Ein Kinderarzt impft ein Kind (Foto: picture alliance/Julian Stratenschulte/dpa)

Fraktionen mahnen zur Vorsicht bei Kinderimpfungen

  12.05.2021 | 11:40 Uhr

Nachdem Kinderärzte und die Ständige Impfkommission (STIKO) sich gegen übereilte Impfpläne für Kinder und Jugendliche ausgesprochen hatten, mahnten auch im Landtag Vertreter verschiedener Parteien zur Vorsicht. Weitgehend Einigkeit besteht darin, dass zunächst die STIKO-Empfehlung abgewartet werden soll, bevor man solche Impfungen durchführt.

Die Linksfraktion hatte zum Auftakt der Landtagssitzung am Mittwoch eine Aussprache in Sachen „Impfungen für Kinder und Jugendliche“ beantragt. Denn Kinderärzte hatten zuletzt vor übereilten Impfplänen für Kinder ab zwölf Jahren gewarnt.

Landtag debattiert über Impfung von Kindern
Video [SR Fernsehen, (c) SR, 12.05.2021, Länge: 02:53 Min.]
Landtag debattiert über Impfung von Kindern

SPD: Grundrechte nicht an Impfung koppeln

Im Landtag mahnten Vertreter von CDU, SPD, Linken und AfD nun zur Zurückhaltung im Hinblick auf Pläne für Kinderimpfungen.

Impfungen von Kindern: "Unabdingbar wird die Empfehlung der STIKO sein"
Audio [SR 3, Florian Mayer, 12.05.2021, Länge: 02:46 Min.]
Impfungen von Kindern: "Unabdingbar wird die Empfehlung der STIKO sein"

Die SPD-Abgeordnete Martina Holzner machte deutlich, dass zunächst weitere Informationen und eine Empfehlung der STIKO vorliegen müssten. Vorher könne kein Konzept zur Impfung von Kindern und Jugendlichen entwickelt werden. Die stellvertretende Fraktionschefin der SPD, Petra Berg, sieht ein Impfangebot für Kinder generell positiv, betonte aber, dass die Grundrechte gerade von Kindern und Jugendlichen nicht von der Impfung abhängen dürften.

Auch Vertreter der CDU betonten, man wolle die STIKO abwarten. Der Abgeordnete Alwin Theobald sagte: "Wir werden keinen Impfstoff an Kinder verimpfen, für den es keine ausdrückliche Empfehlung der STIKO gibt." Auch Hermann Josef Scharf (CDU) mahnte: "Ich kann nur empfehlen: Warten wir erst einmal die Studien ab."

Linke: Studienlage zu gering

Der Vorsitzende der Linksfraktion im Landtag, Oskar Lafontaine, sagte, es lägen noch nicht ausreichend wissenschaftliche Erkenntnisse vor, wie der Impfstoff bei Kindern und Jugendlichen wirke. Lafontaine forderte zudem eine strenge Einhaltung der Impf-Priorisierung im Saarland. Es sollten zunächst die besonders vulnerablen Gruppen – vor allem alte Menschen – durchgeimpft werden.

Der Fraktionsvorsitzende der AfD, Josef Dörr, sprach sich strikt dagegen aus, Kinder ohne ausreichende medizinische Erkenntnisse zu impfen.

Ministerium hält an Strategie fest

Gesundheitsministerin Monika Bachmann (CDU) hält an ihrem Vorhaben fest, so schnell wie möglich Kinder und Jugendliche zu impfen. Bis spätestens August solle allen Kindern und Jugendlichen im Saarland ein Impfangebot gemacht werden können, kündigte sie an. Alles unter der Voraussetzung, dass die Europäische Arzneimittel-Agentur Impfstoffe für Kinder freigibt.

Am 18. Mai will sie einen Runden Tisch zum Thema Impfstrategie von Kindern und Jugendlichen veranstalten. Laut Bachmann werden daran unter anderem die Kinder- und Jugendärzte, das Bildungsministerium, die Schulträger und verschiedene Verbände teilnehmen. 

STIKO gibt keine schnelle Empfehlung

Weil der Hersteller Biontech/Pfizer kurz davon steht, in der EU eine Zulassung seines Impfstoffs für Kinder ab zwölf Jahren zu bekommen, hatte das saarländische Gesundheitsministerium vor kurzem angekündigt, ein Konzept zu erarbeiten, um zeitnah zur Zulassung des Impfstoffes für Kinder mit der Verimpfung starten zu können.

Der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission, Thomas Mertens, mahnte am Mittwoch aber zur Geduld. Im Moment habe man noch keine detaillierten Daten der Impfstudie bei Kindern. Diese müssten erst genau geprüft werden, bevor eine generelle Impfempfehlung für Kinder gegeben werden könne. Eine Empfehlung der STIKO werde daher noch dauern.

Der Berufsverband der Kinderärzte hatte erklärt, Kinder und Jugendliche sollten erst dann geimpft werden, wenn es eine Empfehlung der STIKO gebe. Außerdem dürfte die Impfung nicht zur Bedingung für den Schulbesuch werden.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 12.05.2021 berichtet.

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