Mitinhaber einer Fahrradwerkstatt repariert ein Fahrrad  (Foto: picture alliance/dpa | Annette Riedl)

Hohe Nachfrage trifft auf Lieferengpässe in Fahrradgeschäften

  02.04.2022 | 19:21 Uhr

Das gute Wetter der vergangenen Wochen schlägt sich in den Fahrradgeschäften im Saarland nieder: Die Nachfrage steigt und damit die Wartezeiten der Kundinnen und Kunden. Lieferengpässe verschärfen die Situation, die laut Fahrradgeschäften und Werkstätten "extrem" sei.

Die ersten warmen Tage sind in diesem Jahr zwar wieder vorbei - trotzdem lockt das Wetter Saarländerinnen und Saarländer bald wieder aufs Fahrrad. Wer ein neues kaufen möchte, muss sich allerdings auf Wartezeit einstellen.

Denn schon im vergangenen Jahr gab es eine enorme Nachfrage nach Fahrrädern, die in diesem Jahr kaum nachgelassen hat. Das macht sich in den Fahrradgeschäften und -werkstätten im Saarland bemerkbar. Durch Lieferengpässe kommt es ohnehin bereits zu langen Wartezeiten. Und auch Ersatzteile sind rar und mit ihnen auch die Reparaturtermine.

Warten aufs Fahrrad
Audio [SR 3, Patrick Wiermer , 05.04.2022, Länge: 03:03 Min.]
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40 Prozent mehr Aufträge

"Man merkt, dass die Werkstatt mehr gefordert ist als sonst", bestätigt Corbinian Sehmer von "der fahrradladen" in Saarbrücken. Zwar habe man auch über den Winter eine gute Auslastung verspürt, da dann die längeren Wartungen angestanden hätten. Nun fielen zusätzlich noch kurzfristige Anliegen an, etwa platte Reifen. "Sobald es aufhört zu regnen, haben wir 40 Prozent mehr Aufträge", beschreibt Sehmer die Situation, die die Fahrradsaison bringt.

Den Aufträgen gerecht zu werden, werde immer schwieriger. Durch die "enorme Knappheit" an Einzelteilen könnten die Hersteller nicht mehr liefern. Das Problem in den Werkstätten und Geschäften sei dann die fehlende Planbarkeit. Man wisse kaum, welche Einzelteile wann wieder verfügbar sind.

Bis zu 1,5 Jahre Wartezeit

Ersatzteile, die normalerweise innerhalb von wenigen Tagen geliefert werden konnten, bräuchten derzeit teils ein bis anderthalb Jahre, erklärt der Betreiber Martin Schweitzer von "Fahrrad Schweitzer" in Neunkirchen.

An Fahrradmodellen habe man zwar im Lagerbestand noch einiges vorrätig, da man genug vorbestellt hatte. Allerdings schätzt Schweitzer, dass die Vorräte zwischen Mai und Juli aufgebraucht sein könnten. Auch sei es kaum möglich, Ansprüche auf eine bestimmte Farbe oder ähnliche Wünsche zu erfüllen.

Corona trifft die Lieferketten

"So extrem war es noch nie", sagt der Betreiber und sieht die Gründe dafür in der Abhängigkeit vom asiatischen Markt. Dort hätten aufgrund von coronabedingten Lockdowns zeitweise die Werke stillgestanden, außerdem dauere der Transport über den Seeweg zu lang. Besser wäre es seiner Meinung nach daher, die Produktion mehr nach Europa zu verlegen.

"2022 wird noch ein ganz schlimmes Jahr werden, was die Lieferfähigkeit betrifft", vermutet Schweitzer und sieht für 2023 kaum eine Besserung. Bis zu zehn Prozent seien die Preise durch diese Situation schon gestiegen, Tendenz eher weiter steigend. Schweitzer schiebt das auch auf die hohen Energiepreise, wodurch die Transporte teurer werden.

Fahrrad schonen

Die hohen Spritkosten könnten gleichzeitig ein Grund für das Mehraufkommen von Fahrradfahrerinnen und -fahrern und dadurch die wachsende Nachfrage in Fahrradgeschäften sein, vermutet Thomas Fläschner vom ADFC. Für die Kundschaft ergeben sich dadurch lange Wartezeiten beim Kauf oder der Reparatur ihres Rads. Jedoch gibt der ADFC-Vorstandsvorsitzende verschiedene Ratschläge.

Um den Werkstattbesuch von vornherein zu vermeiden, gelte es, das Fahrrad schonender zu behandeln. Bei E-Bikes würde das zum Beispiel bedeuten, bei schwierigerem Gelände nicht gleich die Unterstützung zuzuschalten, sondern zuerst einen Ganz herunterzuschalten und eventuell das Tempo herauszunehmen. Bei Fahrrädern sollte außerdem generell die Kette regelmäßig sauber gemacht werden, damit sie länger hält.

Gebrauchte Fahrräder oder Selbstreparatur

Falls doch etwas kaputt gehen sollte, könne man dies auch in Selbsthilfewerkstätten reparieren, rät Fläschner. Dort bekommt man Unterstützung, es gibt Werkzeug und meist auch diverse Ersatzteile.

Wer keine bestimmten Wünsche an ein neues Rad hat, könne auch auf dem Gebrauchtfahrradmarkt deutlich schneller ein Modell ersteigern. Der ADFC veranstalte dafür mehrmals im Jahr eine Fahrradbörse, die nächste findet am 9. April in Saarbrücken auf dem Tbilisser Platz statt.

Fahrrad für nächstes Jahr

Auch Corbinian Sehmer von "der fahrradladen" in Saarbrücken hat zuletzt noch einen Rat: "Am besten jetzt bestellen, dann hat man das Fahrrad auf jeden Fall im gleichen Zeitraum nächstes Jahr."

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