angeboten, auf den Tarifvertrag Beschäftigungssicherung zu setzen. Eine Vier-Tage-Woche sei möglich gewesen, betont der Betriebsratsvorsitzende von Dillinger, Michael Fischer. Leider sei der Vorstand darauf nicht eingegangen.

Gute Perspektive: mehr Aufträge

Die Auftragslage in der saarländischen Stahlindustrie verbessert sich. Wie der Betriebsratsvorsitzende von Saarstahl, Stephan Ahr, mitteilt, liegen für das erste Quartal 2021 bereits Aufträge für über 700.000 Tonnen vor. Etwa ein Drittel des Volumens, das für das gesamte Jahr geplant sei.

Auch bei Dillinger habe sich der Auftragseingang verbessert, so der Betriebsratsvorsitzende von Dillinger, Michael Fischer. Er erwartet, dass das Unternehmen ab dem 2. Quartal ausgelastet sei. Dillinger profitiert von einer hohen Nachfrage nach Offshore-Windrädern. Allerdings, so betonen beide Betriebsratschefs: Die Preise für Stahlprodukte sind weiter im Keller.

Personal wird knapp

Nun stehen Dillinger und Saarstahl offenbar vor neuen Herausforderungen. Um die Aufträge abzuarbeiten, wird Personal gebraucht. Das fehle an vielen Stellen, sagt Stephan Ahr von Saarstahl. Die Leistungsverdichtung sei enorm. Die Stimmung in den Betrieben miserabel. Nach Angaben der Betriebsräte haben insgesamt 1700 Beschäftigte Altersteilzeitverträge unterschrieben oder die Unternehmen bereits verlassen.

Zukunftsfrage ungelöst

Die Stahlunternehmen stehen weiter vor enormen Herausforderungen. Die EU drückt auf die CO2-Bremse. Gleichzeitig drängen weiterhin Billiganbieter auf den Markt. Importe aus Russland werden beispielsweise von den EU-Schutzzöllen nicht erfasst. Deshalb steht der neue Vorstandsvorsitzende Karl Ulrich Köhler vor einer schwierigen Aufgabe.

Der Strategieprozess der Stahlunternehmen soll laut Betriebsratsinformation noch bis Ende 2021 fortgesetzt werden. Gebraucht werden laut Michael Fischer von Dillinger schnelle Entscheidungen und eine gute Zusammenarbeit zwischen Vorstand und Mitbestimmung. Stephan Ahr von Saarstahl spricht von einer Riesen-Aufgabe für den neuen Vorstandsvorsitzenden. Er müsse die Belegschaft motivieren und den Umbau zu grünem Stahl schaffen.

Über dieses Thema hat auch die SR 3-Rundschau am 03.12.2020 berichtet.

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