Eine Person checkt mit der Luca-App ein. (Foto: Imago/epd/Friedrich Stark)

Luca-App im Saarland bislang ein Flop

Caroline Uhl, Niklas Resch   09.09.2021 | 06:00 Uhr

Die Luca-App hat im Saarland seit ihrer Einführung bei keinem einzigen Corona-Fall bei der Ermittlung von Kontaktpersonen geholfen. Das melden die Gesundheitsämter auf SR-Anfrage. Im gleichen Zeitraum gab es mehr als 13.000 bestätigte Infektionen im Saarland.

Seit April ist die Luca-App im Saarland flächendeckend im Einsatz. Das Ziel: Den Gesundheitsämtern bei der Nachverfolgung von Infektionsketten helfen, vor allem in Restaurants, Kneipen oder anderen Einrichtungen. Keine Zettelwirtschaft mehr, stattdessen einfach QR-Code scannen und einchecken. Bei Bedarf kann das Gesundheitsamt dann andere warnen. Doch im Saarland erweist sich die Luca-App bisher als nutzlos.

Einzelne Abfragen, aber kein konkreter Nutzen

Aus einer SR-Anfrage an die saarländischen Gesundheitsämter geht hervor: Bei über 13.000 bestätigten Corona-Infektionen seit April gab es keinen einzigen Fall, bei dem die App geholfen hätte, Kontaktpersonen zu ermitteln und zu informieren. Mehrere Gesundheitsämter haben demnach bisher noch keine einzige Abfrage über die Luca-App gestartet.

Video [aktueller bericht, 09.09.2021, Länge: 3:28 Min.]
Luca-App floppt im Saarland bislang

Die Ämter im Kreis Neunkirchen, dem Regionalverband Saarbrücken und dem Kreis Merzig-Wadern berichten zwar von einzelnen Abfragen. Die über die Luca-App erhaltenen Daten hätten aber aus verschiedenen Gründen nicht weitergeholfen.

Lange Dauer in Saarbrücken, keine Zusatzerkenntnis in Neunkirchen

Der Regionalverband Saarbrücken berichtet von zwei Fällen, bei denen die App prinzipiell hätte helfen können – es ging jeweils um den Besuch eines positiv Getesteten in einer Diskothek. Doch beide Male seien die Kontaktlisten erst nach mehr als einer Woche beim Gesundheitsamt eingegangen, zu spät für eine sinnvolle Kontaktnachverfolgung: Einmal habe die positiv getestete Person zu spät ihre Freigabe erteilt, einmal der Betreiber der Diskothek.

Luca-App im Saarland bislang ein Flop
Audio [SR 1, (c) SR 1, 09.09.2021, Länge: 02:27 Min.]
Luca-App im Saarland bislang ein Flop

Bei der Luca-App muss aus Datenschutzgründen zunächst die infizierte Person ihre Luca-Liste mit Informationen, wo sie überall war, fürs Gesundheitsamt freigeben. Danach muss der Betreiber – etwa der Disco – seine Luca-Gästeliste freigeben.

Der Landkreis Neunkirchen teilte auf SR-Anfrage mit, man habe viermal Luca-Daten abgefragt, zweimal bei Restaurants, zweimal bei Cafés in Bäckereien. Doch die Indexpersonen konnten schon am Telefon mitteilen, mit wem sie am Tisch saßen, demnach hatten die Luca-Daten keine neuen Erkenntnisse gebracht.

Weitere Probleme: Check-Out vergessen und große Einrichtungen

Der Landkreis Merzig-Wadern berichtet von einer Datenabfrage bei einem Schwimmbadbesuch, bei dem die Daten aber nicht weiterhalfen. Es hätten offenbar viele Besucher vergessen, sich beim Verlassen des Bads aus der Luca-App abzumelden.

Außerdem sei unklar gewesen, in welchen Bereichen des Bads sich welche Gäste aufgehalten hätten. Demnach war es nicht möglich, Kontaktpersonen der infizierten Person zu ermitteln.

370.000 Euro Kosten fürs Saarland, 21 Millionen insgesamt

13 Bundesländer hatten sich im Frühjahr für die Luca-App zur Kontaktermittlung entschieden. Insgesamt bezahlten sie für die Lizenz rund 21 Millionen Euro, der Anteil des Saarlands beträgt 370.000 Euro.

Warum ist die Luca-App im Saarland bisher ein Flop?
Audio [SR 3, Studiogespräch: Renate Wanninger/Niklas Resch, 09.09.2021, Länge: 03:50 Min.]
Warum ist die Luca-App im Saarland bisher ein Flop?

Deutschlandweit sieht die Bilanz der Luca-App etwas besser aus als im Saarland. Luca teilt auf SR-Anfrage mit, die Gesundheitsämter in Deutschland hätten zwischen Anfang Juni und Ende August knapp 2000 Mal Kontaktlisten von Betrieben wie Restaurants angefordert. Grob gerechnet also in etwa jedem hundertsten positiven Fall, denn insgesamt gab es in Deutschland in diesem Zeitraum gut 200.000 Corona-Neuinfektionen.

Gründe für schlechte Bilanz sind vielfältig

Es gibt viele Gründe für die geringen Nutzungszahlen der Luca-App. Der Leiter des Gesundheitsamtes in St. Wendel, Andreas Kramer, betont im SR-Interview: „Wir hatten in den vergangenen Monaten einfach kaum Ausbruchsgeschehen in Restaurants oder anderen Einrichtungen, wo die Luca-App zum Einsatz gekommen wäre.“ Stattdessen habe sich das Coronavirus eher in Familien, Betrieben, Schulen oder Kitas verbreitet.

Laut Gesundheitsministerium gibt es im Saarland zwar rund 3400 Luca-App-Standpunkte. Trotzdem dürfte die App in anderen Bundesländern deutlich häufiger genutzt werden, etwa in Hamburg oder auch in Teilen von Rheinland-Pfalz. Dort muss man sich fast überall über die App registrieren.

Und vielleicht wurde die Bedeutung der App im Vorfeld generell überschätzt, auch die massive Bewerbung durch die Musiker der Fantastischen Vier könnte dabei eine Rolle gespielt haben.

Kontaktpersonen werden nicht immer benannt

Aus dem Landkreis Saarlouis und dem Regionalverband Saarbrücken heißt es außerdem, dass viele Menschen bei der Kontaktnachverfolgung nicht mehr so gut mitmachten. In einzelnen Fällen würden selbst Familienmitglieder aus demselben Haushalt nicht als Kontaktperson benannt.

Dies habe sich einige Tage später gezeigt, weil an denselben Adressen Folgefälle aufgetreten seien. Und wer schon seine engen Kontaktpersonen nicht nennt, wird aller Voraussicht nach auch einen Restaurantbesuch nicht mitteilen, bei dem er die Luca-App genutzt hat.

Luca kündigt Update an

Luca hat auf die Kritik der vergangenen Monate reagiert und ein Software-Update für September angekündigt. Auf SR-Anfrage heißt es, geplant sei unter anderem, dass die Gesundheitsämter Kontaktpersonen auch direkt über die App warnen können, etwa wenn sie an einem Ort waren, wo mehr als ein Corona-Fall gemeldet wurde.

Bislang erhalten Luca-Nutzer nur einen Hinweis, dass ein Gesundheitsamt Daten von einer besuchten Veranstaltung angefordert hat. Auch Details wie Belüftung oder Größe von Veranstaltungsräumen soll künftig erfasst werden.

Lizenz läuft im Frühjahr aus

Die Lizenz für die Luca-App läuft im Frühjahr aus. Wie geht es weiter? Der Vorsitzende des Landkreistags, der Saarlouiser Landrat Patrik Lauer (SPD), will dem Land keinen Vorwurf wegen der Anschaffung der App machen. Er betont aber, angesichts des geringen Nutzens müsse man schon überlegen, ob es nicht in Zukunft „preisgünstigere und bessere Alternativen gebe“.

Das Gesundheitsministerium teilt auf SR-Anfrage mit, die „hohe Zahl der registrierten Bürger und aktiven Nutzer zeigt, dass die Bürger gerne die unproblematische digitale Eincheckmöglichkeit der App nutzen“. Auf die Frage, wie das Ministerium es bewertet, dass die App bisher in keinem Fall bei der Kontaktermittlung geholfen hat, gibt es keine Antwort.

Die Landesregierung prüfe jedoch, „ob die Lizenz verlängert werden soll oder auslaufen wird“. Das werde aber auch von der weiteren Entwicklung im Winter abhängen.

Über dieses Thema berichtete auch die SR 3-Rundschau am 09.09.2021.

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja