Arzttasche vom Landarzt (Foto: picture alliance/Oliver Berg/dpa)

22 Studienplätze für Landärzte geplant

Axel Wagner   11.02.2020 | 15:41 Uhr

Im Kampf gegen den drohenden Hausärztemangel im Saarland will die Landesregierung eine Landarztquote für Medizinstudenten einführen. Am Mittwoch soll der Gesetzentwurf dafür Thema im Landtag sein.

Mit der Landarztquote will Gesundheitsministerin Monika Bachmann (CDU) erreichen, dass mehr Medizinstudenten nach dem Studium als Hausärzte im Saarland bleiben. Rund 22 Medizin-Studienplätze (7,8 Prozent aller Plätze) sind ab dem Wintersemester 2020/21 dafür reserviert. Wer einen dieser Plätze ergattern möchte, muss sich verpflichten, im ländlichen Raum zu arbeiten.

Video [aktueller bericht, 11.02.2020, Länge: 2:52 Min.]
Landarztquote gegen Ärztemangel auf dem Land

83 Hausarztsitze unbesetzt

Der Gesetzesvorstoß "Landarztquote"
Audio [SR 3, Steffani Balle, 11.02.2020, Länge: 03:06 Min.]
Der Gesetzesvorstoß "Landarztquote"

Das Saarland steuere bereits jetzt auf einen beunruhigenden Trend zu, sagte Bachmann bei der Vorstellung des Gesetzentwurfes am Dienstag. „Viele Hausärztinnen und Hausärzte sind über 55 Jahre, sodass heute schon klar ist, dass wir Nachwuchs für die Praxen brauchen.“

Von den rund 665 niedergelassenen Hausärzten im Saarland haben fast 38 Prozent das 60. Lebensjahr überschritten. Im vergangenen Jahr sind 23 Hausärzte in den Ruhestand gegangen, nur 16 neue kamen hinzu. Schon jetzt könnten im Saarland 83 Hausärzte eine Praxis eröffnen. In Wadern gibt es bereits jetzt zu wenig Allgemeinmediziner, in Lebach droht die Unterversorgung. Mit der geplanten Landarztquote zielt Bachmann aber vor allem auf die Entwicklung in den kommenden Jahren ab. Schon jetzt gebe es Anrufe von Interessierten, so die Ministerin gegenüber dem SR.

Aufwendiges Auswahlverfahren

Vergeben werden die reservierten Studienplätze nach Abiturnote, Berufsausbildung, praktischen Vorkenntnissen und einem Auswahlgespräch. Dabei ist die Abiturnote weniger ausschlaggebend als vielmehr eine praxisnahe Ausbildung. Bewerber, die sich nach dem Studium doch anders entscheiden und nicht im Saarland arbeiten wollen, müssen die Studienkosten in Höhe von 250.000 Euro zurückzahlen. Dies gilt auch, wenn das Studium nicht abgeschlossen oder eine fachärztliche Weiterbildung nicht wahrgenommen wird. Die Ministerin sagte bei der Landespressekonferenz auf Nachfrage, das Ministerium könne im Einzelfall aber auch von diesen Strafen absehen, etwa wenn der Student aufgrund einer Erkrankung nicht weitermachen kann.

Ergänzt wird das Programm mit Stipendien für das Studium. Wer den ersten Abschnitt der ärztlichen Prüfung in Humanmedizin bestanden hat und bereits seit zwei Jahren an der Saar-Uni in diesem Fach eingeschrieben ist, kann ab dem dritten Studienjahr 300 Euro pro Monat bekommen. Voraussetzung ist, dass man innerhalb von sechs Monaten die Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin beginnt und nach dem Studium mindestens fünf Jahre lang als Hausarzt im Saarland tätig ist. Auch Praxisübernahmen und -neugründungen werden finanziell gefördert.

Über dieses Thema hat auch „aktuell“ im SR Fernsehen vom 11.02.2020 berichtet.

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja