Hanfpflanzen (Foto: picture alliance / Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa)

Zahl der Cannabis-Suchtbehandlungen steigt

Daniel Dresen   23.01.2020 | 15:20 Uhr

Im Saarland ist die Zahl der Cannabis-Konsumenten, die eine Therapie aufsuchen, gestiegen. Die größere Rauschwirkung der Droge ist nach Ansicht von Experten ein Grund für diese Entwicklung. Doch es gibt weitere Ursachen.

Seit dem Jahr 2000 hat sich die Zahl der Cannabis-Konsumenten, die in saarländischen Krankenhäusern stationär behandelt werden, mehr als versiebenfacht. Das teilt das saarländische Gesundheitsministerium auf SR-Anfrage mit. Die neuesten Zahlen stammen aus dem Jahr 2017: Hier wurden 270 Behandlungsfälle gezählt. Umgerechnet auf die Zahl der Einwohner liegt das Saarland seit dem Jahr 2013 über dem Bundesdurchschnitt.

SAARTALK - Der Deal mit dem Gras (23.01.2020)
Video [SR Fernsehen, (c) SR, 23.01.2020, Länge: 44:00 Min.]
SAARTALK - Der Deal mit dem Gras (23.01.2020)
Sollte Cannabis in Deutschland legalisiert werden? Welche Folgen hätte das und ist Cannabis wirklich ein Wirtschaftsfaktor? Diese Fragen diskutieren Armgard Müller-Adams und Peter Stefan Herbst in SAARTALK mit ihren Gästen.

Hohe Akzeptanz für Drogen

Das Gesundheitsministerium erklärt sich den größeren Therapiebedarf unter anderem mit dem gestiegenen THC-Gehalt in Cannabisprodukten. Der THC-Gehalt, der für den Rausch beim Konsum von Cannabis sorgt, ist in den vergangenen Jahren durch neue Züchtungen vervielfacht worden. "Mit der Erhöhung der Potenz erhöhen sich auch die Risiken, die von langjährigem Cannabis-Konsum ausgehen. So steigt das Risiko von Psychosen bei Cannabis-Konsumenten deutlich im Vergleich zu abstinenten Personen", teilt das Ministerium mit.

Cannabis - legalisieren oder nicht?
Audio [SR 3, Gerd Heger mit Armgard Müller-Adams, 23.01.2020, Länge: 04:01 Min.]
Cannabis - legalisieren oder nicht?

Suchttherapeut Wolfgang Bensel von der Median Klinik Münchwies in Neunkirchen verfolgt diese Entwicklung seit Jahren. Auch in der Median Klinik steige die Zahl der Entwöhnungsbehandlungen von Cannabis-Konsumenten. Der Suchttherapeut beurteilt den höheren THC-Gehalt aber nicht als einzigen Grund für diesen Anstieg. "Weitere Faktoren sind die höhere Akzeptanz von illegalen Drogen in der Bevölkerung sowie die große Verfügbarkeit", sagt Bensel. Der Konsum von Cannabis dürfe nicht bagatellisiert werden. "Es ist nicht vergleichbar mit dem gelegentlichen Griff zu einem Feierabendbier."

Der Suchtexperte fordert, dass sich Politik und Gesellschaft stärker mit der Frage "Warum haben Menschen einen so hohen Bedarf, sich betäuben zu müssen?" auseinandersetzen. Einer Legalisierung von Cannabis steht Bensel aufgrund der gestiegenen Behandlungszahlen weiterhin kritisch gegenüber. "Cannabis ist ein potenziell ernstzunehmendes Suchtmittel", so die Einschätzung des Suchttherapeuten.

Mehr Geld für Prävention

Die gestiegenen Behandlungszahlen sind ein Grund, die Cannabis-Prävention insbesondere bei der jüngeren Zielgruppe zu verstärken, erklärt das Gesundheitsministerium. Zukünftig will das Land die Verantwortung für die Präventionsarbeit übernehmen und mehr Geld zur Verfügung stellen. Die Kreise hingegen sollen für die Beratung zuständig sein.

Laut Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung haben von den 18- bis 25-Jährigen 40 Prozent bereits einmal Cannabis konsumiert. "Diese alarmierenden Zahlen sind darüber hinaus auch die stärksten Argumente gegen Legalisierungsbestrebungen für den Freizeitgebrauch von Cannabis", teilt das saarländische Gesundheitsministerium mit.

Über dieses Thema berichtet die Sendung "Saartalk" im SR Fernsehen am 23.01.2020 um 20.15 Uhr.

 

 

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