Ein Barcode, der mit der Luca-App zur Kontaktnachverfolgung gescannt werden kann. (Foto: picture alliance/dpa | Marijan Murat)

Luca-App im Saarland vor dem Aus

Caroline Uhl / Niklas Resch   13.01.2022 | 17:05 Uhr

Die Luca-App zur Kontaktnachverfolgung bei Corona-Infektionen steht im Saarland vor dem Aus. Nach der Gastronomie- und Eventbranche hat sich nun auch der saarländische Landkreistag gegen eine Verlängerung der App-Lizenz ausgesprochen.

48.000 Coronafälle gab es im Saarland seit vergangenem Frühjahr, und nur in zehn Fällen hat die Luca-App den Gesundheitsämtern bei der Kontaktnachverfolgung geholfen. So steht es in einer Stellungnahme des Landkreistags an das Gesundheitsministerium, die dem SR vorliegt.

In dem knapp vierseitigen Dokument stellt der Landkreistag der App insgesamt ein verheerendes Zeugnis aus.

Gegenwind von allen Seiten

Die Übermittlung der Luca-Daten vonseiten der Betreiber etwa von Kneipen, Clubs oder Restaurants erfolge "lückenhaft und oftmals so erheblich zeitverzögert", heißt es beispielsweise in der Stellungnahme. In einem Fall habe es zehn Tage gedauert, bis das Gesundheitsamt eine Kontaktliste eines Infizierten bekommen habe.

In anderen Fällen seien die Orte des Infektionsgeschehens – Schwimmbäder oder Discos – viel zu groß gewesen. In zwei Fällen in Diskotheken etwa wäre das zuständige Gesundheitsamt bei Anwendung von Luca auf bis zu 600 potenzielle Kontaktpersonen gekommen – ohne genau zu wissen, wem die infizierte Person wirklich begegnet war.

Unzufrieden mit der Technik

Hinzu komme, dass die Gesundheitsämter mit der technischen Handhabung unzufrieden seien und Kontaktdaten nur unzureichend verifiziert würden.

Zuvor hatten bereits der Hotel- und Gaststättenverband und der Poprat für ein Aus der Luca-App plädiert – außerdem FDP und Grüne.

Hilfe in St. Wendel

Aktuell gibt es im Saarland gut 5000 Luca-Standorte. Gut 250.000 Check-Ins mithilfe der App hat es in den vergangenen vier Wochen landesweit gegeben. Im Falle eines Ausbruchsgeschehens an Weihnachten in St. Wendeler Kneipen hatte die App offenbar auch bei der Identifikation zahlreicher Infizierter geholfen.

Ob das ausreicht, um die App weiterzuführen, muss die Landesregierung bis Ende Februar entscheiden. Das Land hat für die Luca-App bisher 370.000 Euro ausgegeben. Ein weiteres Jahr würde laut Gesundheitsministerium wieder genauso viel Geld kosten.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 13.01.2022 berichtet.

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja