Janek Böffel (Foto: SR/Pasquale D'Angiolillo)

"Anfang vom Abschied Lafontaines aus Politik"

Janek Böffel   27.09.2021 | 16:16 Uhr

Oskar Lafontaine will bei der kommenden Landtagswahl im Saarland nicht mehr antreten. Für den Linken-Politiker ist es der Anfang vom Abschied aus der aktiven Politik, findet SR-Landespolitikredakteur Janek Böffel in seinem Kommentar.

Nein, das ist nicht der Rücktritt von Oskar Lafontaine. Und Schweigen wird einer wie er ohnehin nicht, zu groß seine Gefolgschaft im Netz. Aber es könnte der Anfang vom Ende der politischen Karriere Lafontaines sein - einer gut 50-Jährigen Karriere voll von Widersprüchen, Brüchen, Glanzlichtern, Tiefpunkten und Wunden, im wortwörtlichen und übertragenen Sinne.

"Anfang vom Abschied Lafontaines aus Politik"
Audio [SR 3, Janek Böffel, 27.09.2021, Länge: 02:09 Min.]
"Anfang vom Abschied Lafontaines aus Politik"

Es ist der Anfang vom Abschied Lafontaines aus der aktiven Politik. Anders kann man das nicht deuten. Spekulationen über ein neues Parteiprojekt, eine neue Liste, es ist nichts ausgeschlossen, bei Lafontaine schon gar nicht. Aber erinnert sich noch jemand an Aufstehen? Lafontaines Sammelbewegung, von der kaum mehr als ein E-Mail-Verteiler übrig ist.

Zerrieben zwischen Ego und Partei

Es verströmt eine große Tragik, dass das wahrscheinlich Lafontaines letztes großes politisches Projekt sein wird. Das und der schmutzstarrende Streit mit Linken-Landeschef Thomas Lutze, der letztendlich zu Lafontaines Ankündigung geführt hat, nicht mehr zu kandidieren.

Einer der, wenn nicht vielleicht der bedeutendste Politiker, den das Saarland hervorgebracht hat, zerrieben zwischen eigenem Ego und den Clanstrukturen der saarländischen Linken. Der Traum von der Wiedervereinigung seiner Linken mit seiner alten enttäuschten Liebe SPD, gescheitert an Mitgliederlisten und Karteileichen.

Linke am Boden

All das wiegt doppelt schwer, wenn Lafontaine in dem Moment ankündigt, nicht mehr zu kandidieren, in dem die Linke in Deutschland - die Partei, die er selbst mitgegründet hat - beinahe am Boden liegt und nur dank einer Sonderregel als Fraktion in den Bundestag einzieht.

Sein großes Ziel einer linken Sammlungsbewegung ist ferner denn je, nicht einmal für eine schnöde Koalition würde es reichen. Nicht minder tragisch: Selbst Oskar Lafontaines angekündigter Rückzug wird jetzt, wo alle über die Bundestagswahl sprechen, nicht mehr als eine Randnotiz sein.

Und doch bleibt am Ende Lafontaines Scheitern, dieser Bewegung zum Erfolg zu verhelfen. Und die Erkenntnis für die Linke im Land, aber auch im Bund, dass sie sich Sorgen machen muss. Wenn selbst Lafontaine augenscheinlich zur Erkenntnis gekommen ist, dass die aktuelle Lage noch nicht der Tiefpunkt sein könnte.

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