Ein Schild weist auf die Maskenpflicht in der Schule hin (Foto: picture alliance/Moritz Frankenberg/dpa)

Lehrer fordern Wechsel aus Präsenz- und Onlineunterricht

  29.10.2020 | 17:36 Uhr

Mit Blick auf die neuen Beschlüsse zur Eindämmung der Corona-Pandemie von Bund und Ministerpräsidenten fordern der Saarländische Lehrerverband und die Gewerkschaft GEW auch eine Anpassung der Schutzmaßnahmen an saarländischen Schulen und Kitas. Zu den Forderungen gehören die Rückkehr zum Hybridunterricht sowie eine Ausweitung der Maskenpflicht an Schulen und Kitas.

Der Saarländische Lehrerinnen- und Lehrerverband (SLLV) spricht sich dafür aus, Lerngruppen an saarländischen Schulen deutlich zu verkleinern und zu einem wöchentlichen Wechsel von Präsenzunterricht und Homeschooling zurückzukehren. Dieses Modell habe sich bereits im Frühjahr bewährt.

Außerdem benötige man deutlich mehr Personal, zum Beispiel sogenannte Schulhelfer, die Hygienemaßnahmen kontrollieren könnten, sagte Lisa Brausch, Vorsitzende des Lehrerverbands, dem SR.

Abstand kann nicht gewahrt werden

„Das Recht auf Bildung darf dem Gesundheitsschutz nicht übergeordnet werden. In den Klassen kommen weiterhin Personen aus bis zu 30 Haushalten auf engstem Raum zusammen", warnte Brausch. Der Abstand könne nicht gewahrt werden, weshalb eine Anpassung der Maßnahmen "längst überfällig" sei. Der überarbeitete Musterhygieneplan, der seit Schulbeginn nach den Herbstferien gilt und unter anderem die Maskenpflicht für Schüler ab Klassenstufe zehn vorsehe, reiche nicht aus.

"Wenn wir die Pandemie wirksam eindämmen wollen, können wir es nicht weiter hinnehmen, dass es Klassen mit 30 Kindern und mehr gibt, in denen im Präsenzunterricht de facto nicht mal ein Mindestmaß an Abstand möglich ist", sagte Grünen-Landeschef Markus Tressel. Das Land müsse deshalb jetzt alles tun, um auch durch den konsequenten Einsatz von digitalen Möglichkeiten für einen besseren Schutz in den Bildungseinrichtungen zu sorgen.

Auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) im Saarland ermahnt die Landesregierung mit Blick auf die steigenden Corona-Infektionszahlen, mehr für den Arbeits- und Infektionsschutz in Schulen und Kitas zu tun. Prof. Barbara Gärtner, Leiterin des Instituts für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene an der Uniklinik Homburg, unterstützt die Forderung der GEW Saarland, die RKI-Empfehlungen zum Thema Maskenpflicht an Schulen umzusetzen – und erweitert die Thematik der Masken als geeignete Schutzmaßnahme auch auf die Kitas.

Maskenpflicht auch für Beschäftigte

"Es besteht eine neue Gefährdung und unter dem Background Corona muss man neu überlegen. Es braucht neue Schutzmaßnahmen wie zum Beispiel Masken und Gesichtsvisiere. Diese Dinge waren in den vorherigen Gefährdungsbeurteilungen nicht bedacht", so Gärtner. Außerdem plädiert sie auch für das Tragen von Masken bei Beschäftigten und sieht weiter die Möglichkeit, dass die jüngeren Kinder in Kitas ebenso Masken tragen.

Auch wenn dies nicht in allen Fällen funktioniere, könne spielerisch der Gebrauch von Masken eingeübt werden. "Die GEW Saarland fordert daher erneut Ministerin Bachmann auf, endlich einen Musterhygieneplan Saarland für Kitas unter dem aktuellen Gesichtspunkt der rasant ansteigenden Infektionen im Saarland zu erstellen", so die GEW-Landesvorsitzende Birgit Jenni.

Lehrer in Teilzeit sollen aufstocken

Saarlands Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot (SPD) kündigte am Donnerstagabend an, einen weiteren Schutzschirm über die Bildungseinrichtungen spannen zu wollen, um sie auch bei weiter steigenden Infektionszahlen offenhalten zu können und den Gesundheitsschutz für alle Beteiligten sicherzustellen. Derzeit liefen Abstimmungen zwischen den Ländern innerhalb der Kultusministerkonferenz darüber. Neben den Hygiene- und Infektionsschutzmaßnahmen brauche es an den Schulen zudem mehr Personal. "Deshalb bitte ich insbesondere auch alle Lehrerinnen und Lehrer, die aktuell in Teilzeit arbeiten, für sich zu prüfen, ob und in welchem Umfang sie ihre Stunden aufstocken könnten, um so einen zusätzlichen Beitrag zur Absicherung des Präsenzunterrichts zu leisten", appellierte die Ministerin. Auch die Schülerbeförderung mit Bussen und Bahnen werde noch einmal genau ins Auge genommen.

Der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) hatte nach den Beschlüssen der Bundesregierung und der Ministerpräsidenten am Mittwoch angekündigt, zeitnah auch ein überarbeitetes Hygienekonzept für Schulen und Kindertagesstätten im Saarland vorzustellen. In den Beratungen wurden weitreichende Beschränkungen des öffentlichen Lebens beschlossen, der Schul- und Kitabetrieb soll aber aufrechterhalten werden.

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