Ein Landarzt im Einsatz (Foto: picture alliance/Armin Weigel/dpa)

Landtag einstimmig für Landarztquote

Florian Mayer / Thomas Braun   12.02.2020 | 15:44 Uhr

Der saarländische Landtag hat am Mittwoch in erster Lesung dem Gesetz zur Einführung einer sogenannten Landarztquote einstimmig zugestimmt. Es gibt allerdings Zweifel, ob damit alleine der Ärztemangel auf dem Land tatsächlich behoben wird.

Leichter an einen Medizinstudienplatz kommen, dafür nach dem Abschluss für zehn Jahre als Hausarzt auf dem Land arbeiten: Das ist der grundlegende Deal im saarländischen Landarztgesetz, das CDU-Gesundheitsministerin Monika Bachmann am Mittwoch im Landtag eingebracht hat. Bachmann will damit der in den kommenden Jahren drohenden Unterversorgung an Hausärzten entgegenwirken. Dass diese durchaus droht, machte CDU-Parteikollege Raphael Schäfer an Zahlen deutlich: Fast 40 Prozent der Hausärzte seien über 60 Jahre alt.

Das aufzufangen, werde das neue Gesetz alleine zwar nicht schaffen, sagte Astrid Schramm von den Linken. Trotzdem stimme ihre Fraktion dem Gesetz zu. Vor allem, weil damit in Teilen die Abiturnote nicht mehr allein maßgebend für einen Studienplatz sein wird. Magnus Jung (SPD) betonte, dass der Hausarzt für viele Menschen die wichtigste Bezugsperson in Sachen Gesundheit sei. Der drohenden Unterversorgung entgegenzuwirken, gehöre daher zur politischen Pflichtaufgabe.

Marburger Bund kritisiert Landarztquote

Aus Sicht der Ärztegewerkschaft Marburger Bund wird mit der Landarztquote der drohende Hausarztmangel in ländlichen Regionen aber nicht gelöst. Sie greife nicht schnell genug und greife zu sehr in die freie Berufswahl von Ärzten ein. Es sei lebensfremd, von jungen Menschen zu erwarten, dass sie sich bereits zum Beginn einer sowieso schon 12- bis 15-jährigen Ausbildung noch für weitere zehn darauffolgende Jahre vertraglich binden sollten. Langfristige Programme, die auf "Zwang und Strafzahlungen ausgelegt sind", könnten nicht die Lösung sein. "Wir brauchen vielmehr mehr Studienplätze", sagte der 1. Vorsitzende des Marburger Bundes Saarland, Gregg Frost.

Grüne und Barmer: Mehr Angestelltenverhältnisse für Ärzte nötig

Auch die Barmer-Krankenkasse sieht das Gesetz kritisch. Sie geht davon aus, dass die Landarztquote zwar langfristig durchaus ein wichtiger Baustein gegen Ärztemangel auf dem Land sein kann, kurzfristig löse das Gesetz die bereits jetzt bestehenden Probleme aber nicht. Die Krankenkasse plädiert stattdessen dafür, mehr Ärzten einen Wechsel in ein Angestelltenverhältnis zu ermöglichen - auch um eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu ermöglichen. Dafür sollten die Kassenärztliche Vereinigung verstärkt Praxen betreiben und Ärzte einstellen - ein Modell, wie es bereits in mehreren Bundesländern praktiziert werde.

Ähnlich argumentieren auch die saarländischen Grünen. Das Modell des "rund-um-die-Uhr arbeitenden Hausarztes, der immer erreichbar ist", funktioniere nicht mehr. Sie plädieren ebenfalls für mehr Möglichkeiten, als angestellter Arzt zu arbeiten. Zudem sollten sich Ärzte und andere Gesundheitsberufe auf Augenhöhe begegnen. "Nicht jede medizinische Leistung muss ärztlich erbracht werden", sagte der Grünen-Landesvorsitzende Markus Tressel.

Der Sozialverband VdK lobte den Gesetzentwurf als richtigen Weg, sieht aber auch, dass damit das Problem alleine nicht gelöst werden könne. Er spricht sich für die aktive Förderung von Gesundheitszentren aus, in den angestellte Ärzte gemeinsam mit Pflegedienste und Therapeuten unter einem Dach arbeiten könnten.

Über dieses Thema berichteten die SR-Hörfunknachrichten am 12.02.2020.

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja