Eine Schulsozialarbeiterin betreut Schulkinder (Foto: IMAGO / Hans Lucas)

Lehrerverbände kritisieren Gesetzentwurf zur Schulsozialarbeit

  17.05.2022 | 13:13 Uhr

Die SPD will die Schulsozialarbeit neu regeln und zum Beispiel für mehr Mitbestimmungsrecht in dem Bereich sorgen. Zuspruch kommt von der Arbeitskammer und der Landeselterninitiative für Bildung. Lehrerverbände hingegen kritisieren die Pläne der Landesregierung als nicht praxisnah und fordern konkretere Verbesserungen an Schulen.

Als eine ihrer ersten Amtshandlungen als alleinige Regierungspartei will die SPD den Bereich der Bildung angehen und die Schulsozialarbeit mehr in den Fokus rücken. Demnach solle ein Rechtsanspruch auf Schulsozialarbeit enstehen und Schulsozialarbeiterinnen und -arbeiter mehr Mitbestimmungsrechte erhalten.

Pläne nicht konkret genug

Mehrere Lehrerverbände kritisieren diesen Vorstoß in einer gemeinsamen Stellungnahme als nicht praxistauglich. Zwar würde der bestehende Gesetzentwurf ein Mitbestimmungsrecht vorsehen. Eine konkrete Vorstellung davon, wie die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Professionen an Schulen funktionieren könnte, gäbe es dabei aber nicht. "Hier werden erneut die ohnehin schon völlig überlasteten Schulleiterinnen und Schulleiter in eine Pflicht genommen, für die eigentlich die Landesregierung verantwortlich ist", erklärt Karen Claassen, Vorsitzende des Verbands Reale Bildung.

Zunächst müsse man außerdem den Fokus auf die "elementaren Voraussetzungen wie zum Beispiel fließend warmes Wasser in jedem Klassenraum", richten, fügt Claassen hinzu.

Corona-Lehren nicht beachtet

Lisa Brausch, Vorsitzende des Saarländischen Lehrerinnen- und Lehrerverbands fordert, dass bereits vor der Durchsetzung eines neuen Gesetzes der Austausch mit den Mitbestimmungsgremien stattfinden müsste. Auch blieben ihrer Ansicht nach Probleme, die sich während der Coronapandemie an Schulen gezeigt haben, außen vor.

Generell einig sind sich die Lehrerverbände darüber, dass es nicht reiche, nur die Schulsozialarbeit zu stärken. Der Vorstoß der Regierungspartei sei zu einseitig ausgerichtet. Vielmehr bräuchte es allgemein mehr Unterstützung für das Schulpersonal in allen Bereichen.

Langwierige Besetzungsverfahren

Nicht zu vergessen sei neben all den Punkten, dass es oftmals lange dauere, bis Stellen überhaupt neu besetzt werden. Auch dort müsse das Ministerium erstmal funktionierende Strukturen schaffen, kritisiert Marcus Hahn, Vorsitzender des Saarländischen Philologenverbandes. Denn es sei nicht zu erkennen, "wie die jetzt bereits überforderte Kultusbürokratie die neue Zuständigkeit im Bereich der Schulsozialarbeit bewältigen soll."

Zuspruch seitens der Arbeitskammer und Landeselterninitiative

Die Arbeitskammer des Saarlandes begrüßt hingegen die Pläne der Landesregierung. "Das ist ein wichtiger Schritt, um Schulsozialarbeit endlich als vollwertige, mündige Profession anzuerkennen und gleichzeitig ihre Schlüsselrolle in multiprofessionellen Teams zu festigen", sagt Hauptgeschäftsführer Thomas Otto.

Die Reform der Schulsozialarbeit würde zur gleichwertigen Bildung für alle Schülerinnen und Schüler im Saarland beitragen.

Auch die Landeselterninitiative für Bildung äußert sich positiv zur geplanten Neuregelung der Schulsozialarbeit. Damit greife die Landesregierung Forderungen verschiedener Organisationen auf und stärke die multiprofessionelle Arbeit an Schulen.

Bereits am Mittwoch soll der Landtag über den geplanten Gesetzentwurf diskutieren.

Über dieses Thema hat auch die SR-Fernsehsendung "aktuell" am 17.05.2022 berichtet.

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