«Check-In» steht in der Luca-App auf einem Smartphone (Foto: picture alliance/dpa | Christoph Soeder)

Immer mehr Stimmen fordern Aus für Luca-App

Caroline Uhl / Niklas Resch   12.01.2022 | 15:26 Uhr

Gastronomie- und Event-Branche haben sich dafür ausgesprochen, die Luca-App im Saarland zu kündigen. Die Landesregierung prüft derzeit, ob sie die Lizenz verlängert oder nicht. Die App soll bei der Kontaktnachverfolgung von Corona-Infektionen helfen.

Bis Ende März läuft die Lizenz für die Luca-App im Saarland noch. Geht es nach dem Hotel- und Gaststättenverband Dehoga Saar ist danach Schluss. "Es gibt genügend andere Angebote zur Kontaktnachverfolgung außer der Luca-App", betont Dehoga-Saar-Hauptgeschäftsführer Frank Hohrath. Da müsse der Staat nicht mit Steuergeld einen privaten Betreiber, nämlich den der Luca-App, weiter alimentieren.

"Manche Gäste wollen Luca nicht gerne nutzen"

Außerdem hätten Gastronomen auch immer wieder verunsicherte Gäste erlebt, die speziell Luca nicht gerne nutzen wollten, so Hohrath. Die App war im vergangenen Jahr aus verschiedenen Gründen in die Kritik geraten. Einerseits ging es um Probleme beim Datenschutz, andererseits kamen Zweifel am Nutzen auf.

Eine SR-Recherche hatte im vergangenen September gezeigt, dass die Luca-App den Gesundheitsämtern bis dahin in keinem einzigen Fall bei der Ermittlung von Kontakten geholfen hatte.

Zuletzt war die App allerdings in St. Wendel offenbar zum Einsatz gekommen, bei der Identifizierung eines Ausbruchgeschehens in der Gaststättenszene.

Auch Pop-Rat gegen Verlängerung von Luca-App

Auch der saarländische PopRat als Vertreter der Kultur- und Eventbranche spricht sich gegen ein weiteres Jahr Luca im Saarland aus. Bei den Veranstaltern fände die App „praktisch keine Anwendung“, teilte der Vorsitzende Gregor Theado dem SR mit. Er verwies auf die staatliche Corona-Warn-App, die mittlerweile auch über eine Funktion zum Einchecken bei Veranstaltungen verfügt.

Ähnlich argumentiert die FDP im Saarland, auch ihr stellvertretender Landeschef Helmut Isringhaus hat sich dafür ausgesprochen, den Vertrag zur Luca-App zu kündigen.

Bisherige Kosten: rund 370.000 Euro

Im vergangenen Frühjahr hatte das Saarland die Luca-App gemeinsam mit 12 anderen Bundesländern eingeführt. Bisher hat die Landesregierung dafür rund 370.000 Euro bezahlt.

Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) hatte am Dienstag mitgeteilt, dass noch keine Entscheidung gefallen sei, ob die Lizenz für die Luca-App verlängert werde oder nicht. Dafür sollen die Rückmeldungen von Gastro- und Veranstaltungsbranche sowie der Gesundheitsämter ausgewertet werden.

Erstes Bundesland kündigt

Als erstes der 13 Bundesländer hat am Mittwoch Schleswig-Holstein bekannt gegeben, seinen Vertrag für die Luca-App zu kündigen. Da das Land die Pflicht zur Kontaktdatenerhebung aufgehoben habe und eine Wiedereinführung nicht abzusehen sei, bestehe "kein Grund, an Luca festzuhalten", sagte der Geschäftsführer des schleswig-holsteinischen Landkreistages, Sönke Schulz, der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Im Saarland hat die Pflicht zur Kontaktdatenerhebung indes noch Bestand.

Bis Ende Februar muss aber auch hier eine Entscheidung zur Zukunft der App her, sonst verlängert sich die Lizenz automatisch um ein weiteres Jahr.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 12.01.2022 berichtet.

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