Ein Industrieschweißer kniet auf seinem Wekrstück (Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Jens Büttner)

Etwas weniger Lieferengpässe im Saarland

Anne Staut   05.01.2023 | 17:26 Uhr

Stahl, Kupfer oder auch Holz: Durch die Pandemie waren in den letzten Jahren viele Rohstoffe knapp. Inzwischen hat sich die Lage offenbar etwas entspannt. Die gestiegenen Preise machen den Saar-Unternehmen aber weiter zu schaffen.

Die Coronapandemie hat die Wirtschaft in den letzten Jahren vor große Herausforderungen gestellt. Die Unternehmen leiden unter anderem unter Lieferengpässen und Materialknappheit. Der Krieg in der Ukraine und die damit verbundenen gestiegenen Energiepreise haben die Lage weiter verschärft.

Leichte Entspannung bei Lieferengpässen

Inzwischen können die Unternehmen offenbar teilweise wieder etwas aufatmen. Die Materialknappheit in der Industrie hat sich nach einer aktuellen Umfrage des Münchner Ifo-Instituts "merklich entspannt". In vielen Bereichen scheine sich eine Auflösung der Engpässe abzuzeichnen.

Dieser Trend zeigt sich auch im Saarland. "Die Material- und Liefersituation hat sich im Saarland gegenüber dem Frühjahr 2022 insgesamt gesehen etwas entspannt", so IHK-Geschäftsführer Dr. Carsten Meier.

Eine leichte Verbesserung in den Lieferketten gebe es etwa bei Rohstoffen wie Stählen, Aluminium oder Kupfer – auch wenn sich die Lieferzeiten hier nach wie vor auf vergleichsweise hohem Niveau befänden.

Auch in der Baubranche hat sich die Situation etwas verbessert. Insbesondere bei Holz- und Kunststoffprodukten sowie Baustahl werde von deutlich weniger Lieferschwierigkeiten berichtet, teilte der Arbeitgeberverband (AGV) Bau Saar auf SR-Anfrage mit.

Gesunkene Nachfrage

Als Grund für die leichte Entspannung sieht die IHK eine niedrige Nachfrage in Folge "der stockenden weltwirtschaftlichen Entwicklung und des schwachen Investitionsklimas". Viele Unternehmen hätten wegen der zunehmenden Unsicherheit Investitionsprojekte aufgeschoben oder abgesagt.

Auch die Unternehmen haben laut IHK einen wesentlichen Beitrag dazu geleistet, dass sich die Situation insgesamt verbessert hat. Unter anderem hätten sie sich durch stärkere Diversifizierung und Regionalisierung widerstandsfähiger gegenüber Risiken gemacht.

Weiter Probleme bei Chips und Halbleitern

Nach wie vor gibt es aber auch Nachschubprobleme bei Produkten. Im Saarland sind weiterhin chemische Produkte und elektronische Bauteile wie Halbleiter und Chips knapp. Die Lage sei sehr angespannt, so die IHK. Der Halbleitermangel hatte im vergangenen Jahr auch bei Ford in Saarlouis zu Kurzarbeit geführt.

Unklar ist auch, wie sich die Liefersituation insgesamt in den kommenden Monaten entwickelt. Abhängig von der Entwicklung der Corona-Lage in China könne es auch wieder zu neuen Engpässen kommen, erklärte das Ifo-Institut am Dienstag.

Gestiegene Preise weiter ein Problem

Auch die gestiegenen Preise machen den Unternehmen weiter zu schaffen. Baumaterialien seien nach wie vor teurer als noch zum Jahresbeginn 2021, dem Beginn der starken Preissteigerungen, erklärte etwa der AGV Bau Saar. Besonders betroffen seien aufgrund der gestiegenen Energiekosten energieintensive Produkte wie etwa Flachglas.

Der Verband geht davon aus, dass sich auch die Energiewende auf die Preise auswirken wird. Es würden Stahl und seltene Erden für Windräder und Elektromotoren sowie Kupfer und Aluminium für den Ausbau der Stromnetze und der IT-Infrastruktur benötigt. Diese Produkte würden auch in der Bauwirtschaft gebraucht. Die steigende Nachfrage treffe in vielen Teilen des Marktes auf ein knappes Angebot.

"Insgesamt gehen die meisten Experten davon aus, dass ein merklicher Rückgang der Preise nicht zu erwarten ist, vielmehr werden sie auf hohem Niveau verbleiben", so der AGV Bau Saar. Das deckt sich auch mit den Erwartungen der Mitgliedsunternehmen des AGV Bau Saar. 69,2 Prozent rechnen für die nächsten Monate mit einem deutlichen Preisanstieg.


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