Busse der Saarbahn (Foto: Saarbahn/Pressefoto)

Kritik an Politik nach Fahrplan-Kürzungen

  27.09.2018 | 16:54 Uhr

Ab Montag gilt für die Busverbindungen der Saarbahn ein ausgedünnter Fahrplan. Grund sind vermehrte Ausfälle wegen Fahrermangels. Die Linke greift die Verantwortlichen nun scharf an. Studentenvertreter drohen mit Rückforderungen. Und die CDU im Saarbrücker Stadtrat regt eine Absenkung der Fahrpreise an. Für die Saarbahn kommt das nicht in Betracht.

„Es ist ja nicht so, dass der Personalmangel auf einmal so vom Himmel gefallen wäre. Er ist vor allem eine Folge der immer schlechter werdenden Arbeitsbedingungen und eines andauernden Kürzungskurses“, erklärte der wirtschafts- und verkehrspolitische Sprecher der Linken, Jochen Flackus. Der Saarbahn wirft er vor, auf private Subunternehmen gesetzt zu haben, die ihren Fahrern schlechtere Löhne zu schlechten Bedingungen zahlten.

Die Verantwortung für die jetzige Situation trügen aber Saarbahn-Geschäftsführung, die Verwaltungsspitze im Saarbrücker Rathaus und die Landesregierung gemeinsam. "Der ‚Notfallplan‘ der Saarbahn ist ein Schlag ins Gesicht für die Bürgerinnen und Bürger, die die Busse täglich nutzen und selbstverständlich weiterhin den vollen Preis für ihre Fahrkarten zahlen müssen", fügte Flackus hinzu. Die Linke fordert einen Neuanfang mit einem einzigen Landesbetrieb für den öffentlichen Nahverkehr.

Asta beklagt desolate Zustände

Auch der Asta der Saar-Uni macht der Politik Vorwürfe. Stadt und Land hätten viel früher auf die desolaten Zustände im ÖPNV reagieren müssen, so die Asta-Vorsitzende Judith Bühler. Vor dem Hintergrund der Erhöhung des Semestertickets um drei Euro zum Wintersemester beklagt der Asta, die Studenten zahlten für Leistungen, die nicht eingehalten würden. Die universitäre Anbindung würde unter den angekündigten Maßnahmen besonders leiden. Unter der Woche fielen täglich 43 Fahrten von der Stadt zur Universität aus, das entspräche fast 15 Prozent aller Fahrten.

Die Studentenvertreter fordern deshalb, dass die Saarbahn die universitäre Anbindung von ihrer Fahrplankürzung ausnimmt. Ansonsten würde man die drei Euro Preiserhöhung von den Verkehrsbetrieben zurückfordern.

Saarbrücker CDU für Preisnachlässe

Die CDU-Fraktion im Saarbrücker Stadtrat verweist darauf, dass die angespannte Personalsituation bei der Saarbahn bereits seit Jahren bestehe. Ein zuverlässiger ÖPNV sei aber ein wesentlicher Faktor für die Funktionsfähigkeit der Stadt. Umso ärgerlicher sei deshalb die massive Reduzierung des Angebots. "Vor dem Hintergrund des eingeschränkten Angebotes regen wir außerdem an, dass die Saarbahn GmbH die Fahrpreise ab dem 01.10.2018 entsprechend absenkt, um sich nicht den Vorwurf gefallen lassen zu müssen, von den Busausfällen finanziell sogar noch zu profitieren", sagte der Fraktionsvorsitzende Uwe Conradt.

Keine Preisanpassung nach Fahrplan-Kürzungen

Die Notwendigkeit für eine Preisanpassung sieht die Saarbahn allerdings nicht. "Bei Nutzung des ÖPNVs zahlen unsere Fahrgäste die einzelne Dienstleistung/Beförderung, die sie in Anspruch nehmen, nicht das komplette Angebot", so eine Sprecherin des Unternehmens. Eine Veränderung des Fahrplans könne daher keine Veränderung der Preise mit sich bringen. Im Umkehrschluss würden die Fahrpreise auch nicht angehoben, wenn neue Linien, Fahrten oder Haltestellen eingerichtet wurden.

Über dieses Thema wurde auch im aktuellen bericht am 26.9.2018 berichtet.

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