Lehrerin mit Maske steht im Unterricht vor der Klasse. (Foto: Imago Images/Michael Müller)

Lehrer fühlen sich als Spielball der Entscheidungsträger

  11.11.2020 | 16:29 Uhr

Der Saarländische Lehrerinnen- und Lehrerverband (SLLV) und die Gewerkschaft GEW haben die neuen Quarantäneregeln für Schulen heftig kritisiert. Gesundheitsschutz - vor allem für die Lehrkräfte - spiele dabei keine Rolle mehr.

"Dass die Lehrer einen derzeit Horrorjob haben, bezweifelt niemand"
Audio [SR 3, Kollegengespräch Renate Wanninger, Stephan Deppen, 11.11.2020, Länge: 03:21 Min.]
"Dass die Lehrer einen derzeit Horrorjob haben, bezweifelt niemand"

"Das Maß ist voll", sagte die SLLV-Vorsitzende Lisa Brausch. "Lehrkräfte fühlen sich in ihren Sorgen und Ängsten überhaupt nicht mehr ernst genommen." Es gehe aktuell nicht mehr um pädagogische Konzepte oder Lerninhalte, sondern einzig darum, möglichst wenige Kinder in Quarantäne zu schicken, um den Schulbetrieb aufrecht zu erhalten, beschreibt Brausch ihren Eindruck.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft GEW äußerte sich ähnlich. Man sei entsetzt, mit welchen Mitteln die Landesregierung versuche, den Präsenzunterricht am Laufen zu halten. 

Nicht mehr ganze Klassen in Quarantäne

Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot (SPD) und die saarländischen Landräte hatten am Dienstag neue Empfehlungen zu Quarantäneregeln beschlossen. Danach sollen künftig bei einem Coronafall nicht mehr ganze Klassen, sondern nur noch die direkten Kontaktpersonen in Quarantäne - insofern der Muster-Hygieneplan an der Schule strikt eingehalten wurde. Entscheiden soll letztlich das für den Schulstandort zuständige Gesundheitsamt.

Der SLLV stellt in Frage, wer diese strikte Einhaltung der Hygieneregeln kontrollieren soll und zum Beispiel darauf achte, wer mit wem in der Pause Kontakt hatte. Es häuften sich Hilfegesuche von Lehrkräften und Schulleitungen, die durch die Pandemie gesundheitliche Folgen und Überlastung spürten. "Es ist für Lehrerinnen und Lehrer nicht noch zumutbar, eine solch große Verantwortung für den Gesundheitsschutz der ihnen anvertrauten minderjährigen Kinder zu übernehmen", kritisierte Brausch.

SLLV für Wechselunterricht

Der SLLV plädierte erneut für Wechselunterricht und forderte zudem das Ministerium auf, seiner Fürsorgepflicht als Dienstherr für die Lehrkräfte nachzukommen und Schutzausrüstung wie FFP2-Masken zur Verfügung zu stellen.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 11.11.2020 berichtet.

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