Oskar Lafontaine (Foto: Felix Schneider/SR)

Lafontaine verteidigt Landtags-Rede zu Impfungen

Thomas Braun   07.12.2021 | 18:55 Uhr

Nach der hitzigen Debatte im saarländischen Landtag rund um das Thema Covid-Impfungen hat Linken-Fraktionschef Lafontaine die Rückkehr zu einer sachlichen Debatte angemahnt. Er betont erneut, dass man Ängste ungeimpfter Personen respektieren sollte. In seiner Argumentation gibt er zentrale Informationen des RKI allerdings verkürzt wieder.

Mit seiner Rede vergangene Woche im Landtag zum Thema Impfungen hat Linken-Fraktionschef Oskar Lafontaine für viel Wirbel gesorgt. Tausendfach wurde sein Redebeitrag in den sozialen Netzwerken geteilt und kommentiert. Gleichzeitig sah sich einer seiner schärfsten Kritiker in der Landtags-Debatte, SPD-Fraktionschef Ulrich Commerçon, mit einem Shitstorm konfrontiert.

Lafontaine verurteilt Hasskommentare

Lafontaine verurteilte die Hetzkampagne gegen Commerçon. "Hasskommentare stehen zu Recht unter Strafe und anonyme Beschimpfungen und Beleidigungen sind feige", so Lafontaine. Er forderte Commerçons Kritiker, aber auch die Landtagsfraktionen zu einer fairen und sachlichen Diskussion auf.

Gleichzeitig warf Lafontaine Commerçon "Lüge und billige Polemik", da dieser ihm angekreidet hatte, als selbst geimpfte Person andere vor der Impfung zu warnen. Er habe lediglich erklärt, dass er sich als 30-Jähriger derzeit selbst nicht impfen lassen würde, gleichzeitig setze er sich aber dafür ein, dass sich Ältere und Vorerkrankte impfen lassen sollten.

Ängste der Menschen ernst nehmen

Lafontaine wirbt zudem dafür, mögliche Ängste der Menschen, die sich noch nicht für eine Impfung entschieden haben, ernst zu nehmen. So fordert er zum Beispiel die Zulassung "klassischer Impfstoffe", damit auch Menschen, die kein Vertrauen in die genbasierten Vakzine haben, eine Impfung erhalten können.

Derzeit ist aber noch unklar, wann die ersten Totimpfstoffe in Europa zugelassen werden und in welchen Mengen sie verfügbar sein werden. Was die verschiedenen Impfstoffe voneinander unterscheidet, erklärt der BR hier in einem Hintergrundbeitrag.

Lafontaine gegen Impfpflicht

Eine Impfpflicht, die derzeit diskutiert wird, lehnt Lafontaine strikt ab. Er halte es für "unredlich", das wichtigste Argument der bislang Ungeimpften zu unterschlagen: die Angst vor Spätfolgen.

Lafontaine beruft sich dabei auf das im Frühsommer vom Robert-Koch-Institut veröffentlichte "Impfbuch für alle". Darin heißt es unter anderem, dass man bei einer erst seit wenigen Monaten verabreichten Impfung noch nicht wissen könne, "ob und welche Spätfolgen nach ein paar Jahren auftauchen."

Lafontaine lässt wichtige Einordung weg

Die in dem Buch direkt darauffolgende Einordnung dieser Aussage lässt Lafontaine dann aber seinerseits in seiner Stellungnahme weg. "Die Erfahrungen mit vielen Impfstoffen über viele Jahre haben gezeigt, dass die meisten schädlichen Auswirkungen einer Impfung bereits kurze Zeit nach der Impfung auftreten", heißt es im Impfbuch weiter. Und gerade bei den Covid-Impfungen, die weltweit mittlerweile milliardenfach verabreicht wurden, gehen Experten davon aus, dass es äußerst unwahrscheinlich sei, dass noch unentdeckte Nebenwirkungen auftreten.

Schon kurz nach der Zulassung der Impfstoffe hatte auch die Saarbrücker Professorin für pharmazeutische Biologie, Alexandra K. Kiemer, betont, dass sie keine "relevante Gefahr für schädigende Langzeitfolgen" sehe, da der Wirkstoff im Körper schnell abgebaut werde.

Von anderen Impfungen - etwa gegen Grippe oder HPV - sind laut RKI einige sehr seltene mögliche Ausnahmefälle bekannt. Im "Impfbuch für alle" wird hierzu auf das Guillain-Barré-Syndrom verwiesen. Diese Erkrankung sei aber auch nach einer Infektion mit dem Erreger möglich, gegen die die Impfung eigentlich schützen soll.

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja