Professor Thorsten Lehr (Foto: picture alliance/dpa | Iris Maria Maurer)

Lehr: Impfungen und Lockdown wirken

  15.06.2021 | 13:11 Uhr

Bundesweit, im Saarland und auch bei den Nachbarn in Frankreich und Luxemburg sinken die Infektionszahlen. Für Prof. Thorsten Lehr von der Saar-Uni ist das keine Überraschung. Von der Delta-Mutante, die sich gerade in Großbritannien ausbreitet, erwartet er für Deutschland keine große Infektionswelle.

„Wir haben da drei Effekte, die eine Rolle spielen“, begründet Thorsten Lehr seine Einschätzung, warum die Corona-Infektionszahlen und damit auch die 7-Tage-Inzidenzen so stark rückläufig sind. „Wir hatten einen sehr massiven Lockdown, das dürfen wir nicht vergessen. Dieser Lockdown hat wirklich sehr stark gewirkt“, ist sich der Professor für Klinische Pharmazie an der Universität des Saarlandes sicher. Auch die Ausgangssperren hätten ihren Effekt gezeigt.

Zweitimpfungen hilfreich

Dr. Thorsten Lehr: Es wird zu einer gewissen Stagnation der Fälle kommen"
Audio [SR 3, Interview: Carmen Bachmann, 15.06.2021, Länge: 03:35 Min.]
Dr. Thorsten Lehr: Es wird zu einer gewissen Stagnation der Fälle kommen"

Der zweite Grund: die Impfungen. Besonders seit Mitte Mai habe sich das sehr bemerkbar gemacht, „und das ist einer der Knackpunkte, von denen wir gerade profitieren“. Vor allem bei den Zweitimpfungen sei es sehr stark voran gegangen. „Die Erstimpfungen waren die ganze Zeit schon gut, aber jetzt sind es wirklich die Zweitimpfungen, die uns helfen.“

Und schließlich: das Wetter. „Das hilft uns natürlich auch noch“, so Lehr im SR3-Interview. „Das zieht jetzt auch noch am selben Strang in die richtige Richtung. Das heißt, diese drei Faktoren sind die, die uns momentan in die Hände spielen.“

Kein Anstieg durch Saarlandmodell

Dass das Saarland derzeit mit einer Inzidenz von 20,5 deutlich über dem Bundesdurchschnitt (15,5) liegt, ist für Lehr kein Grund zur Sorge. „Die sind jetzt alle auf sehr niedrigem Niveau, glaube ich“, so der Professor. Vor allem in kleinen Bundesländern wie dem Saarland sehe man oft, dass kleine Events dann auch stärkeren Einfluss haben. „Das würde ich für den Moment nicht überbewerten.“

Ob die aktuell höhere Inzidenz auf das Saarlandmodell zurückzuführen sei, lasse sich nicht so einfach sagen, so Lehr weiter. Man sehe bei den Corona-Fallzahlen jetzt eine gewisse Stagnation, was aber bei den anstehenden Lockerungen auch zu erwarten sei. „Das ist ein bisschen wie beim Tauziehen: Durch das Öffnen zieht der Eine in die eine Richtungen, und die Impfungen ziehen in die andere. Und wir müssen gucken, dass sich das in etwa die Waage hält.“

Deltavariante: Lehr rechnet nur mit „Miniwelle“

In Großbritannien hatte Premierminister Boris Johnson am Montag angekündigt, die für das Land geplanten Lockerungen der Corona-Maßnahmen auf den 19. Juli zu verschieben. Als Grund nannte er die sich ausbreitende Deltavariante. Professor Lehr sagte dazu, dass diese auch als indische Mutante bezeichnete Variation in Großbritannien schon zu 90 Prozent verbreitet sei und die Fallzahlen „relativ rapide“ anstiegen.

„Das könnte hier in Deutschland und auch im Saarland auch noch passieren“, so Lehr. „Momentan sind die Zahlen aber sehr niedrig, da bewegen wir uns ungefähr auf einem Zwei-Prozent-Niveau.“ Bis wann sich die Mutation im Saarland ausbreite, sei schwer vorauszusagen, das hänge von den Infektionszahlen ab.

Lehr rechnet jedoch nur mit einer kleinen Welle, die zwar wahrgenommen wird, aber nicht zu einem erneuten, großflächigen Lockdown führt. „Ich glaube nicht, dass diese Miniwelle wirklich zu Maßnahmen führt, wie wir sie bisher hatten.“ Man müsse sich allerdings darauf einstellen, lokalen Hotspots bei Bedarf mit verschärften Maßnahmen entgegen zu wirken.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten vom 15.06.2021 berichtet.

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