Eine kleine Flasche mit dem Coronaimpfstoff von AstraZeneca. (Foto: imago images / MiS)

Neuer Impfstoff und neue Impfverordnung

mit Informationen von Steffani Balle / Onlinefassung: Daniel Dresen   08.02.2021 | 21:56 Uhr

Eine erste Lieferung des Corona-Impfstoffs von AstraZeneca hat das Saarland am Montag erreicht. Zudem soll eine neue Impfverordnung dafür sorgen, dass Impfungen schneller und flexibler verlaufen.

Im Saarland ist der Impfstoff von AstraZeneca nach denen von Biontech/Pfizer und Moderna der dritte, der zum Einsatz kommt. Diese und die kommende Woche werden jeweils 4800 Dosen erwartet, am 19. Februar 12.000 und Anfang März dann über 16.000.

Änderung der bundesweiten Impfverordnung
Video [SR Fernsehen, (c) SR, 08.02.2021, Länge: 02:30 Min.]
Änderung der bundesweiten Impfverordnung

Das Vakzin des britisch-schwedischen Pharmaunternehmens ist in Deutschland von der Ständigen Impfkommission lediglich für Menschen unter 65 Jahren empfohlen worden. Vorrangig Pflegekräfte, Ärzte und Beschäftigte im Rettungsdienst sollen es erhalten. Damit bleibt mehr der Impfstoffe von Biontech und Moderna für Ältere.

Am Montagabend gab das saarländische Gesundheitsministerium bekannt, dass Biontech ab nächster Woche wieder mehr Impfstoff liefern könne und somit das Lieferversprechen bis Ende März gehalten werde. So seien größere Schritte bei der Verimpfung wieder möglich, sagte Gesundheitsministerin Monika Bachmann (CDU).

SR-Reporterin Nelly Theobald über das Verfahren nach der neuen Impfverordnung
Video [SR Fernsehen, (c) SR, 08.02.2021, Länge: 03:07 Min.]
SR-Reporterin Nelly Theobald über das Verfahren nach der neuen Impfverordnung

Impfungen auch für Schwerkranke

Einige Anpassungen in der neuen Impfverordnung sollen zudem dafür sorgen, die Corona-Impfungen zu beschleunigen und flexibler zu machen. So können Menschen mit schweren Krankheiten in die zweite Impf-Gruppe vorgezogen werden. Dabei handelt es sich jedoch stets um Einzelfälle, über die im Saarland eine Härtefall-Kommission entscheiden soll. Zu solchen Einzelfällen können laut Bundesgesundheitsministerium Menschen zählen ...

  • mit Krebs ohne gestoppten Tumorwachstum
  • mit schwerer chronischer Lungenerkrankung
  • mit chronischer Leber- oder Nierenerkrankung
  • mit Diabetes mit hohen Blutzuckerwerten
  • mit Fettleibigkeit mit Body-Mass-Index über 40
  • mit Demenz, geistiger Behinderung, bipolarer Störung, Schizophrenie, schwerer Depression, Trisomie 21 sowie nach Organtransplantationen
  • denen ein Arzt hohes Risiko für einen schweren Covid-19-Verlauf bescheinigt

Nach Auskunft von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sollen deutschlandweit bis Ende März alle Menschen aus der Ü80-Altersgruppe geimpft sein. Das gelte auch für andere Personen der höchsten Priorisierungsgruppe: Pflegeheimbewohner, Pflegekräfte in Heimen, Personal in Intensivstationen, Notaufnahmen, Rettungsdiensten, Impfzentren.

Auch wer Menschen behandelt oder pflegt, bei denen ein sehr hohes Risiko für einen schweren oder tödlichen Krankheitsverlauf nach einer Infektion besteht, gehört in diese Gruppe. Dies gilt insbesondere für die Onkologie oder Transplantationsmedizin.

Von April an sollen Menschen ab 70 Jahren geimpft werden. Zur Priorisierungsgruppe zwei zählen außerdem:

  • zwei enge Kontaktpersonen von Pflegebedürftigen zu Hause oder Schwangeren (Schwangere selbst normalerweise nicht)
  • Ärzte, Polizei- und Ordnungskräfte (im Einsatz bei Demonstrationen), Soldaten im Auslandseinsatz mit hohem Infektionsrisiko
  • Beschäftigte von Gesundheitsdiensten und Kliniken
  • Bewohner von Obdachlosen- und Asylbewerberunterkünften
  • Betreuer von Menschen mit geistiger Behinderung

Für die gesamte Gruppe zwei gilt: Wer unter 65 ist, soll vorrangig den AstraZeneca-Impfstoff erhalten. Außerdem sollen Reste von Impfdosen in Ausnahmefällen auch an Menschen verabreicht werden, die eigentlich noch nicht an der Reihe sind. Damit soll vermieden werden, dass Impfstoff am Ende eines Tages weggeworfen wird.

Zur Gruppe drei gehören:

  • Menschen ab 60 Jahre
  • Menschen mit Immundefizienz oder HIV-Infektion, Autoimmunerkrankungen oder Rheuma, Patienten mit einer Herzinsuffizienz, Arrhythmie, Vorhofflimmern, koronaren Herzkrankheiten oder Bluthochdruck, chronischen neurologischen Erkrankung, Asthma, entzündlicher Darmerkrankung und andere Fälle von Diabetes mellitus, Übergewichtige mit einem Body-Maß-Index über 30
  • Mitarbeiter staatlicher Einrichtungen wie Bundestag, Regierungen und Verwaltungen, Beschäftigte bei der Bundeswehr, bei der Polizei, beim Zoll, bei der Feuerwehr, beim Katastrophenschutz, beim Technischen Hilfswerk, Justiz
  • Mitarbeiter in Apotheken, in der Pharma- oder Ernährungswirtschaft, der Wasser- und Energieversorgung, der Abfallwirtschaft, im Transport- und Verkehrswesen, im Lebensmitteleinzelhandel, Erzieher und Lehrer
  • Menschen mit prekären Arbeits- oder Lebensbedingungen

Erst danach sollen alle weiteren folgen. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hat versprochen, dass bis Ende des Sommers alle Menschen in Deutschland ein Impfangebot erhalten sollen.

Bisher knapp 40.000 Impfungen

Der AstraZeneca-Impfstoff und eine neue Impfstrategie
Audio [SR 3, Studiogespräch: Simin Sadeghi/Steffani Balle, 08.02.2021, Länge: 04:00 Min.]
Der AstraZeneca-Impfstoff und eine neue Impfstrategie

Im Saarland wurden nach Angaben des Gesundheitsministeriums bis zum Montag insgesamt 39.486 Impfungen durchgeführt. 24.906 davon waren Erst- und 14.580 Zweitimpfungen. Die meisten Impfungen gab es mit 19.121 in der Gruppe der über 80-Jährigen. Außerdem wurden 11.334 Impfungen bei Bewohnerinnen und Bewohner in Pflege- und Alteneinrichtungen verabreicht und 9031 bei Personen aus Berufsgruppen der Priorisierungsstufe 1. Laut Ministerium haben sich bisher insgesamt 53.275 Personen auf den Impflisten registriert.

Über dieses Thema hat auch die SR 3-Rundschau am 08.02.2021 berichtet.


08.02.2021, 18.29 Uhr

Hinweis der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels hieß es, diese und die kommende Woche werden jeweils 4200 Dosen des AstraZeneca-Impfstoffs erwartet. Richtig ist: Es sind 4800.

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja