Oskar Lafontaine und Sahra Wagenknecht (Foto: picture alliance/Britta Pedersen/ZB/dpa)

"Aufstehen": Nicht mehr führen, aber unterstützen

mit Informationen von Kai Forst, der dpa und der AFP   10.03.2019 | 21:49 Uhr

Sie hatte die Sammlungsbewegung "Aufstehen" vergangenes Jahr ins Leben gerufen und ihr ein Gesicht gegeben: Sahra Wagenknecht. Nun will sich die 49-Jährige von der Spitze zurückziehen. Unterstützen will sie die Bewegung aber weiterhin - genauso wie ihr Mann Oskar Lafontaine.

Oskar Lafontaine wird die Linke Sammelbewegung "Aufstehen" auch nach dem Rückzug seiner Ehefrau Sahra Wagenknecht unterstützen. Der Fraktionschef der Linken im saarländischen Landtag stehe auch weiterhin für Veranstaltungen zur Verfügung, teilte ein Parteisprecher dem SR mit. Im Gegensatz zu seiner Frau sei Lafontaine in keinem Führungsgremium vertreten. Er gehöre aber zum Kreis der über 80 Initiatoren aus Wissenschaft, Kunst und Politik.

Wagenknecht: "Parteipolitiker sollten sich zurücknehmen"

Wagenknecht hatte am Samstag erklärt, sich aus der Führungsspitze von „Aufstehen“ zurückzuziehen. "Wir brauchen eine Neuaufstellung an der Spitze von 'Aufstehen'", sagte Wagenknecht der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" (FAS). "Die Parteipolitiker sollten sich zurücknehmen, das betrifft auch mich selbst. Sie waren mit ihren Erfahrungen anfangs notwendig. Aber jetzt ist es richtig, Verantwortung abzugeben."

Unterstützen will sie die Bewegung aber weiterhin, etwa durch öffentliche Auftritte. "Aber ich muss auch sehen, welches Arbeitspensum ich schaffe. Dass ich jetzt zwei Monate krankheitsbedingt ausgefallen bin, hatte auch mit dem extremen Stress der letzten Jahre zu tun", sagte Wagenknecht der FAS. Die Linken-Fraktionschefin gestand auch Fehleinschätzungen ein. "Die Parteien, die wir ansprechen wollten, haben sich eingemauert."

Keine Kandidatur bei Europawahl

Wagenknecht hatte die Bewegung zusammen mit ihrem Ehemann Oskar Lafontaine gegründet, um linke Wähler zu erreichen, die sich von den klassischen Parteien abgewendet haben. In ihrer eigenen Partei und Bundestagsfraktion stieß Wagenknecht damit auf viel Ablehnung. Die Spitzen von SPD und Grünen reagierten ebenfalls skeptisch.

"Aufstehen" war Anfang September gestartet und zählt heute nach eigenen Angaben rund 170.000 Unterstützer. Bei der Europawahl will die Sammlungsbewegung nicht antreten, "weil wir keine Aufspaltung des linken Lagers wollen", sagte Lafontaine der "Bild am Sonntag".

Über dieses Thema wurde auch in "aktuell" im SR Fernsehen vom 10.03.2019 berichtet.

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