Prozentzeichen hängen in einem Supermarkt am Regal. (Foto: Oliver Berg/dpa)

Was die Senkung der Mehrwertsteuer bringt

Mit Informationen von Carl Rolshoven und Karin Mayer   30.06.2020 | 13:00 Uhr

Wenn ab heute der niedrigere Mehrwertsteuersatz gilt, dürfte sich das auch im Portemonnaie der Verbraucher bemerkbar machen – zumindest vorübergehend. Zahlreiche Händler haben bereits angekündigt, die Senkung weiterzugeben. Doch dabei gibt es einiges zu beachten.

Zur Weitergabe verpflichtet sind die Händler nicht, das Recht zur freien Preisbildung bleibt bestehen. Aber Aldi, Lidl, Kaufland, Edeka, Globus, Netto, Rewe und weitere Händler haben bereits die Preise entsprechend gesenkt oder wollen das ab sofort tun. Das ist auch auf den sehr harten Wettbewerb im Handel zurückzuführen. Eine der wenigen Ausnahmen dürften zum Beispiel Friseure sein, die wegen der Hygieneauflagen ohnehin höhere Kosten haben.

Wie funktioniert die Mehrwertsteuersenkung?
Video [SR Fernsehen, (c) SR, 01.07.2020, Länge: 02:32 Min.]
Wie funktioniert die Mehrwertsteuersenkung?

So geben Händler die Senkung weiter

Das Vorgehen ist bei der Weitergabe der Steuersenkung sehr unterschiedlich:

Wer profitiert von der Mehrwertsteuer-Senkung?
Audio [SR 2, Jochen Marmit, Karin Mayer, 01.07.2020, Länge: 04:26 Min.]
Wer profitiert von der Mehrwertsteuer-Senkung?
Was bringt die Senkung der Mehrwertsteuer?
Audio [SR 3, Karin Mayer, 01.07.2020, Länge: 02:37 Min.]
Was bringt die Senkung der Mehrwertsteuer?

  • Kaufland und Lidl etwa wollen die neuen, sehr krummen Preise einfach auf ein rotes Schild schreiben, um den Unterschied schon am Regal deutlich zu machen.
  • Netto will die Preise abrunden, damit am Ende eine gerade Zahl herauskommt.
  • Globus hat angekündigt, an der Preisauszeichnung am Regal gar nichts zu ändern und die Mehrwertsteuersenkung erst an der Kasse zu verrechnen. Das heißt: Auf dem Kassenbon stehen auch noch die ursprünglichen Beträge der Artikel, aber die Mehrwertsteuer wird dann am Ende abgezogen.
  • Aldi hat bereits seit Samstag pauschal die Preise aller Waren um drei Prozentpunkte reduziert, auch bei Lebensmitteln, für die ja eigentlich nur eine Steuersenkung um zwei Prozentpunkte gilt.

Preisbindung und Mitnahmeeffekte

Autohändler teilweise verärgert
Audio [SR 1, (c) SR/Karin MAyer, 30.06.2020, Länge: 02:39 Min.]
Autohändler teilweise verärgert

Das gilt aber nicht für alles. Denn bei einigen Artikeln haben die Warenhäuser keinen Einfluss auf den Preis. Bei Büchern oder Zeitschriften zum Beispiel gilt eine Preisbindung, und auch bei Zigaretten oder an Tankstellen sind die Preise vom Hersteller vorgegeben.

Vor allem bei großen Anschaffungen wie Möbeln oder Autos dürfte sich die Mehrwertsteuersenkung bemerkbar machen – auch durch Mitnahmeeffekte. Ein Autohändler sagte dem SR, Kunden holten schon lange bestellte Autos jetzt erst im Juli ab, um noch die drei Prozentpunkte als Nachlass mitzunehmen. Andere zögen schon für später geplante Autokäufe jetzt nur vor.

Gastronomie profitiert doppelt

Gastronomie erleichtert über Mehrwertsteuersenkung
Audio [SR 1, (c) SR/Christian Balser und Kerstin Mark, 30.06.2020, Länge: 01:39 Min.]
Gastronomie erleichtert über Mehrwertsteuersenkung

Der Gastronomie im Saarland kommt die Senkung der Mehrwertsteuer sehr entgegen. „Für Speisen, speziell für die Gastronomie, war ausdrücklich gesagt worden: Das ist ein Hilfsprogramm für Euch“, so Frank Hohrath, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes im Saarland (Dehoga). „Dann kam die allgemeine Senkung auf fünf Prozent reduzierter und 16 Prozent normaler Mehrwertsteuersatz, worunter die Getränke fallen. Jeder Cent hilft hier.“ In Kombination mit der wegfallenden Maskenpflicht und der Wiedereröffnung des Thekenbetriebs, schätzt Hohrath, dürfte das Geschäft dadurch angekurbelt werden.

Teures Steuergeschenk

Supermärkte handhaben Mehrwertsteuersenkung unterschiedlich
Audio [SR 1, (c) SR/Carl Rolshoven, 30.06.2020, Länge: 02:22 Min.]
Supermärkte handhaben Mehrwertsteuersenkung unterschiedlich

Günstiger werden können auch laufende Verträge, etwa fürs Handy, Strom oder Gas. Anders sieht es bei Versicherungen und der Miete aus, denn hierfür fällt keine Mehrwertsteuer an. 

Das ifo-Institut geht davon aus, dass die Wirtschaftsleistung bedingt durch die Mehrwertsteuersenkung um 0,2 Prozent steigt, das entspricht etwa 6,5 Milliarden Euro. Gleichzeitig verliert der Staat 20 Milliarden an Steuereinnahmen – eine teuer erkaufte Unterstützung für die Wirtschaft also.

Weitere Lockerungen im Saarland
Seit Montag größere Veranstaltungen möglich

Mehrwertsteuer soll gesenkt werden
Handwerkskammer begrüßt Konjunkturpaket

Über dieses Thema hat auch SR1 Balser & Mark vom 30.06.2020 berichtet.

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