Ranzen hängen und stehen beim Begrüssungsunterricht der neuen Erstklässler im Klassenzimmer. (Foto: Philipp Schulze/dpa)

Saarländischer Lehrerverband dämpft Euphorie

  16.08.2019 | 15:41 Uhr

Nach dem am Donnerstag veröffentlichten „Bildungsmonitor“, bei dem das Saarland im bundesweiten Vergleich den vierten Platz belegt, kritisiert der Saarländische Lehrerinnen- und Lehrerverband (SLLV) die Untersuchung. Die Ergebnisse spiegelten „keinesfalls die Wirklichkeit der Bildungslandschaft im Saarland“ wider.

Die arbeitgebernahe Lobbyorganisation Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) hatte am Donnerstag die von ihr beim Institut der Deutschen Wirtschaft in Auftrag gegebene Studie veröffentlicht. Darin wird dem Saarland eine besonders gute Entwicklung in den vergangenen sechs Jahren attestiert.

Unterschiedliche Voraussetzungen

„Das Saarland hat sich zwar rechnerisch deutlich seit 2013 von Platz 15 auf Platz vier verbessert“, sagte dazu die Vorsitzende des SLLV, Lisa Brausch. „Bei einem genaueren Betrachten der einzelnen Bereiche stellt man aber fest, dass eine direkte Vergleichbarkeit der einzelnen Bundesländer nicht gegeben ist.“ Grund dafür seien die unterschiedlichen Voraussetzungen aufgrund der Länderhoheit beim Thema Bildung. „So wird beispielsweise im Saarland, aufgrund der geänderten Zeugnis- und Versetzungsordnung, in den Grundschulen eine erste Versetzungsentscheidung erst in Klassenstufe 3 getroffen. In den Gemeinschaftsschulen können Schülerinnen und Schüler erstmals in Klasse 8 ‚sitzen bleiben‘. Hierdurch verringert sich selbstverständlich die Quote der Wiederholer.“

Entlastung der Lehrer gefordert

Die Abkopplung der Bildungschancen von der Herkunft der Kinder, die ebenfalls positiv erwähnt wurden, sind nach Ansicht des SLLV hauptsächlich auf das überaus große Engagement der Lehrer zurückzuführen. Diese bügelten viele Schwachstellen in den Schulen aus, ihre Entlastung sei längst überfällig. Brausch wies außerdem darauf hin, dass die INSM, die den „Bildungsmonitor“ veröffentlicht hat, die Bildungssysteme der Länder vor dem Hintergrund von Arbeitgeberinteressen analysiert und nicht unter allgemeinen Gesichtspunkten.

Über dieses Thema wurde auch in den SR-Hörfunknachrichten vom 16.08.2019 berichtet.

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