Krankenhäuser im Saarland: Diakonisches Klinikum in Neunkirchen (Foto: Pasquale D’Angiolillo)

Rücktritte wegen geplantem Verkauf von Neunkircher Klinik

  13.09.2021 | 18:50 Uhr

Der geplante Verkauf des Diakonie Klinikums Neunkirchen sorgt für Wirbel. Am Wochenende hatten zwei Kuratoriumsmitglieder ihren Rücktritt erklärt. Im Gespräch mit dem SR erläuterte der Superintendent des Kirchenkreises Saar-West, Christian Weyer, die Gründe.

Die "Stiftung Kreuznacher Diakonie" hatte am Donnerstag angekündigt, das Diakonie-Klinikum Neunkirchen verkaufen und stattdessen das Angebot im Bereich der Seniorenhilfe ausbauen zu wollen. Am Wochenende hatten daraufhin der Superintendent des Kirchenkreises Saar-West, Christian Weyer, und der saarländische Pflegebeauftragte Jürgen Bender ihren Rücktritt aus dem Kuratorium der Stiftung erklärt.

"So kann man mit einem Aufsichtsgremium nicht umgehen."
Audio [SR 3, Interview: Drothee Scharner / Christian Weyer, 13.09.2021, Länge: 03:22 Min.]
"So kann man mit einem Aufsichtsgremium nicht umgehen."

Weyer sagte dem SR, das Handeln der "Kreuznacher Diakonie" entspreche nicht dem, was das Kuratorium entschieden habe. Dieses habe beschlossen, die Bemühungen um die Erneuerung des Klinikstandortes Neunkirchen weiterzutreiben und gleichzeitig ein Markterkundungsverfahren für das Klinikum zu starten.

Weyer: "Unverantwortliches Vorgehen"

Jetzt aber nur den Verkauf voranzutreiben, sei ein "unverantwortliches Vorgehen." Eine Neuausrichtung, die die Angebote der Seniorenhilfe auf Kosten der Krankenhäuser im Saarland stärke, sei im Kuratorium nie "diskutiert, geschweige denn beschlossen" worden.

Weyer berichtet zudem von massiven Problemen in der Zusammenarbeit mit der Diakonie. "Die Grenze des Erträglichen ist gekommen", so Weyer im SR. Man könne durchaus einen zukunftsfähigen Standort in Neunkirchen betreiben, aber es fehle an Willen. Es gebe durchaus "ein sehr gutes Konzept", das aber nicht weiterfolgt werde.

Diakonie weist Kritik zurück

Die Diakonie bedauerte die Rücktritte von Weyer und Bender, wies zugleich aber auch die Vorwürfe zurück. In der jüngsten Kuratoriumssitzung sei mehrheitlich der Beschluss gefasst worden, ein Markterkundungsvefahren mit dem Ziel des Verkaufs einzuleiten, heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme.

Verdi fordert Mitarbeiter zu beteiligen

Die Gewerkschaft Verdi steht dem geplanten Verkauf kritisch gegenüber. Sie hat Zweifel, dass das geplante Markterkundungsverfahren tatsächlich transparent verlaufen wird. "Die Gesundheit der Neunkircher Bevölkerung dem Markt zu überlassen, ist ein großer Fehler", betont der Verdi-Pflegebeauftragte Michael Quetting.

Stattdessen fordert er, das Klinikum wieder in kommunale Hände zu geben und die Mitarbeiter zu beteiligen. Quetting betont, dass es nun notwendig sei, neue Wege zu gehen und Bevölkerung sowie Beschäftigte mitzunehmen. "Wenn die Landesregierung zu den Investitionen bereit ist, dann ist nicht einzusehen, diese einem privaten Betreiber zu schenken."

2015 an Diakonie verkauft

Das ehemalige städtische Krankenhaus in Neunkirchen war erst 2015 an die Kreuznacher Diakonie verkauft worden. Es hat nach eigenen Angaben 612 Mitarbeitende und 309 Planbetten. Die "Stiftung Kreuznacher Diakonie" ist Träger zahlreicher Krankenhäuser, Hospize, Sozialstationen, Einrichtungen für Senioren, Wohnungslose und Menschen mit Behinderungen sowie Kinder, Jugendliche und Familien im Saarland und in Rheinland-Pfalz.

Über dieses Thema berichtet auch die SR 3-Rundschau vom 13.09.2021.

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