Ein Intensivpfleger arbeitet auf einer Intensivstation an einem Covid 19-Patienten. (Foto: picture alliance/dpa/Sebastian Gollnow)

Mehr Beschäftigte in Pflegeberufen – vorerst

Axel Wagner   07.05.2021 | 13:07 Uhr

Die Zahl der Beschäftigten in Pflegeberufen im Saarland ist weiter gestiegen. Im Juni 2020 waren 15.600 Menschen in Gesundheits- und Krankenpflegeberufen beschäftigt, 300 mehr als ein Jahr zuvor. Wie sich die Zahl der Beschäftigten während der Corona-Pandemie entwickelt hat, lässt sich jedoch noch nicht ablesen. Verdi und die Arbeitsagentur erwarten hier große Probleme.

Im Juni 2020 waren im Saarland 15.600 Frauen und Männer in Gesundheits- und Krankenpflegeberufen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Das sind 300 Personen mehr als ein Jahr zuvor, eine Steigerung um 1,8 Prozent. Unverändert hoch ist der Anteil der Frauen hierbei (78,5 Prozent). Das hat die Regionaldirektion Rheinland-Pfalz-Saarland der Arbeitsagentur am Freitag zum Tag der Pflege bekannt gegeben.

Größtenteils Fachkräfte

Ein Großteil der Beschäftigten sind Fachkräfte, 12.200 Personen (77,9 Prozent). Der Helferanteil lag bei 12,7 Prozent (2000 Personen). Dazu kommen noch 1500 Spezialisten und Experten in Berufen der Gesundheits- und Krankenpflege.

In der Altenpflege waren im vergangenen Jahr 7900 Menschen beschäftigt, 300 mehr als 2019 (+3,6 Prozent), darunter 6700 Frauen. Fachkräfte und Helfer halten sich hier zahlenmäßig die Waage.

Kaum Aussagekraft für Pandemie-Zeit

Mit Blick auf die Arbeitsbedingungen in der Pflege und besonders auf die Corona-Pandemie sind diese Zahlen allerdings mit Vorsicht zu betrachten, denn die Zahl der unbesetzten Stellen steigt. In der Altenpflege waren 2020 im Saarland 295 Jobs gemeldet, 26 mehr als ein Jahr zuvor. Im Bereich Krankenpflege gab es 242 unbesetzte Stellen, 45 mehr als 2019.

Und: Es dauert immer länger, offene Stellen zu besetzen. Im Jahr 2020 brauchte es bei der Gesundheits- und Krankenpflege im Durchschnitt 149 Tage. Bei der Altenpflege waren es sogar 174 Tage. Es dauerte dort also fast ein halbes Jahr, bis sich ein passender Bewerber fand.

Verdi rechnet mit vielen Aussteigern

„Pflegekräfte werden händeringend gesucht“, sagte Walter Hüther, stellvertretender Geschäftsführer der Regionaldirektion Rheinland-Pfalz-Saarland. Er sieht in dem Bereich gute Zukunftsperspektiven.

Die Gewerkschaft Verdi zeichnet ein düsteres Bild der Situation. Zwar gab es nach den Worten von Gewerkschaftssekretär Michael Quetting im Saarland besondere Anstrengungen, zum Beispiel für die Schaffung weiterer Ausbildungsplätze im Pflegebereich. Aber auch hierzulande sei die bundesweite Tendenz zu erkennen, dass examinierte Pflegekräfte wegen der auch schon vor Corona schlechten Arbeitsbedingungen zunehmend aus ihrem Job aussteigen oder das zumindest ankündigen.

Besonders stark betroffen ist dabei der Bereich der Intensivpflege, die seit Beginn der Corona-Pandemie ohnehin sehr stark belastet ist. Für Quetting ist es daher noch völlig unklar, wie sich die Zahl der Beschäftigten in Pflegeberufen infolge der Pandemie entwickelt.

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