Laboruntersuchung von Milchprodukten im Labor (Foto: dpa/Ingo Wagner)

Jede dritte Lebensmittelkontrolle fällt aus

  11.12.2019 | 16:28 Uhr

Im Saarland fällt etwa jede dritte vorgeschriebene Lebensmittelkontrolle aus. Insgesamt fanden über 3400 geplante Routinekontrollen nicht statt.

Gerade einmal 68 Prozent der vorgeschriebenen Lebensmittelkontrollen wurden 2018 im Saarland durchgeführt. Das hat das saarländische Verbraucherschutzministerium dem SR auf Anfrage mitgeteilt und damit das Ergebnis einer Befragung der Verbraucherschutzorganisation Foodwatch bestätigt.

Nur 68 Prozent der geplanten Lebensmittelkontrollen haben stattgefunden
Audio [SR 3, Axel Wagner, 11.12.2019, Länge: 00:54 Min.]
Nur 68 Prozent der geplanten Lebensmittelkontrollen haben stattgefunden

Über 3400 Kontrollen ausgefallen

Vorgesehen waren für 2018 im Saarland nach Ministeriumsangaben rund 11.000 Kontrollen, ausgewählt auf Basis einer Risikobewertung der gemeldeten Betriebe. Durch das risikoorientierte Kontrollsystem sei gewährleistet, dass entsprechend gefährdete Betriebe engmaschig und oft auch mehrmals pro Jahr kontrolliert würden. Tatsächlich stattgefunden haben von diesen 11.000 Plankontrollen aber nur 7591.

Risikofirmen öfter kontrolliert

Zur Begründung für die Ausfälle nennt das Ministerium die Risikobewertung. Die Mehrfachkontrollen bei Risiko-Betrieben gingen zulasten von Betrieben mit niedrigem Risiko. Dazu zählt das Ministerium Schankwirtschaften, Einzelhändler und Discounter ohne Frische Fleisch- und Wurstwaren. Der Aktionsbereich dieser Betriebe, so das Ministerium, berge „so gut wie kein Gefahrenpotential für den Verbraucher“.

Ausfälle wegen Personalmangel

Foodwatch war bei seiner Erhebung zu dem Ergebnis gekommen, dass im vergangenen Jahr bundesweit 250.000 Kontrollen nicht wie geplant durchgeführt werden konnten. Als Grund nannten die Lebensmittelkontrolleure Personalmangel.

Mehr als 50 Ämter in Deutschland schafften den Umfrageergebnissen zufolge nicht einmal die Hälfte der vorgegebenen Kontrollbesuche. Besonders eklatant seien die Behörden in Berlin und Bremen unterbesetzt. Dort seien mehr als die Hälfte der vorgesehenen Betriebsbesuche ausgefallen.

„Die Behörden verstoßen damit massiv gegen die Vorgaben, die den Schutz der Verbraucherinnen und Verbraucher sicherstellen sollen“, zitierten „Welt“ und Bayerischer Rundfunk den Foodwatch-Geschäftsführer Martin Rücker. Das von Bund und Ländern angestrebte Verbraucherschutzniveau werde systematisch verfehlt. Dies führe auch zu Wettbewerbsnachteilen für sauber arbeitende Betriebe.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 11.12.2019 berichtet.

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