Münzen werden über ein rotes Portemonnaie gehalten.  (Foto: picture alliance/dpa | Friso Gentsch)

Armutskonferenz in Sorge wegen Winter

mit Informationen von Janek Böffel   26.07.2022 | 19:24 Uhr

Vor zwei Wochen hatte Sozialminister Magnus Jung (SPD) den Armuts- und Reichtumsbericht vorgestellt: 160.000 Menschen im Saarland sind von Armut bedroht oder schon betroffen. Und es könnten noch mehr werden. Am Dienstag hat sich Jung deshalb mit der saarländischen Armutskonferenz getroffen.

Eigentlich war es ein traditioneller Antrittsbesuch von Sozialminister Magnus Jung (SPD), wie es sie auch knapp 100 Tage nach einem Regierungswechsel immer wieder gibt. Und doch war die Stimmung am Ende des Gesprächs mit der saarländischen Armutskonferenz mehr als ernst.

Die aktuelle Lage und vor allem der bevorstehende Winter werden viele Menschen mit voller Härte treffen, befürchtet Michael Leinenbach, der Vorsitzende der saarländischen Armutskonferenz. "Ich habe große Sorge vor dem Winter, weil er auch viele Menschen treffen wird, die bisher noch nicht zu den Armutsbetroffenen zählen, es spätestens dann aber werden." Vor allem finanziell Schwache und Ältere hätten schon jetzt besonders unter der Situation zu leiden.

Dabei sind viele Menschen aktuell noch nicht einmal von den steigenden Heizkosten betroffen. "Wir müssen uns darauf vorbereiten, dass es schlimm werden kann", sagte demnach auch Jung.

Video [aktueller bericht, 26.07.2022, Länge: 2:58 Min.]
Saarländische Armutskonferenz im Austausch mit Sozialminister Jung

Minimale Zuschüsse nicht ausreichend

Das Problem: Die großen Schrauben werden nicht in Saarbrücken gedreht, sondern in Berlin. Um die Menschen finanziell zu entlasten, liegen weitere Vorschläge auf dem Tisch – von Wohngeld bis zu Kostenzuschüssen. Aber mit ein paar Euro sei vielen nicht geholfen, so Leinenbach. "Es muss gewährleistet werden, dass die Menschen auch an der Gesellschaft teilhaben können, minimale Zuschüsse genügen nicht."

Dafür brauche es aber auch Druck aus dem Saarland, gerade bei der Frage nach Strom und Energiesperren. Schon in normalen Jahren ist dies immer wieder ein Thema. In diesem Winter könnte es aber weitaus mehr Menschen drohen. Erneut forderte die Armuskonferenz deshalb ein Verbot von Stromsperren.

Armutskonferenz in großer Sorge mit Blick auf den kommenden Winter
Audio [SR 3, Janek Böffel, 26.07.2022, Länge: 03:08 Min.]
Armutskonferenz in großer Sorge mit Blick auf den kommenden Winter

Doch eines steht auch fest: Die finanziellen Mittel des Saarlandes sind begrenzt. Zu begrenzt, um tatsächlich in der Breite helfen zu können. Immerhin eine Winterhilfe soll es geben. "Es muss Orte geben, die geheizt sind, für diejenigen, die keine Heizung in Betrieb haben. Wir müssen Menschen außerdem eine warme Mahlzeit anbieten können", sagte Jung. Dafür müssten mehr Angebote zur Verfügung gestellt werden, als gerade vorhanden seien.

Über dieses Thema hat auch SR 3-Region am Nachmittag am 26.07.2022 berichtet.

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