Männer stehen vor der Agentur für Arbeit  (Foto: dpa/Julian Stratenschulte)

Kurzarbeit erreicht höchsten Stand seit 2010

Thomas Braun   20.12.2019 | 11:26 Uhr

Aufgrund der schwächelnden Konjunktur greifen immer mehr Industriefirmen auf Kurzarbeit zurück. Nach einer Umfrage des Ifo-Institutes hat sie den höchsten Stand seit 2010 erreicht. Besonders betroffen sind das Saarland und Rheinland-Pfalz.

14 Prozent der Unternehmen im verarbeitenden Gewerbe in Rheinland-Pfalz und im Saarland hatten im Dezember bereits Kurzarbeit, bundesweit lag der Anteil der kurzarbeitenden Unternehmen bei 8,4 Prozent. "Die Rezession in der Industrie hinterlässt zunehmend tiefe Spuren auf dem Arbeitsmarkt", sagte Timo Wollmershäuser vom Ifo-Institut.

Das Wirtschaftsforschungsinstitut rechnet auf Basis seiner Konjunkturumfrage damit, dass der Kurzarbeiteranteil in den kommenden drei Monaten noch weiter steigen wird, auf 15,3 Prozent im Bund und mehr als 20 Prozent im Saarland und Rheinland-Pfalz.

Zahlen deutlich unter Krisenjahr 2009

Dezemberzahlen liegen der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit noch nicht vor. Die aktuellsten Zahlen stammen von November. Zu diesem Zeitpunkt hatten 29 Betriebe im Saarland konjunkturelle Kurzarbeit beantragt. Davon betroffen waren 552 Personen. Den höchsten Stand an Kurzarbeitern im Saarland gab es zuletzt im März 2009: Damals waren rund 29.100 Menschen in Kurzarbeit.

Das Ifo-Institut bezieht sich in seinen Berechnungen nicht auf tatsächliche Antragszahlen, sondern auf seine Konjunkturumfrage und schätzt, dass deutschlandweit aktuell mehr als 100.000 Industriebeschäftigte von Kurzarbeit betroffen sind. Das ist der höchste Wert seit 2010 - liegt aber immer noch deutlich unter denen des Krisenjahres 2009. Damals fuhren in ganz Deutschland bis zu 1,5 Millionen Beschäftigte Kurzarbeit.

Kurzzeitige Flauten überbrücken

"Mit Kurzarbeit können Unternehmen die Auftragsflaute überbrücken und ihre Fachkräfte halten. Wenn sich die Lage wieder bessert, können sie ihre Stunden wieder hochfahren und sich die schwierige Suche nach Mitarbeitern sparen", sagte Wollmershäuser.

Über dieses Thema berichteten auch die SR-Hörfunknachrichten am 20.12.2019.

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