Dr. Karl Lauterbach (Foto: picture alliance/dpa | Bernd von Jutrczenka)

Doch keine freiwillige Isolation ab 1. Mai

  06.04.2022 | 14:22 Uhr

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hat sich nach scharfer Kritik nun gegen freiwillige Isolation von Corona-Infizierten ausgesprochen. Die Regelung, die eigentlich ab 1. Mai gelten sollte, werde er "zurücknehmen". Saar-Gesundheitsministerin Bachmann kritisierte den "Zick-Zack-Kurs".

"Die Beendigung der Anordnung der Isolation nach Coronainfektion durch die Gesundheitsämter zugunsten von Freiwilligkeit wäre falsch und wird nicht kommen", schrieb Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach am Dienstagabend auf Twitter. "Das entlastet zwar die Gesundheitsämter. Aber das Signal ist falsch und schädlich."

Lauterbach fügte am Mittwoch hinzu: "Das war ein Fehler, für den ich persönlich verantwortlich bin." Es gebe nach wie vor zu viele Todesfälle durch Corona, und auch Long-Covid sei weiterhin ein großes Problem. "Corona ist keine Erkältung. Daher muss es weiter eine Isolation nach Infektion geben. Angeordnet und kontrolliert durch die Gesundheitsämter."

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Ankündigung in TV-Sendung

Lauterbach hatte in der ZDF-Talkshow "Markus Lanz" die Kehrtwende angekündigt. Die Regelung werde er "wieder einkassieren", sagte er. Zwar hätten die Gesundheitsämter die Freiwilligkeit gefordert - Lauterbach sehe nun jedoch ein, dass es ein "verheerendes Signal" wäre, wenn ein Infizierter "selbst entscheidet, ob er zuhause bleibt oder nicht".

Für Kontaktpersonen nur freiwillige Quarantäne

Die Gesundheitsämter sollten demnach auch nach dem 1. Mai weiter Isolationsbescheide ausstellen - obwohl "das nicht kontrolliert werden kann" und die Gesundheitsämter ohne den bürokratischen Aufwand "mehr Zeit hätten, was anderes zu machen", wie Lauterbach betonte.

Bei den Menschen sei jedoch angekommen, er halte Corona jetzt für "harmlos". Dies "schadet mehr", als an den in der Praxis obsoleten Isolationsbescheiden festzuhalten, erklärte der Minister.

Bei der Quarantäne von Kontaktpersonen solle die Freiwilligkeit hingegen erhalten bleiben. Bei ihnen gebe es nur noch eine dringende Empfehlung, sich fünf Tage zu isolieren, so Lauterbach. Das werde die Gesundheitsämter entlasten.

Viel Kritik nach Ankündigung

Die Gesundheitsminister von Bund und Ländern hatten sich am Montag darauf geeinigt, dass sich Corona-Infizierte ab dem 1. Mai nicht mehr verpflichtend in Isolation begeben. Die neuen Quarantäne- und Isolationsregeln sollten dann allesamt auf "Freiwilligkeit" beruhen.

An der Neuregelung hatte es scharfe Kritik von der Opposition und Sozialverbänden gegeben. Auch das saarländische Gesundheitsministerium übte Kritik, weil zu viel Fragen offen seien. Am Mittwoch legte Ministerin Monika Bachmann (CDU) nach: Der "Zick-Zack-Kurs" koste Vertrauen in die Maßnahmen und die Arbeit der Politik.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 06.04.2022 berichtet.

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