Ein Arzt trägt ein Stethoskop um den Hals. (Foto: dpa)

"Hausärzte sollen sofort impfen"

  09.03.2021 | 12:17 Uhr

Das ambulante Ethikkomitee der Ärztekammer und die Kassenärztliche Vereinigung im Saarland fordern den sofortigen Beginn der Impfungen durch die Hausärzte. Nur so könne der Impfprozess beschleunigt werden. Zuvor hatten sich Bund und Länder auf Anfang April als Starttermin geeinigt.

Nachdem die vulnerablen Gruppen weitgehend durchgeimpft seien und in nächster Zeit mit größeren Impfstofflieferungen zu rechnen ist, sollte der Schwerpunkt der Impfungen jetzt in die Arztpraxen verlagert werden, fordert die Kassenärztliche Vereinigung des Saarlandes (KV). Dadurch sei in kurzer Zeit ein hohes Angebot an Impfungen für die Bevölkerung auf kurzen Wegen erreichbar.

Dr. Michael Kulas über die Corona-Selbsttests und Impfungen
Video [SR Fernsehen, (c) SR, 09.03.2021, Länge: 03:49 Min.]
Dr. Michael Kulas über die Corona-Selbsttests und Impfungen

Voraussetzungen dafür seien eine stabile Lieferkette in die Arztpraxen über die Apotheken, eine schlanke Dokumentation und eine flexible Anpassung der Priorisierung an die Gegebenheiten der Praxis. Im geschützten Arzt-Patienten-Verhältnis seien die Gesichtspunkte schnell, flexibel, wohnortnah und leicht umsetzbar.

"Unerträgliche" Situation

Kulas: "Ende des zweiten Quartals könnten die meisten Saarländer sogar zweimal geimpft sein"
Audio [SR 3, Interview: Simin Sadeghi, 09.03.2021, Länge: 04:02 Min.]
Kulas: "Ende des zweiten Quartals könnten die meisten Saarländer sogar zweimal geimpft sein"

Scharfe Kritik übt das ambulante Ethikkomitee der Ärztekammer des Saarlandes an der bisherigen Impfstrategie. Dass immobile oder bettlägerige Patienten zu Hause nicht geimpft werden könnten, obwohl sie hoch gefährdet und priorisiert seien, sei "unerträglich". Das Komitee befürchtet, dass die Betroffenen in großer Angst vor der Pandemie sich zu Hause isolieren oder vereinsamen. Dass teilweise Menschen am Rollator oder im Rollstuhl vor den Impfzentren anstehen müssten, hält das Komitee ebenfalls für sehr bedenklich.

Hinzukomme, dass "Bürokratismus und Dokumentationswahn" den Impfprozess zusätzlich verlangsamen würden. Der Impfprozess müsse nun in die Hände der impferfahrenen Praxen der Hausärzte gelegt werden, fordert das Komitee.

Der Vorsitzende der Hausärzteverbandes des Saarlandes, Dr. Michael Kulas, hingegen begrüßt die Entscheidung von Bund und Ländern. Bis April seien noch einige organisatorische Aufgaben zu klären. Kulas spricht im SR-Interview von einer Erleichterung für die Patienten. Wenn die zugesagten Mengen an Impfstoffdosen wirklich kommen, seien zum Ende des zweiten Quartals die allermeisten Saarländerinnen und Saarländer zweimal geimpft, so seine Prognose.

Impfzentren bleiben vorerst bestehen

Die Fachminister von Bund und Ländern haben sich am Montag in der Gesundheitsministerkonferenz darauf geeinigt, dass ab Anfang April die niedergelassenen Ärzte in Deutschland flächendeckend mit Corona-Impfungen beginnen.

Demnach bekommen die Praxen den Impfstoff auf dem normalen Weg über den Großhandel und Apotheken. Der bürokratische Aufwand für die Ärzte solle auf ein Minimum reduziert werden. Die Impfzentren bleiben nach dem Willen der Minister vorerst bestehen. Auch bereits vereinbarte Termine behielten ihre Gültigkeit.

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Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten vom 09.03.2021 berichtet.

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