Das große Logo von Ford, das auf dem Parkplatz des Werks Saarlouis steht, mit einem Durchfahrt Verboten Schild davor. (Foto: picture alliance/dpa | Oliver Dietze)

IG Metall sieht viele offene Fragen rund um Ford-Zukunft

  07.09.2022 | 11:11 Uhr

Nach der Einigung auf einen Rahmen zur weiteren Nutzung des Ford-Betriebsgeländes in Saarlouis kritisiert die IG Metall, dass es noch viele offene Fragen gibt. Die Gewerkschaft fordert ein Konzept, das die mehr als 6000 Arbeitsplätze nachhaltig absichert und will den Autobauer nicht aus der Verantwortung lassen.

Nachdem sich der Ford-Konzern im Bieterwettstreit mit dem spanischen Werk in Valencia gegen den saarländischen Standort in Saarlouis entschieden hatte, war lange unklar, wie die Zukunft der mehr als 6000 Mitarbeiter aussieht. Am Dienstag nun ein kleiner Hoffnungsschimmer: Das Saarland hat sich mit dem Autobauer auf einen Rahmen zur weiteren Nutzung des Betriebsgeländes in Saarlouis geeinigt.

Desgranges: Keine wasserdichte Grundlage

Dass dies eine ausreichende Grundlage ist, um neue Investoren auf das Gelände zu holen, bezweifelt Lars Desgranges, der erste Bevollmächtigte der Gewerkschaft IG Metall. „Wasserdicht ist diese Grundlage meines Erachtens zum jetzigen Zeitpunkt keineswegs.“

Video [aktueller bericht, 07.09.2022, Länge: 2:15 Min.]
Betriebsrat sieht Ford weiterhin in der Pflicht

Wasserdicht werde sie erst, wenn man tatsächlich einen Investor habe, der bereit sei, hier entsprechend zu investieren und auch eine gewaltige Menge an Arbeitsplätzen mit ausreichender Qualität und Quantität zur Verfügung zu stellen. „Bislang höre ich zwar öfter das Wort Investor. Aber ich glaube, das sind bis zum heutigen Zeitpunkt eher Interessenten anstatt Investoren“, so Desgranges im SR-Interview.

"Viele offene Fragen"

Der Gewerkschafter kritisiert zudem die vielen offenen Fragen, die die Landesregierung am Dienstag schuldig geblieben ist. „Wir wissen nicht, wer die Investoren sind, was die Investoren zu bieten haben und wie nachhaltig deren Konzepte sind.“ Unklar sei außerdem, wie viele Arbeitsplätze da hintendran stünden und wie es um die Qualität dieser Arbeitsplätze stehe.

Lars Desgranges: "Es gibt viele offene Fragen"
Audio [SR 3, Michael Friemel, 07.09.2022, Länge: 03:26 Min.]
Lars Desgranges: "Es gibt viele offene Fragen"

IG Metall sieht Ford in der Verantwortung

Die IG Metall fordert deshalb ein Konzept für den saarländischen Standort, das die 6000 Arbeitsplätze nachhaltig absichert und spricht sich dafür aus, Ford nicht aus der Verantwortung zu lassen. „Ford hat uns diese Suppe hier eingebrockt. Deshalb sollten wir diese Gangart gegenüber der Belegschaft nicht noch durch das Land belohnen lassen.“

Parallel bereitet sich die IG Metall auf alle möglichen Szenarien vor, falls es keine oder nur eine unzureichende Lösung von Ford geben wird. „Wir beraten alle gewerkschaftlichen Möglichkeiten, die uns zur Verfügung stehen“, so Desgranges. Ein Streik oder Arbeitsausstand wäre allerdings der letzte Aspekt der Überlegungen.

Das Ganze werde in enger Abstimmung mit dem Betriebsrat begleitet, der sich ebenfalls enorm dafür einsetze, dass sich Ford hier nicht aus der Verantwortung stehle, indem einfach nur ein Investor gefunden werde. „Wir haben eine Erwartungshaltung an Ford, dass auch Ford eine Verwendung für diesen Standort in einer gewissen Größenordnung darbietet und da lassen wir die Herren aus Köln auch nicht aus der Pflicht“, so Desgranges.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 07.09.2022 berichtet.

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